America’s Cup: Neuseeländer kreuzen erstmals die Klingen auf dem Cup-Revier

Hebel auf den Tisch

Speed-Run zwischen Neuseeland und Land Rover BAR:

Das Emirates Team New Zealand ist einen Monat vor der ersten America’s Cup-Regatta in Bermuda erstmals mit seinen Radfahrer-Grindern gegen einen Gegner angetreten. Das Ergebnis war überraschend.

Die spannendste Frage vor dem Start des ersten America’s Cup Qualifier-Duells am 26. Mai ist der Status der Neuseeländer. Die Form des Kiwi-Teams ist am schwierigsten einzuschätzen, da es sich alleine in der Heimat vorbereitet hat. Außerdem weist die Kat-Konstruktion mit den Fahrrad-Grindern den auffälligsten Unterschied zur Konkurrenz auf. Haben sie dadurch wirklich einen Vorteil?

Team New Zealand

Die Kiwis segeln erstmals in Bermuda. Foils mit breiter Spannweite für wenig Wind. © ETNZ

Am Montag absolvierten sie die erste Trainingseinheit auf dem Wasser und demonstrierten bei relativ wenig Wind eine große Agilität bei den Manövern. Das mögliche Problem einer geringeren Flexibilität beim Wechsel der Crewpositionen aus dem Sattel war nicht zu sehen. Vielmehr waren Beobachter von der stabilen Fluglage während der Kursänderungen beeindruckt.

Diese hängt allerdings sehr von der Foil-Größe und -Form ab. Je größer die Flügel-Fläche, umso besser funktioniert der Kat in den Manövern, aber umso mehr muss er Abstriche bei der absoluten Geschwindigkeit machen. Diese strategische Entscheidung wird von Experten als vielleicht wichtigste für den möglichen Erfolg gesehen.

Pyrrhussieg

Viel hängt vom Speed ab. Ein gewonnener Start kann ein Pyrrhussieg sein, wenn er mit langsamen Foils erkauft wurde und durch fehlende Geschwindigkeit auf dem Kurs nicht zu verteidigen ist. Schließlich erzeugen die rasenden Foiler eine deutlich kleinere Abdeckung hinter ihrem schmalen Profilsegel als die alten Cupper. Es ist nun viel schwerer, einen schnelleren Gegner auszubremsen.

Die Kiwis zeigen, wie stabil sie in Manövern auf ihren Foils bleiben:

Die Radgrinder-Technik spielt auf diesem Gebiet keine Rolle. Sie könnte nur bei Manövern Vorteile bringen, wenn der Hydraulik mehr Energie als beim Gegner zur Verfügung steht.

Deshalb ist bei der Beurteilung des Leistungsvermögens der Kiwis ihre absolute Geschwindigkeit im Vergleich zu den Gegnern interessant.  Wegen fehlender Finanzen und langer Ungewissheit zu Beginn der Kampagne haben die Neuseeländer weniger Ressourcen in die Foil-Entwicklung stecken können.

Erster Speedvergleich

So sahen alle Teams besonders interessiert zu, als das rotschwarze Boot erstmals am Dienstag gegen die Briten zu einem Speedvergleich antrat. Es war noch kein richtiges Rennen, sondern ein erstes Anpassen bei 15 bis 20 Knoten Wind. Aber beide Skipper legten den Hebel auf den Tisch. Dabei zeigte sich, dass Land Rover BAR keine Probleme hatte, dagegen zu halten. Und das Ainslie-Team gehört nach den bisherigen Trainingseindrücken nicht gerade zu den Raketen auf dem Cup-Revier.

Es ist allerdings schwer, die richtigen Schlüsse aus dem Speedvergleich zu sehen. Einige Beobachter meinen festgestellt zu haben, dass die Kiwis mit alten Rudern und Foils unterwegs waren. Es kann aber auch sein, dass die Briten einen Sprung gemacht haben, und sie sich weiter ihrem erwarteten Niveau annähern.

Die Teams befinden sich in einer dritten Trainingsphase, und es wird erwartet, dass die Neuseeländer am Freitag erstmals zu einem echten Match Race gegen einen Gegner antreten werden.

Zuletzt zeigte sich, dass die Rennställe mit ihren Katamaranen sehr eng beieinander liegen. Rennentscheidende Unterschiede waren insbesondere durch plötzliches Verlassen der Flugphase zu beobachten. Aber jedes Team wird eine andere Strategie verfolgen im Hinblick auf Leistung, die es bereit ist der Konkurrenz und Öffentlichkeit zu zeigen.

 

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Carsten Kemmling

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3 Kommentare zu „America’s Cup: Neuseeländer kreuzen erstmals die Klingen auf dem Cup-Revier“

  1. avatar Johannes Bahnsen sagt:

    Sieht schon cool aus, wie stabil die Kiwis da foilen. Aber irgendwie wirkt das nicht schnell. Ich hoffe ich irre mich…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 1

  2. avatar Andreas Borrink sagt:

    Wait and see. Die Kiwis wären nicht die Kwis, wenn sie nicht “sandbaggen” würden.

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