America’s Cup: Oracle wirft seinen AC50 Renn-Kat um – Déjà-vu-Erlebnis von San Francisco?

"Das ist immer möglich"

Je näher die ersten Rennen des nächsten America’s Cups kommen, umso mehr loten die Teams ihre Grenzen aus. Das mag eine Lesart der jüngsten Oracle-Kenterung vom Wochenende sein.

Die Crew um Skipper James Spithill warf erstmals den Katamaran um, mit dem sie im Juni den America’s Cup verteidigen will.

Dabei mögen Cup-Kenner an einen Vorfall 2012 erinnert werden, als das US-Team im Vorfeld des 34. America’s Cups seinen AC72 Katamaran in der Bucht von San Franzisco zerlegte. Und der daraus folgende Zeitverlust war einer der wichtigsten Gründe dafür, dass Larry Ellisons Team den fast den Cup verlor.

Diesmal handelt es sich allerdings nicht um einen ähnlich spektakulären Highspeed-Überschlag. Das Flügelrigg nähert sich mit der Mastspitze nahezu in Zeitlupe der Wasseroberfläche. Der AC50 segelt bei moderaten Bedingungen nahe unter Land, will abfallen, schneidet aber mit dem Leerumpf unter. Ein schon fast klassischer Multihull-Stecker.

Oracle gekentert

Auf dem Wasser aufgeschlagen. Der neue AC50-Kat von Oracle. © Royal Gazette

Bei den AC-Foilern passiert so etwas allerdings immer seltener, da die Tragfläche unter dem Leerumpf genügend Auftrieb erzeugen sollte, um den Stopp-Effekt zu vermeiden. Warum der Oracle-Kat schon vor dem Abfallen nicht foilt, und dann auch beim Manöver nicht aus dem Wasser kommt, bleibt unklar. Es scheint ein Problem mit der Steuerung des Anstellwinkels zu geben. Außerdem geht es sich um eine Startübung, bei der Höchstspeed nicht immer wünschenswert ist.

Es ist untypisch, dass ein Grinder und der Taktiker in Lee sitzen. Slingsby steht dort am Steuer und macht sich offenbar bereit, um das Steuer für eine Halse von Spithill zu übernehmen.

“Frustrierend”

In einer Stellungnahme von Spithill heißt es: “Wir hatten eine wirklich weiche Landung. Die Luft zwischen Segel und Wasser wirkte wie ein Kissen. Oben am Profil gibt es leichte Schäden, aber unser legendäres Shore-Team wird uns schnell wieder rennfähig machen.” Heute startet eine weitere Practice-Race-Session gegen die Herausforderer.

“Es ist frustrierend”, sagt der Oracle Skipper gegenüber der Royal Gazette in Bermuda. “Aber Fakt ist, das ist mit diesen Booten immer möglich. Wir müssen genau analysieren, wie es dazu gekommen ist. Aber das ist alles ein Teil des Lernprozesses. Von solchen Vorfällen lernt man normalerweise am meisten.”

Schon im März hatte Oracle einen Kat umgeworfen. Dabei handelte es sich aber um das AC45-Trainningsboot.

Ernster Rückschlag?

Was folgt nun aus dem Malheur der Titelverteidiger? Ein ernster Rückschlag wie vor fünf Jahren wird die Kenterung nicht für Oracle sein. Die Schäden halten sich in Grenzen, und sie werden kaum Trainingszeit kosten.

Aber jemand wie James Spithilll ärgert sich über die psychologische Außenwirkung . Der Status der Überlegenheit und Unbesiegbarkeit bröckelt. Und es kann verheerend sein, wenn die Konkurrenz Hoffnung schöpft.

Einige Herausforderer segeln deutlich auf Augenhöhe. Besonders Artemis scheint schon sehr weit zu sein, und über die Kiwis ist noch gar nichts bekannt.  Die seglerische Komponente soll bei diesem Cup eine größer Rolle spielen als vielleicht je zuvor. Da können solche Psycho-Signale nicht unwichtig sein. Kein Wunder, dass sich Spithill ärgert.

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://northsails.com/sailing/3di-nordac

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *