America’s Cup: Neuseeland und Japan führen jeweils 3:1 – Warum Ian Percy wütend ist

"Aufregendster Segeltag meines Lebens"

Am dritten Tag der America’s Cup Playoffs gab es auch neben der Kiwi-Kenterung jede Menge Dramen im Kampf um den Finaleinzug. Morgen können zwei Teams schon den Sack zu machen.

“Das war der aufregendste Segeltag meines Lebens.” So ein Satz mag einem Normalo-Segler schon nicht leicht über die Lippen kommen, aber einem Ben Ainslie? Der Mann hat in seinem Seglerleben sicher schon einige aufregende Segeltage erlebt, und nun hängt er diese Stunden in Bermuda so hoch?

kenterung, Team New Zealand

Die Aerodynamik-Verkleidung ist abgerissen, aber in der ersten Grinder-Kabine ist es sicher. © ACEA 2017 / Photo Ricardo Pinto

“Es war unglaubliches Segeln in Böen bis zu 28 Knoten. In den 30 Jahren meiner Karriere habe ich so großartige und berauschende Momente noch nicht erlebt. Es war unglaublich. Als wenn man auf eisigen Pisten Ski fährt. Sobald man langsam werden und vorsichtig fahren will, wird es nur noch schlimmer. Diese Boote belohnen einen, wenn man sie schnell segelt, aber bei Bedingungen wie heute ist es einfach nicht möglich.”

Auf die Frage, ob es Spaß gemacht habe, antwortet er: “Das ist das falsche Wort.” Tatsächlich mag es einer wie er nicht, wenn die Kontrolle fehlt. Wenn es ums Überleben geht, wenn er seine taktischen Vorteile und die Erfahrung nicht ins Spiel bringen kann.

Start nicht so wichtig bei Überlebensbedingungen

Das Überholmanöver der Kiwis. Sie runden die Leetonne schneller…

Diesmal geht ihm der Gegner beim Vorstart sogar aus dem Weg. Peter Burling will sich gar nicht erst auf einen Schlagabtausch mit dem Briten einlassen. Der Start ist bei diesen Überlebensbedingungen auch nicht so wichtig. Auf dem Kurs können die Teams so viele Fehler machen, das zwei Längen Rückstand beim Start nicht entscheidend sind.

Mit dieser Taktik gewinnen die Neuseeländer ihren dritten Punkt. Sie folgen den Briten einfach, und als denen die Power ausgeht – also nicht mehr genug Öl bewegt werden kann – manövrieren sie schneller und ziehen vorbei. War das schon die Demonstration von Beinkraft gegen Armkraft am Grinder. Die zusätzliche dritte Runde an diesem Tag erfordert jedenfalls deutlich mehr Energie von den Teams.

…wenden besser…

Ainslie gibt zu, dass sein Team bei solchem Wind noch nie gesegelt ist. Und das sieht man auch den anderen Crews an. Auch die beiden Duelle der Schweden gegen das japanische Sofbank Team sind von haarsträubenden Splashdowns geprägt.

Verkleidungen reißen ab

Und die Schiffe scheinen sich langsam aufzulösen. Bei den zahlreichen Abtauchphasen strömt das Wasser so hart und schnell über die Katamarane, dass Aerodynamikverkleidungen abreißen. Beide Boote gleichen immer mehr einem Schlachtfeld. Kohlefaserteile flattern an den Rumpfabdeckungen. Ein Plastikstück bei Artemis rutscht am Want herunter. Zum zweiten Duell des Tages werden sie mit Tape wieder zusammen geflickt.

…und LR BAR kann die Höhe des Leebootes nicht halten.

Aber das sind offenbar nur Äußerlichkeiten. Schlimmer sind die Probleme mit der Energie. Wenn die Steuerleute zu stark an ihren Knöpfen und Grip-Shift-Schaltungen spielen, um Kurskorrekturen oder die Einstellung der richtige Flughöhe vorzunehmen, dann fehlt schnell das Öl für die Hydraulik. Farbige Lichter zeigen jeweils den Stand der Energie an, mit der die limitierte Batterie-Kapazität gespeist wird. Und wenn wie bei den Japanern die Anzeige rot leuchtet, kann einfach kein Manöver ausgeführt werden.

Öl-Probleme

So ergeht es Artemis bei der ersten Luvtonnenrundung im zweiten Rennen. Die Schweden sind knapp am Heck der Japaner, die beim Abfallen mit 40 Knoten mehr unter als über Wasser fahren. Aber Outteridge bekommt es nicht hin, vor den Wind abzufallen. Später gibt er ein Problem mit dem Öl zu. Er versucht noch, die Begrenzungslinie zu vermeiden, aber es klappt nicht.

Artemis schafft es nicht, an der Tonne nach links abzufallen und segelt über die Begrenzung.

Die Strafe dafür ist hart. Taktiker Ian Percy schreit wütend den Schiedsrichter Richard Slater über den Bordfunk an, weil der mehrfach Penalties gegen Artemis ausspricht. Die Schweden erfüllen die Stopp-Strafen nicht ordnungsgemäß. Danach ist das Rennen für die Schweden gelaufen. 1:3 liegen sie jetzt schon hinten, und da liegen die Nerven langsam blank. Die Gegner vom Softbank Team segeln an diesem Tag einfach überzeugender, wenn auch längst nicht fehlerlos.

Am Mittwoch ist noch stärkerer Wind vorhergesagt. Möglicherweise überschreitet er die erlaubte 24 Knoten Marke beim Start. Die Teams würden sich nicht beschweren. Sie hätten mehr Zeit, um ihre Wunden zu lecken.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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Ein Kommentar „America’s Cup: Neuseeland und Japan führen jeweils 3:1 – Warum Ian Percy wütend ist“

  1. avatar Zecke sagt:

    Egal wer der Kommentator im TV ist, das sind Rennen, die man nicht sooft zu sehen bekommt, in keinem Sport! Tolle Leistungen der Teams auf Bermuda, es ist ein Genuss dieses Event zu verfolgen!

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

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