America’s Cup: NZ-Regierung stoppt Finanzierung – Dalton muss sich weiter rechtfertigen

Ernste Vorwürfe

Der Vorfall rund um die America’s Cups-Finanzen zieht weitere Kreise. Es geht längst nicht mehr nur um ein gehacktes Bankkonto, sondern um den Missbrauch öffentlicher Gelder. Die Regierung hat nun erst einmal den Geldhahn zugedreht.

Grant Dalton muss sich rechtfertigen. © TNZ

Die Affäre um die Ausrichtung des America’s Cups in Neuseeland zieht weitere Kreise als es Grant Dalton, dem charismatischen Chef vom Emirates Team New Zealand, lieb ist. Was er zuerst als einen vermeintlichen Spionage-Skandal klassifizierte, mag nun doch eher in die Kategorie “Whistleblower” zu fallen.

Jedenfalls sind die Anschuldigungen, die von ex Mitarbeitern erhoben wurden, offenbar so brisant, dass eine Untersuchung der Regierungsbehörde MBIE eingeleitet wurde. Diese nimmt die Vorwürfe so ernst, dass sie nun ankündigte, während der Ermittlungen die Finanzierung des America’s Cups erst einmal auszusetzen.

Darlehen oder nicht?

Bisher seien an die Veranstaltungsorganisation ACE umgerechnet rund 17 Millionen Euro gezahlt worden. Etwa 6 Millionen stehen noch aus. Das MBIE teilte mit, dass “strukturelle und finanzielle Angelegenheiten” im Zusammenhang mit der Organisation des America’s Cup durch das Team New Zealand untersucht werden. Möglicherweise sei ein Teil der Veranstaltungsinvestitionen für Kosten verwendet worden, die zwar entstanden sind, aber nicht im Zusammenhang mit dem Management und der Durchführung der Veranstaltungen stehen.

Dabei soll es zum Beispiel um eine Zahlung von 1,73 Euro an das Team Neuseeland gehen, die in den Anschuldigung als Darlehen bezeichnet wird. Dalton weist diese Interpretation allerdings zurück. Es habe sich nicht um ein Darlehen gehandelt, sondern stelle etwa die Hälfte der Kosten dar, die dem Team bei der Planung der neuen Veranstaltung entstanden sind. Zum Beispiel die Entwicklung der neuen Bootsklasse in Zusammenarbeit mit den Herausforderern und die Aushandlung der Regeln der Veranstaltung.

Grant Dalton hat jeden Hinweis auf finanzielles Missmanagement zurückgewiesen. Er ist überzeugt, die Vorwürfe “einen nach dem anderen” ausräumen zu können. In Bezug auf die ominöse Zahlung auf ein ungarisches Konto gehe es um einen Online-Betrugs, der von der neuseeländische Polizei untersucht werde. Offenbar ist der TV-Dienstleister, an den die Zahlung erfolgte, gehackt worden. Deshalb sei die Überweisung auf das falsche Konto möglich gewesen.

Endspurt im Design-Wettlauf

Wie auch immer diese Affäre ausgeht, sie kann den sportlichen Ambitionen des Team New Zealand schwer schaden. Schließlich befinden sich die vier Cup-Teams gerade im Endspurt beim Design-Wettlauf. Die jeweils zweiten AC75-Yachten müssen bald fertig sein, wenn sie noch ausreichend auf dem Wasser getestet werden sollen. Die Kiwis haben allerdings etwas mehr Zeit als die Herausforderer. Das Cup-Match startet erst ab dem 6. März.

Entscheidungen bezüglich des Designs und der Tests wiegen doppelt schwer. In dieser Phase sollte ein derart wichtiger Mann für die Organisation wie Grant Dalton Wichtigeres im Kopf haben, als sich in dieser Finanz-Affäre rechtfertigen zu müssen. 

Aber die Geschichte wird zeigen, wie sehr sich die Kiwis von diesen Problemen beeinträchtigen lassen. Ihre Bemühungen wurden schon immer kritischer beäugt von der Öffentlichkeit, da in die Finanzierung seit einigen Jahren Steuergelder einfließen und die Politiker über Sinn und Unsinn diskutieren. Zuletzt haben die seglerischen Leistungen der Kiwis im America’s Cup darunter nicht gelitten.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „America’s Cup: NZ-Regierung stoppt Finanzierung – Dalton muss sich weiter rechtfertigen“

  1. avatar hang.on sagt:

    Gestern 500 Mrd. heute 1,73 EUR – Carsten, was ist fa los 😉

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

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