America’s Cup: Luna Rossa wirft die Briten raus – Keine Chance für Ben Ainslie

Feierstunde für Italien

Luna Rossa Prada Pirelli hat das Herausforderer-Finale für den America’s Cup mit 7:1 gewonnen. Das INEOS Team UK war bei leichtem Wind trotz zweier gewonnener Starts deutlich unterlegen.

Feierstunde für Italien. Bruni mit der Champagner-Flasche. © COR 36 | Studio Borlenghi

In dieser Situation ist Ben Ainslie richtig gefährlich. Gegner Luna Rossa steht vor dem “Matchball” bei diesem Prada-Cup-Finale. Es steht 1:6. Der Brite ist niemand, der sich ohne Gegenwehr in sein Schicksal ergibt. Geht er im Vorstart aufs Ganze? Was bleibt ihm anderes übrig? Wenn er dieses Rennen mit einem Sieg übersteht, kann er sich vielleicht zum nächsten Tag retten. Dann soll es deutlich stärker wehen.

Gegner Spithill muss damit rechnen, dass etwas Besonderes passiert. Er kennt diese Situation. Vor 21 Jahren durfte er als 19-Jähriger für Australien einen America’s Cupper steuern. Mit dem technisch unterlegenen Schiff hatte er keine Chance auf dem Rennkurs als die Vorstarts zu gewinnen. Er musste aggressiv sein. Aus dieser Zeit stammt der Spitzname Pitbull.

Aber nun wäre für ihn jedes Risiko unnötig. Er segelt das schnellere Schiff. Bloß kein Crash, bloß irgendwie über die Startlinie kommen und dann auf den Speed vertrauen.

Dann passiert es plötzlich doch. Die britische Breitseite taucht vor dem Bug auf. Kollisionskurs Sekunden vor dem Start. Spithill luvt kurz an, um die Schiedsrichter zu überzeugen, dass es zu einem Crash kommen könnte, wenn er nicht ausweicht. Aber durch das Ändern des Kurses verliert er seine Vorfahrtsrechte, wie Chief-Umpire Richard Slater später erklärt (Regel 16). Er muss seinen Kurs halten.

Eine mutige Position für eine Wende unter der linken Startmarke (im Bild oben). Luna Rossa kommt mit Wegerecht…

…Reicht der Abstand für einen Cross?…

…Spithill luvt etwas an, um den Gegner zu erwischen und verliert laut Schiedsrichter dadurch seine Rechte (Regel 16)…

…Spithill ist auch noch zu früh an der Linie und bekommt einen 20 Meter Penalty aufgebrummt.

Deshalb kann Ainslie trotz der unkonventionellen Wende im Moment des Starts klar vor dem Gegner passieren. Der segelt auch noch zu früh über die Startlinie, weil die Nähe zur Startlinienbegrenzung in Lee (Pin End) keine Zeitverzögerung mehr zulässt, bekommt deshalb einen 20 Meter-Brems-Penalty verpasst und liegt hinten.

Pyrrhussieg

Besser kann es für die Briten nicht laufen. Und doch ist es Pyrrhussieg. Beim ersten Cross liegen sie noch vorne, aber schon nach der nächsten Wende müssen sie hinter dem Heck passieren.

Der Wind ist wieder unter die 11 Knoten-Marke abgesackt. Zwar hat INEOS im Vergleich zum ersten Rennen die größere Fock gesetzt und will damit konkurrenzfähiger sein. Besonders vor dem Wind klappt das auch. Aber mit Wind von vorne ist der Widerstand zu groß im Vergleich zu den Italienern, deren Foil-Segeltrimm-Konfiguration es erlaubt, auch bei weniger Wind ein kleineres Vorsegel zu setzen.

Game over. Das letzte Rennen des Prada Cups ist schneller vorbei, als viele Beobachter erwartet hatten. Bei den vorherrschenden leichten Windbedingungen ist das britische Team auf dem falschen Fuß erwischt worden.

Die Schwäche hatte sich schon beim Christmas Cup im Dezember gezeigt als das Boot große Probleme hatte, sich überhaupt auf den Tragflächen zu halten. Aber danach konnten Ainslie und Co das Ruder noch einmal herumreißen. Der Speed auch bei Leichtwind war deutlich besser geworden.

Ainslies starker Start im siebten Rennen

Dennoch reicht es nicht, um die Italiener bei diesen Bedingungen unter 12 Knoten Paroli zu bieten. Das zeigt auch das vorletzte Rennen. Mehr kann man sich nicht wünschen für einen Match-Race-Start. Ben Ainslie dominiert den Vorstart aus einer starken Leeposition und liegt direkt nach dem Schuss vorne. Luna Rossa schafft es nicht, den oft gezeigten Höhe-Modus anzubringen, hält sich aber diesmal in Luv bis zur Spielfeldgrenze.

Dort müssen die Italiener entsprechend der besonderen America’s Cup Regeln auf dem speziellen Rennkurs mit Seitenbegrenzungen dem britischen Boot ausweichen. Es kommt darauf an, wie stark beide Teams ihre Wende ausführen.

