America’s Cup: Luna Rossa stellt sein Team vor – Deutscher Martin Fischer dabei

Bertelli will es wissen


Das Luna Rossa Team hat die Mannschaft vorgestellt, mit der es den 35. America’s Cup gewinnen will. Insgesamt 84 Menschen sind dabei, unter anderem der deutsche Flügel Papst Martin Fischer.

Diesmal wollen es die Italiener wissen. Kein Abwarten, kein Lamentieren, kein Ärger über das Protokoll, sofort Vollgas. Patrizio Bertelli hatte schon bei seiner Meldung für den 34. America’s Cup gesagt, dass eigentlich der 35. das Ziel sei. Nun meint er es ernst.

Luna Rossa

Italienische AC72 Action vor San Francisco. © Luna Rossa

Erst Ende 2011 hatte der Prada Chef für San Francisco seinen Hut in den Ring geworfen. Viel zu spät für einen ernsthaften Angriff auf die Kanne. Nur eine Kooperation mit den Neuseeländern versetzte die Italiener in die Lage, überhaupt rechtzeitig einen Kat zu bauen. Als einziges der vier Cup Teams hob es auch kein zweites Boot aus der Taufe. So war es im Louis Vuitton Cup Finale chancenlos gegen die Kiwis.

Diesmal wollen sie keine Zeit verlieren. Zwar weist der britische Independent darauf hin, dass die Italiener die Führerschaft und Regeln “diktatorisch” nennen. Aber das hindert Bertelli offenbar nicht daran, frühzeitig Gas zu geben und die Spielregeln anzuerkennen.

Suche nach der Eingebung

“Dieser Bootstyp ist nach wie vor komplex, teuer und sehr schwierig zu beherrschen auf dem Wasser und an Land”, sagt der Maestro. “Aber ich mag die Design Komponente des America’s Cups leidenschaftlich gerne. Es geht um die andauernde Suche nach siegbringenden Idee und Eingebung. In diesem Sinne ist auch die neue Klassenregel zweifellos sehr herausfordernd.”

Luna Rossa Basis

Luna Rossa Basis in Calgari. © Luna Rossa

Dafür haben sich die Italiener mit einem 25-Köpfigen Design Team ausgestattet. Es wird geführt von dem Spanier Marcelino Botin, dem ehemaligen Chef Designer beim Team New Zealand (04-07), der 2010 noch als einer der größten Kritiker der Katamaran Entscheidung galt.

Viele Design Mitarbeiter haben schon mehrere Kampagnen mit Luna Rossa absolviert. Aber drei Spezialisten konnten von Oracle abgeworben werden, zwei vom Artemis Team.

Tragflächen Spezialist Martin Fischer

Aus deutscher Sicht ist das Engagement von Martin Fischer interessant, der als einer der hellsten Köpfe der Branche gilt und sich insbesondere mit dem Segeln auf Tragflächen beschäftigt hat. Der Mann, geboren in Celle, steckt unter anderem hinter der Entwicklung der Flügel für den Flying Phantom Katamaran.

Patrizio Bertelli

Patrizio Bertelli neben dem Louis Vuitton Cup, den er schon einmal gewann. © Luna Rossa/Carlo Borlenghi

Auch für das bisher 14-Köpfige Segelteam haben einige Profis das Lager gewechselt. So sind Simeon Tienpont, Shannon Falcone und Gilberto Nobili von Oracle gekommen. Francesco Bruni und der Brite Chris Draper bleiben aber die Schlüsselfiguren.

Dazu kommt der Neuseeländer Adam Minoprio, der 2009 die World Match Racing Tour gewonnen hat und 2011-12 mit dem Team New Zealand zweiter beim Volvo Ocean Race wurde. Spannend ist auch das Hinzuziehen des Amerikaners Bora Gulari, dem Pionier in der fliegenden Moth Klasse. 2009 und 2013 wurde er Weltmeister.

Sibello eigentlich für Deutschland

Auch Pietro Sibello hatte bisher eher mit kleineren Booten zu tun. Eigentlich wollte er zusammen mit Lisa Rattemeyer im Nacra 17 für Deutschland eine Olympiakampagne starten. 2013 schlug das Duo noch furios bei der Kieler Woche ein. Aber dann verweigerte der italienische Verband die Freigabe für den Olympia Vierten in der 49er Klasse (08) und ehemaligen Weltranglisten Ersten.

Das Team der Italiener zeigt, warum die Briten davon sprechen, dass auch der 35. America’s Cup keine Budgetverringerung bringt und wohl 100 Millionen Euro erfordert. Die Design Komponente scheint für den neuen AC62 Kat so wenig ausgereizt zu sein, dass es an dieser Front noch viel zu gewinnen gibt.

Luna Rossa hat diesmal seine Hausaufgaben gemacht, wie es den Anschein hat. Das Team steht. Die Basis in Calgari ist bezogen und die erste Niederlage auf Flügel-Katamaranen haben die Italiener Oracle  auch schon beigebracht.

Beim Match Race Germany hat Bruni mit seiner neuen Crew noch überhaupt nicht funktioniert. Aber so lange der nächste America’s Cup nicht mit Bavarias ausgesegelt wird spielt das noch keine so große Rolle.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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