America’s Cup: Oracles AC72 “USA 17” gekentert, Flügel völlig zerstört

"Schwerer Rückschlag"

Ein Tag nachdem das neuseeländische America’s Cup Team über einen kontrollierten Testtag mit seinen 72 Fuß Kat in Auckland bei 35 Knoten jubelte, haben sich die Konkurrenten vom Oracle Team mit ihrer “USA 17” in San Francisco bei 25 Knoten Wind überschlagen.

Der 72 Fuß Kat "USA 17" ist durchgekentert, die Flügel unter Ruder und Schwert zeigen unbrauchbar gen Himmel. © Guilain Grenier / Oracle Team USA

Der 72 Fuß Kat “USA 17” ist durchgekentert, die Flügel unter Ruder und Schwert zeigen unbrauchbar gen Himmel. © Guilain Grenier / Oracle Team USA

Es passierte am achten Trainingstag auf klassische Weise beim Abfallen vom Amwind- auf einen Vorwind-Kurs. Der riesige Katamaran beschleunigte, der Steuerbordrumpf ist sichtbar vom L-Foil aus dem Wasser gehoben, dann kippt das Vorschiff nach vorne ab, der Bug taucht in eine Welle, bremst ab und das schmale Wavepiercer-Vorschiff taucht nie wieder auf.

Der rund 320 Quadratmeter große Gennaker ist nicht ausgerollt. Das Heck hebt sich dennoch. Dabei hebelt der 40 Meter hohe Flügelmast das Schiff fast in Zeitlupe nach vorne.

Spithill wirft den Kat direkt vor der Golden Gate Bridge um. © Guilain Grenier / Oracle Team USA

Spithill wirft den Kat direkt vor der Golden Gate Bridge um. © Guilain Grenier / Oracle Team USA

“Die Nase senkte sich, der Flügel schlug auf und ein paar Jungs fielen ins Wasser”, sagt Taktiker Tom Slingsby. Die elf Segler und möglicherweise weitere Techniker an Bord konnten sich beim Aufschlag des Segels auf dem Wasser einigermaßen am Trampolin festhalten. “Wir wussten nicht, ob der Flügel brechen würde. Deshalb kletterten wir vom Boot.” Nach Aussage des Oracle-Teams verletzte sich niemand.

Der Multihull liegt lange auf der Seite und die starke Ebb-Tide verstärkt den Wellengang. So wird der Flügel schwer beschädigt. Der Schaden vergrößert sich, als das Aufrichten des Kats per Motorboot-Hilfe nicht gelingt. Der Wing bricht schließlich endgültig ab und das Schiff dreht sich auf den Kopf. Dabei scheint unter anderem der Backbordrumpf etwas abbekommen zu haben. Er liegt tiefer im Wasser als zuvor.

Am Anfang stand "USA 17" noch relativ stabil auf seinen beiden Bugspitzen im Wasser. Die Crew krabbelte von Bord, weil die Gefahr bestand, dass der Flügel wegbricht. © Guilain Grenier / Oracle Team USA

Am Anfang stand “USA 17” noch relativ stabil auf seinen beiden Bugspitzen im Wasser. Die Crew krabbelte von Bord, weil die Gefahr bestand, dass der Flügel wegbricht. © Guilain Grenier / Oracle Team USA

Das Team arbeitet bis zum Dunkelwerden, um die Überreste ihres Sportgerätes zur Basis zurückzubringen. Einige Medien beziffern den Schaden auf 8 bis 10 Millionen US-Dollar.

Steuermann Jimmy Spithill sagt: “Das ist ohne Frage ein Rückschlag für uns. Es wird ein großer Test für unser Team. Aber diese Jungs waren schon in einer ähnlichen Situation bei der vergangenen Kampagne bevor wir den America’s Cup gewonnen haben. Ein starkes Team wird zurückschlagen. Das wird uns nicht daran hindern, den America’s Cup zu gewinnen.”

