America’s Cup: Mastbruch bei Luna Rossa – Was der Rückschlag bedeuten kann

Schwerer Schlag?

Gerade noch war der Luna Rossa Chefdesigner Martin Fischer in Düsseldorf und berichtete bei SR über den Stand der Dinge beim Challenger of Record. Nach seiner Rückkehr ist Krisenmanagement angesagt.

Die Crew versucht, das Rigg zu sichern. © Borlenghi Luna Rossa

Das doppelseitige Großsegel bläht sich auf, als die Crew es sichern will. © Borlenghi Luna Rossa

Das Segel ist auf den ersten Blick unbeschädigt. © Borlenghi Luna Rossa

Die Italiener versuchen die schlechte Nachricht positiv zu verpacken: “Wer nicht hart arbeitet, wird nie die Grenzen kennenlernen”, heißt es in ihrer Pressemitteilung zum jüngsten Unglück. Darin berichten sie über den Mastbruch ihres AC75 wenige Meilen vor der Trainingsbasis in Cagliari/Sardinien, als wäre es ein banaler Vorgang.

Rigg im Wasser bei etwa 15 Knoten Wind

Niemand habe sich verletzt. Mast, Segel und das Rigging seien von den Seglern und dem Shore-Team sofort geborgen worden. Man arbeite hart daran, so schnell wie möglich aufs Wasser zurückzukehren und das Training zur Vorbereitung auf die erste Regatta der America’s Cup-World Series vom 23. bis 26. April wieder aufzunehmen.

Bruch-Geschichten

Wie groß der Schaden tatsächlich ist, kann schwer abgeschätzt werden. Erste unabhängige Meldungen sprechen davon, dass möglicherweise das Vorstag gebrochen ist. Ein Beschlag soll nicht gehalten haben. Auf den ersten Blick scheint das D-förmige Mastprofil mit den zwei Nuten für das doppellagige Großsegel noch intakt zu sein.

Das Mastprofil scheint nicht schwer beschädigt zu sein. © Borlenghi Luna Rossa

Ganz so lapidar, wie die Italiener glauben machen wollen, mag ein solcher Rückschlag aber nicht hinzunehmen sein. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass solche Bruch-Geschichten in der Vorbereitung den Cup-Teams große Probleme bereiten und der strategische Zeitplan empfindlich gestört werden kann.

Ein besonders schreckliches Beispiel ist der tödliche Unfall beim Artemis Team 2013 in San Francisco. Es traf zwar nur das AC72 Trainingsboot, aber die Kampagne war quasi beendet. Fünf Jahre später wurde das Team erneut von einem schweren Schaden zurückgeworfen und schließlich seiner Sieg-Chancen beraubt.

2012 zerlegte Oracle seinen AC72 Kat bei einer Kenterung unter der Golden Gate Bridge. Im Nachhinein räumten das Team ein, dass die 22 Tage fehlende Segelzeit schließlich dazu geführt habe, dass die Neuseeländer zu Beginn so überlegen gesegelt sind. Erst in letzter Sekunde gelang das berühmte 9:8 Comeback.

Sehr oft führten in der Geschichte des America’s Cups unerwartete Schäden zu großen Zeitverzögerungen bei der Vorbereitung, die schließlich Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit bei den Cup Matches hatten.

Untergang von AUS-35

Das galt insbesondere für die Zeit der Zwölfer, als viele Dinge tatsächlich im Echtzeit-Test ausprobiert werden mussten. Dennis Conner versenkte sogar ein Boot. Und besonders spektakulär war der Untergang von AUS-35 beim Australia One Syndikat. John Bertrand erreichte zwar trotzdem das Herausforderer-Finale, verlor dort aber mit der langsameren AUS-31 gegen Neuseeland:

 

Spektakulär war auch der Wing Crash beim Sofbank Team Japan 2016 beim Training mit seinem AC45 gegen Oracle:

Inzwischen ist die Sensor-Technik eigentlich so weit fortgeschritten, dass Lastspitzen frühzeitig erkannt oder im Voraus simuliert werden. Umso erstaunlicher ist der Luna Rossa Mastbruch. Es wird sich zeigen, wie schnell die Italiener tatsächlich wieder aufs Wasser kommen. Daran lässt sich dann erkennen, wie schwer der Schlag für ihren Angriff auf den Cup wirklich war. Eine lange Ausfallzeit kann sich in dieser Phase der Cup-Vorbereitung kein Team leisten.

Als es den Italienern noch besser ging:

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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