Hier zeigt sich die Überlegenheit von Luna Rossa. Nach dem Manöver haben Spithill und Bruni aus einer schwachen Position eine starke gemacht. Es zeigt sich, was danach auf dem Kurs passiert. Das silberrote Boot ist klar schneller.

Klassischer Match Race Start: Luna Rossa (r.) versucht durch Anluven ausreichend Querabstand zum Leeboot zu generieren…

…aber im Moment des Starts hat INEOS eine starke Leeposition – wie im sechsten Rennen zuvor…

…Ainslie zieht in der Leeposition hoch. Diesmal hat er den Start klar gewonnen…

…Aber diesmal wendet Luna Rossa nicht früher weg, versucht sich in Luv zu halten…

…Nach der simultanen Wende an der Spielfeldgrenze liegen die Italiener knapp vorne…

…und ziehen in Lee mit mehr Höhe zum Wind raus…

Der Moment der Niederlage im siebten Rennen. INEOS kann sich nach starkem Start nicht halten und muss wegwenden. © COR 36 | Studio Borlenghi

…Nach der Wende liegt Ainslie schnell hinten. Game over

Der Unterschied zum Vortag ist die kleinere Fock auf dem britischen Boot. Bei stärker angesagtem Wind haben sie die J2 gesetzt wie auch die Italiener. Aber der Windspeed sackt ab. Und es gibt keine Chance mehr.

Das war es nun also. 7:1 ist ein klares Ergebnis. Am Ende war es deutlicher, als man erwarten konnte. Die Italiener haben viel Glück mit dem Wind gehabt. Bei überwiegend leichten Bedingungen waren sie am Ende deutlich überlegen. Ob das Duell bei stärkerem Wind anders verlaufen wäre? Der eine Sieg von INEOS deutet darauf hin. Aber man weiß es nicht.

Das Tean New Zealand trainiert neben dem Prada-Cup-Finale

So konnten einen die Rennen nicht vom Hocker reißen. Zwar sind die AC75-Cupper beeindruckende Sportgeräte, aber sportlich lagen die Teams zu weit auseinander, um für mehr Spannung zu sorgen. Match Race ist einfach nicht mitreißend, wenn ein Boot klar schneller ist. So gab es in acht Rennen nur ein einziges echtes Überholmanöver – im letzten Lauf.

Kiwis sind klare Favoriten

Wie wird es ab dem 6. März? Dann tritt Luna Rossa gegen den America’s Cup-Verteidiger Team New Zealand an. Die Kiwis haben auch an diesem Tag neben dem Finalrennen ihre Runden gedreht. Für sie ist es wichtig ihren Speed bei den exakt gleichen Windbedingungen zu checken. Damit können sie die Daten mit denen des Herausforderers beim Finale vergleichen.

Cup Kommentator Nathan Outteridge lässt sich zum dem Ausblick hinreißen, dass er die Neuseeländer für deutlich schneller hält als Luna Rossa. Sie sollen sich auch bei Leichtwind auf bis zu 30 Prozent kleineren Foils über Wasser halten können. Das zeugt von einer großen Kontrolle. Die Italiener müssen ihr Spiel wohl noch einmal deutlich verbessern, um gegen die Kiwis eine Chance zu haben.

Martin Fischer, deutscher Chef Designer von Luna Rossa. Einer der wichtigsten Männer für den italienischen Erfolg.

Eine schöne Aufgabe für Martin Fischer den deutschen Chef Designer des italienischen Teams, mit dem SR bei der Taufe Cagliari gesprochen hat. Er ist einer der großen Sieger dieser Regatta. Vielleicht hat er noch ein paar Asse im Ärmel, um auch beim America’s Cup Match bestehen zu können.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

4 Kommentare zu „America’s Cup: Luna Rossa wirft die Briten raus – Keine Chance für Ben Ainslie“

  1. avatar Kwasi sagt:

    Ich kann beim letzten Rennen keinen Frühstart erkennen.
    Wenn die eingeblendete Zeit so falsch ist, dann sollte man sie lieber nicht einblenden…

  2. avatar Kwasi sagt:

    Übrigens verliert ein Boot nicht seine Vorfahrtsrechte wenn es unter r16 dem anderen Boot Raum zum Freihalten geben muss.

  3. avatar Trung sagt:

    hi kwasi, lange nicht gesehen. Was Luna Rossa betrieben hat ist klassisches hunting. Sie fuhren in der Kiellinie zu Ineos. Beide deutlich tiefer als am Wind. Als ersichtlich wurde dass Ineos wendet, luvt Luna Rossa bis zur Überhöhe an, um dann sein Ausweichmanöver demonstrativ kurz vor knapp auszuführen. Es gab keine Berührung, also ist grün schon richtig. Bei den Affenzahn an Speed gehört schon einiges an Mut beider Steuerleute so einen Akt hinzulegen.

    • avatar Kwasi sagt:

      Hi Trung, das ist ja eine Freude!

      Ja, ich denke auch dass die Entscheidung richtig ist.
      Ich habe bloß die Formulierung aus dem Artikel etwas korrigiert, denn Richard Slater hat es ja richtig erklärt. Wenngleich das Live Interview kurz vor einem neuen Cross geführt wurde.
      Segel du doch auch mal Virtual Regatta mit, da findest du mich. Ist besser als nix 😉

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