Die Rettungsaktion aus der Luft:

 

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Carsten Kemmling

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15 Kommentare zu „America’s Cup: Oracles AC72 “USA 17” gekentert, Flügel völlig zerstört“

  1. avatar Stefan sagt:

    Überrascht, irgendjemand?

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  2. avatar LArs sagt:

    Ich gönne Larry Ellision den Rückschlag vom ganzen Herzen.

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  3. avatar Pete sagt:

    Na jetzt wird ja spannend wie Oracle versuchen wird nachzuweisen dass sie den Flügel nur reparieren und nicht einen neuen bauen, denn per AC Protokoll darf jedes Team nur 6 Flügel Sektionen benutzen, und jeder Flügel besteht aus (mindestens?) 2 Sektionen. Laut Protokoll ist eine Sektion neu, wenn mehr als 50% des Gewichts neu sind.
    Da werden jetzt wohl alle Teams ihre Beobachter losschicken um zu schauen was da vom Rigg gerettet wurde und was ausgetauscht wird um es wieder zu benutzten. Abgesehen davon, daß Oracle jetzt wohl eine ganze Weile nicht mehr testen kann, schon das gebrochene Schwert hat ja zu mehreren Wochen Verzögerung geführt.

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  4. avatar SR-Fan sagt:

    Sowas aber auch – jetzt wollte ich extra nix mit Schadenfreude schreiben. Da kommt Ihr mir zuvor 😉

    Letztlich wird das Ego einfach die Brieftasche öffnen und nachschießen.

    (Verschwörung/on)
    Vielleicht war es aber auch nur eine Promo um den Cup “spannender” zu machen …
    (Verschwörung/off)

    VG

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  5. avatar Markus sagt:

    Dies ist nicht der letzte Überschlag und der Wahnsinn geht weiter, solange Coutts aus dem Geldbeutelchen vom Larry die Scheinchen ziehen darf.

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  6. avatar Christian sagt:

    von allen Emotionen, die man anlässlich dieser Kenterung haben kann, scheint mir eine am wichtigsten: Erleichterung, dass keinem Segler etwas Ernsthaftes passiert ist.

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  7. avatar T.K. sagt:

    Ich hatte schon am 3.10. geschrieben, dass es mich nicht wundern würde wenn die den ac72 noch zerlegen

    http://segelreporter.com/blog/2012/10/02/americas-cup-big-picture-auch-oracle-usa-kann-fliiiiiegen/#comments

    Das es allerdings schon sobald passieren würde, ist dann doch überraschend.

    Allerdings sollte man Oracle nicht abschreiben. Auch beim letzten Cup hat man kurz vor dem Riggen des neuen Flügels mal eben den alten Mast durch Mastbruch entsorgt……..Einsch Schelm wer da,,,,,,
    Wer weiss schon ob da Absicht oder Zufall im Spiel waren……

    Wäre jedenfalls schade wenns am Ende keiner mit einem ganzen Boot zum Start schaffen würde. Das wäre doch LAAAAANGWEILIG

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  8. avatar seven sagt:

    Schiffe mit Identitätsproblem. Segelschiffe die Flugobjekte sein wollen aber ein starken Hang zum U-Boot haben.

    Ein Rätsel: Was hat morgens 2 Beine,mittags drei Beine und abends 4 Beine ,die in die Luft gestreckt werden?

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  9. avatar AC90 sagt:

    8 bis 10 Millionen Schaden, kein Wunder das Sponsoren diesen Cup meiden. Wechler Sponsor will schon so viel Knatter nachschiessen, um sein Team im Rennen zu halten. Bei Milliadärsgeführten Team wohl ein ärgerlicher Zusatzposten, aber wenn so ein Crash ETNZ passiert werden sie wohl heftig schlucken müssen.

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  10. avatar enzo sagt:

    Wenn’s Einsprachen der anderen Teams gibt, kennen Oracles Anwälte bekanntlich noch die einen- oder anderen juristischen Winkelzüge…

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    • avatar Stefan sagt:

      …zum Beispiel, daß man sich den Ersatzflügel vom Helmsponsor nur verleihen läßt.

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