America’s Cup: Neuseeland hält Segler auf Abstand – Briten zurück auf dem Wasser

Kein Freibrief

Neuseeland bereitet sich darauf vor, die Corona-Auflagen im Land aufzuheben. Ab Dienstag müssen nicht einmal mehr die Abstandregelungen eingehalten werden. Aber den America’s Cup Teams hilft das noch nicht.

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern hat offiziell erklärt, dass es nun gelungen sei, die Ansteckung mit dem Corona-Virus im Land zu stoppen. Erstmals gebe es nun keine aktiven Infektionsfälle mehr. Zuvor waren 1154 Erkrankte und 22 Todesfälle gezählt worden.

Die Briten auf ihrem Heimrevier vor Portsmouth. © INEOS Team UK

Den America’s Cup-Herausforderern helfen diese positiven Zahlen aber bisher nicht. In der vergangenen Woche hatte Ardern deutlich gemacht, dass die America’s-Cup-Teams nach derzeitigen Kriterien keinen Freibrief für die Einreise nach Neuseeland erhalten würden.

Besonders die Amerikaner machen Druck auf die Kiwi-Regierung, indem sie ihren Cupper samt umfangreicher Ausrüstung auf einen Frachter geladen haben, der Ende Juni in Auckland ankommen soll. Sie haben keine andere Chance, da sie ihre Basis in Florida wegen der beginnenden Hurrikan-Saison umgehend verlassen müssen. Eine Erlaubnis zur Einreise nach Neuseeland verwehrten die Behörden aber bisher.

Dabei hatten sich die Segler Hoffnung auf eine Sondergenehmigung gemacht, da die Gewährung der Einreise von 56 Personen in Verbindung mit der Produktion des Kinofilms Avatar 2 vielfach als Präzedenzfall gewertet worden war. Dieser Interpretation teilte Ardern aber eine Absage. Es habe sich um Einzelfälle gehandelt und diese seien nicht als genereller Freibrief zu werten.

Keine Entscheidung zum Cup

Bisher würden nur etwa zehn Prozent der Bewerbungen Status der America’s Cup-Bewerbungen vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation und Beschäftigung (MBIE) genehmigt. Und die seien überwiegend aus humanitären Gründen und die wirtschaftliche Bedeutung erfolgt. Insgesamt sollen dem MBIE rund 20.000 Anträge auf eine Ausnahmegenehmigung zur Einreise vorliegen. Ardern sagte, dass bisher “keine Entscheidung bezüglich des America’s Cup getroffen worden sei”.

Zuständig ist der Minister für wirtschaftliche Entwicklung Phil Twyford. Er äußerte sich in Bezug auf den America’s Cup erst sehr zurückhaltend. Und es wurde schon über eine notwendige Verschiebung der Regatta spekuliert. Wenn den Herausforderer-Teams dauerhaft der Zugang zum Land und damit zum Trainingsrevier verweigert wird, und damit die potenzielle Wettbewerbsfähigkeit verzerrt wird dürften sie eine Anhörung vor das Cup-internen Schlichtungsgremium  einfordern. Sie hätten dann wohl keine Schwierigkeiten, eine Verschiebung zu erwirken.

Es darf wieder gefoilt werden. Auch in England. © INEOS Team UK

Aber ein solche Entwicklung strebt die Kiwi-Regierung offenbar auch nicht an. Das jüngsten Zeichen von Minister Twyford scheint positiver gewertet werden können as zuletzt. Er bestätigte nun, dass die Anträge bald auf seinem Schreibtisch landen. Und er sagte, es gebe “allen Grund” zu glauben, dass der America’s Cup im nächsten Jahr stattfinden werde. Die Bewerbungen der Segler würden wie alle anderen “einer sehr strengen Prüfung” unterzogen werden und nicht anders als die der anderen Unternehmen behandelt. Aber die Regierung wolle, dass der America’s Cup wie geplant stattfinde. Das werde großartig für die Wirtschaft und für Neuseeland sein.

Endlich wieder auf dem Wasser

Derweil haben sind Briten das zweite Team nach den Italienern, die in England ihr Wassertraining mit dem AC75 aufgenommen haben. Das Schiff der Neuseeländer ist nach der Odyssee durch Europa zwar wieder in Auckland angekommen, aber die Kiwis trainieren bisher nur mit ihrem kleineren 28 Fuß Testboot.

Ben Ainslie berichtet über die Schwerpunkte der aktuellen Herausforderung. Gott sei Dank sei der Bau des zweiten AC75 “Britannia II” bei der Carrington Werft in Hythe (Hampshire) sei kaum beeinträchtigt worden, aber man achte sehr darauf, die aktuellen Corona-Beschränkungen im Land einzuhalten. Wie auf dem italienischen Boot ersetzen Elektromotoren die Arbeit zahlreicher Grinder, und deshalb könne mit kleinerer Crew gesegelt werden. Außerdem tragen die Segler PPE-Masken und elektronische Abstandhalter, wie sie auch bei den Neuseeländern im Einsatz sind.

Auch die Briten versuchen, auf politischer Ebene alles zu tun, um möglichst früh einen Umzug zum Cup-Revier nach Neuseeland zu erwirken, aber Ainslie betont, dass man diesen Prozess eben nicht selber kontrollieren könne.

Nun sei es einfach ersteinmal schön, wieder raus aufs Wasser zu dürfen.

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *