America’s Cup: Oracle trägt Bugspitzen zur Sofbank-Basis – Was dahinter steckt

Psychospielchen

Das Emirates Team New Zealand hat Fotos veröffentlicht, auf denen eine rote Bugspitze zur Nachbar-Basis der Japaner getragen werden. “Surprised?” schreiben sie darunter.

ORacle Bugspitzen

Rote Oracle-Bugspitzen werden zur Sofbank Basis gebracht. So wird aus dem japanischen Boot ein amerikanisches. © ETNZ

Überraschend ist das allerdings nicht. Oracle ist es laut Protokoll als einzigem Team erlaubt, ein zweites Boot zu bauen. Bisher hieß es beim US-Team, man wolle diese Möglichkeit nicht ausschöpfen, aber nun zeigt es offen, dass dieser Vorteil genutzt werden soll.

Dabei bedienen sich Spithill und Co einer Wendung im Protokoll. Die umgeht einen Passus in der Stiftungsurkunde (Deed of Gift), in dem es heißt, dass das Boot im Land des Herausforderers gebaut werden muss. Dieser ist so angepasst worden, damit nur noch die Bugspitzen im Land gebaut werden müssen. Die sind einfacher zu transportieren.

Die Hauptrümpfe, die bei allen Teams einheitlichen Maßen entsprechen, können irgendwo auf Kiel gelegt werden. Interessanterweise hat Oracle sie in Neuseeland fertigen lassen. Denn 2012 erwarb Larry Ellison die Firma Core Builders Composites in Warkworth nördlich von Auckland, um dort die große Teile des AC72 erstellen zu lassen.

Oracle Kat in Neuseeland gebaut

Die Verbindung stellte Russell Coutts, der CEO des Segelteams her, weil die Bootsbauer dort Spezialisten mit dem Umgang einer technisch extrem fortschrittlichen Fräs-Maschine sind. So ist in Warkworth der Rumpf des Oracle-AC50 aber auch der vom Softbank-Team entstanden, das ein Design-Paket der Amerikaner gekauft hat, um trotz spätem Einstieg noch eine konkurrenzfähige Kampagne auf die Beine zu stellen.

Diesen Umstand nutzt Oracle jetzt voll aus und scheint sich damit auch keine Probleme mit zu haben. Die Bugspitzen werden offenbar beim japanischen Boot angebaut, das in den vergangenen Tagen als Trainingspartner diente. Barker und Co hatten zwar nicht mehr viel Lust, aber so stand es eben im Vertrag. Nun bereitet Oracle das Sofbank-Boot vor, damit für den Fall eines Crashes ein Ersatzboot zur Verfügung steht.

Die Neuseeländer haben diese Möglichkeit nicht. Allen Herausforderern ist nur ein Boot erlaubt. Im Falle einer verschuldeten Kollision, aus der sich ein großen Schaden am eigenen Katamaran ergibt, wären die Kiwis also raus. Oracle dagegen hätte im umgekehrten Fall Ersatz.

Das öffentliche Zeigen der Bugspitzen soll also aussagen: Schön vorsichtig segeln. Das könnte Spithill schon einmal die nötigen Zentimerter in engen Situationen verschaffen. Die Neuseeländer nutzen ihrerseits das Bild, um öffentliche Entrüstung zu erzeugen über die Regeln, die sich Oracle gemacht hat.

Die Psychospielchen haben begonnen.Willkommen beim America’s Cup. Am Samstag starten die ersten Rennen.

 

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „America’s Cup: Oracle trägt Bugspitzen zur Sofbank-Basis – Was dahinter steckt“

  1. avatar suedlicht sagt:

    Wenn da mal kein Boot mit Fahrrad Gründern gebaut wird…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 1

  2. avatar Christian sagt:

    So einfach kann der Americas Cup gewonnen werden?! Im Zweifelsfall Stallorder versenkt Neuseeland und dann mit dem Ersatzboot gemütlich fertig segeln, wäre das theoretisch Regelkonform?

    Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 1

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