America’s Cup: Luna Rossa – Team New Zealand 1:1 – Die Starts sind entscheidend

Italiener auf Augenhöhe

Das Duell beim 36. America’s Cup zwischen dem Verteidiger Team New Zealand und Herausforderer Luna Rossa ist am ersten Tag spannender verlaufen, als erwartet. Nach einer Niederlage im ersten Rennen konnten die Italiener zurückschlagen.

Viel wurde vor dem Rennen darüber geredet wie viel der Kiwi-Cupper im America’s Cup Match schneller sein würde als Luna Rossa. Phantastische Werte kursierten. Mehr als 60 Knoten sollen die Neuseeländer im Training erreicht haben. Die Italiener schienen keine Chance zu haben. Die großen Unterschiede im Design mochten für die Kiwis sprechen.

Luna Rossa dominiert das zweite Rennen schon kurz nach dem Start. © COR 36 / Studio Borlenghi

Vielleicht glaubt James Spithill irgendwann selber daran. Anders ist das verzweifelte Luvmanöver des Luna-Rossa-Steuerbord-Steuermanns kurz nach dem ersten Start kaum zu erklären. Zu spät ist er an der Linie, zu ungenau sind seine letzten Schlenker vor dem Schuss. Aus einer starken Position wird eine schwache.

Anstatt eng in Lee des Gegners zu starten und ihn mit einer sicheren Leestellung unter Druck zu setzen, reißt er das Steuer zu spät herum Richtung Startlinie lässt seinen Gegner vom Haken, will es nicht wahrhaben. Er versucht, ihn mit einem späten Luvmanöver zu erwischen.

Es sieht unwürdig aus. Wie ein Tritt, der ins Leere geht. Zu sehr hat sich der Australier vorgenommen, beim Start zu glänzen. Zu sehr steht er unter Druck, einen frühen Vorteil zu erarbeiten. Eine andere Chance scheint es für die Italiener nicht zu geben. Es scheint die gleiche Ausgangssituation wie für Ben Ainslie beim Prada-Cup-Finale zu sein. Der Brite muss etwas Besonderes tun, um seinem Team eine Siegchance zu erhalten. Es reicht nicht, einfach einen gleichen Start auszuführen. Die Angst segelt mit, dass das Rennen schnell verloren geht, wenn der Gegner seinen Speed ausspielen kann.

Aber oft macht man im Match Race genau dann die Fehler, wenn man versucht, einen klaren Vorteil zu erzwingen. Auch dafür sind Ainslies Rennen gegen die Italiener ein gutes Beispiel. Ein guter Start wie in dessen siebten Rennen reichte nicht für den Sieg, er musste ein höheres Risiko gehen. Das klappte erst zum Schluss besser. Aber vier von acht Start-Vorteilen reichten nicht aus bei einem langsameren Boot.

Gefährlichster Kiwi-Moment im ersten Rennen. Peter Burling rutscht beim Bugwechsel aus.

Spithill mag diese Quote und die Speedwerte seines Bootes im Kopf haben als er sich für das aussichtslose Harakiri-Luvmanöver entschied. Vielleicht hätte er es nicht getan, wenn er wüsste, wie gut Luna Rossa bei diesem Wind zwischen 10 und 12 Knoten mithalten kann. So aber liegt er in diesem Auftaktrennen schnell so weit hinten, dass keine Chance mehr für einen Sieg besteht. 1:0 für Neuseeland.

LNR schießt von Luv auf TNZ herab…

…und legt sich vor den Gegner…

…Ein knappes gut getimtes Manöver…

…TNZ versucht Luv-Abstand zu erreichen…

…und fällt dann ab, um Druck auf den Gegner zu machen…

…Spithill verteidigt mit einen Abfall-Manöver…

…wird dann aber etwas zu schnell…

…rutscht zu weit nach Lee…

…kommt etwas spät aber immer noch Okay über die Linie…

…und versucht mit einem verzweifelten Luvmanöver Burling zu überraschen. Aber der weicht rechtzeitig aus…

…Die Schiedsrichter geben keinen Penalty und TNZ startet mit einem klaren Vorsprung, der nicht in Gefahr gerät.

Hoffnung kann den Italienern machen, dass sie in dem Rennen längst nicht so langsam sind wie befürchtet. Der Rückstand bewegt sich stabil im Bereich von 20 Sekunden bevor auf dem letzten Vorwind zehn weitere dazu kommen. Drei zusätzliche Manöver machen das Defizit aus.

Statistik des ersten Rennens.

Die erste Kreuz. Der erste gelbe Ausreißer nach unten zeigt der Verlust von Luna Rossa beim Luvmanöver.

Speedvorteile vor dem Wind für TNZ

DAS ZWEITE RENNEN:

Vielleicht steuert Spithill den zweiten Prestart deshalb etwas entspannter. Das kann er aber auch, nachdem Peter Burling, wie vom italienischen Lager erhofft, den Vorstart gründlich vermasselt. Man hört ihn leise fluchen, als das letzte Luvmanöver missglückt und Schiff zu sehr seitlich abrutscht. Dadurch passt das Timing nicht mehr. Team New Zealand startet schließlich gut zwei Längen hinter den Gegnern.

Eigentlich kein Problem, hätte man vorher gedacht. Zu schnell sind die Kiwis, als dass sie das stören könnte. In Bermuda hatte Peter Burling aus solchen Starts noch lockere Rennsiege gemacht. Und kurz nach der ersten Wende sieht es auch so aus, als wenn der Kiwi-Cupper seine Überlegenheit zeigen könnte, indem er mehr Höhe aus seinem Setup quetscht.

TNZ steuert im Prestart weit nach Luv in die Box…

…und sticht dann mit hohem Speed nach Lee…

…LNR setzt sich davor…

…und TNZ ist zu spät dran, um Druck aufbauen zu können…

…Die frühe Wende …

…matcht LNR…

…und liegt deutlich vorne…

…Kritisch wird es als TNZ nach der zweiten Wende Höhe quetschen kann, weil LNR zu locker gedeckt hat…

…Hat TNZ einen besonderen Höhe-Modus eingebaut? – In diesem Fall nicht. LNR wehrt den Angriff ab und deckt danach genauer.

Aber die Luna-Rossa-Crew zeigt schließlich, dass der hohe Modus auch in das eigene Boot eingebaut ist. Burling sackt wieder in das Kielwasser des Gegners und muss danach feststellen, dass er im Wendeduell unterlegen ist. Auch der Vorteil vor dem Wind nicht zum Überhomanöver aus.

Erst ein erstaunliches Manöver der Italiener bringt ihn überraschend wieder in Schlagdistanz. Sie wenden direkt nach der Leetonne, um die rechte Seite früh abzusichern. Das führt zu zwei zusätzlichen Wenden im Vergleich zum Gegner und halbiert den Vorsprung von 24 auf 12 Sekunden. Das Risiko, die frühe Initiative zu ergreifen, war es wohl nicht wert. Aber Spithill und Bruni sichern 7 Sekunden Vorsprung ins Ziel.

Statistik vom 2. Rennen. LNR wendet dreimal mehr, um die rechte Kreuzseite abzusichern und ist trotzdem upwind etwas schneller. Der Effekt der Abdeckung .

Erste Vowindstrecke.

Im Wenden-Duell sackt der LNR-Speed weniger ab als bei TNZ

Sie zeigen, dass sie einen Startvorteil durchaus in einen Rennsieg ummünzen können. Zuvor hätten sie wohl selber nicht daran geglaubt. Diese Vorgaben könnten noch zu einer sehr spannenden Rennserie führen. Zumal die Wettervorhersagen von Freitag bis Sonntag eher leichtere Winde prognostizieren.

Nach einem Ruhetag am Donnerstag geht es weiter. Ab Freitag wird mit zwei Rennen pro Tag so lange gesegelt, bis ein Team sieben Siege ersegelt hat.

Der Unterschied der Foil-Formen

Erstaunlich großer Unterschied zwischen den beiden Foils, TNZ (l.).© Giovanni Gambacciani

30 Prozent kleinere Fläche bei TNZ. © Giovanni Gambacciani

TNZ mit T-Foil, Luna Rossa mit kleinem Winkel im Shape. © Giovanni Gambacciani

Der mit Gewicht gefüllte Torpedo bei den Italiener. TNZ mit kleiner Flosse am Foilarm-Ende. © Giovanni Gambacciani

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „America’s Cup: Luna Rossa – Team New Zealand 1:1 – Die Starts sind entscheidend“

  1. avatar christoph sagt:

    Sehr gute Analyse, macht Freude, bitte weiter so.

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