America’s Cup: San Diego oder Bermuda – Chicago ist raus – Die Rolle des Windes und Geldes

Cup in der Flaute

Bermuda und San Diego sind als letzte Orte noch im Rennen um die Ausrichtung des 35. America’s Cups. Die “Windy City” erhielt eine Absage.

Spektakulär ist anders. 2011 fand vor San Diego ein AC 45 Rennen der America's Cup World Series statt. © ACEA

Spektakulär ist anders. 2011 fand vor San Diego ein AC 45 Rennen der America’s Cup World Series statt. © ACEA

Spielen nur noch ökonomische Gesichtspunkte eine Rolle bei der Vergabe des nächsten America’s Cups, der 2017 stattfinden soll? Von den drei im Topf verbliebenen Wettbewerbern sortierten die Macher nach San Francisco die zweite Stadt mit spektakulären Windbedingungen aus.

“Beide Städte haben eine sehr überzeugende Bewerbung vorgelegt”, sagt Russell Coutts der als Direktor der America’s Cup Event Authority (ACEA) dafür sorgen will, dass der 35. Cup insbesondere ein ökonomischer Erfolg wird.

Der Wind scheint keine so große Rolle zu spielen. Im Gegensatz zur Chicago Windstatistik weist San Diego schreckliche Daten auf. Und diese decken sich mit den Erinnerungen an die vergangenen America’s Cups 1988, 92 und 95 als Dennis Conner dort nach dem Bruch mit dem New York Yacht Club seine Zelte aufschlug. Die Rennen gingen als eher unspektakuläre Leichtwind Regatten in die Geschichte ein.

Aber Coutts betont, dass die Rennen damals weit vor der Küste ausgetragen wurden. Diesmal solle aber in der Bucht von San Diego gesegelt werden wo es für Zuschauer beste Möglichkeiten gebe, den Regatten beizuwohnen.

Ainslie, Bruni, Bermuda

Prestigereichstes Match Race der Welt. Gold Cup Finale in der Bermuda Bucht. © onEdition

Bermudas Windstatistiken sind leidlich besser und Coutts betont, dass die Insel gar nicht so weit von den USA entfernt sei, nur 1,030 Kilometer südöstlich von North Carolina. Aber klar ist, dass den AC Veranstaltern besonders die finanziellen Möglichkeiten in dem Steuerparadies sympathisch sind.

Dort wird schon gejubelt über die Möglichkeiten, die sich durch die Regatta ergeben. Die Hotels seien zuletzt nicht ausgelastet gewesen und so bringe der erwartete Ansturm eine große Außenwirkung. Die fehlenden Kapazitäten könnten mit Kreuzfahrtschiffen ausgeglichen werden.

Wind in Chicago unzuverlässig

Erstaunlicherweise soll laut eines Berichtes im Chicago Tribune nun gerade die fehlende Verlässlichkeit des Windes einer der Hauptgründe für das Ausscheiden von Chicago aus dem Bewerberkreis gewesen sein. Ob man das glauben kann?

Es macht schon Sinn, dass die Macher mehr die Gefahr minimieren wollen, dass keine Rennen ausfallen. Da spielt die Häufigkeit von Starkwind keine so besonders große Rolle. Sonst funktioniert die TV Live Berichterstattung nicht. Valencia hat 2007 gezeigt, wie nervig Verschiebungen sein können.

San Diego mag mit seiner leichten Seebrise geringe Ausfallzeiten haben. Aber dafür werden die Bilder längst nicht so spektakulär wie in San Francisco sein. Und auch das ist der Attraktivität des Produktes America’s Cup abträglich.

Bieter Wettbewerb

Die endgültige Entscheidung über den Austragungsort soll vor dem Ende des ablaufenden Jahres fallen, heißt es in der jüngsten Pressemitteilung. Damit machen Coutts und Co klar, dass es wohl zu einem Bieter-Wettbewerb kommen wird. Wer das meiste Geld mitbringt, gewinnt. Sportliche Argumente scheinen keine große Rolle mehr zu spielen.

Tatsächlich werden sich die neuen Katamarane auch schon bei wenig Wind aus dem Wasser heben. Aber ein Großteil der Faszination des 34. America’s Cups war doch der spektakuläre aufgewühlte Rennkurs zwischen der San Francisco Bridge und Alcatraz.

Immerhin kann sich Coutts wohl sicher sein, ein starkes Feld an den Start zu bekommen wo auch immer die Reise hingeht. Luna Rossa, Artemis, Team Australia, das Ainslie Team und auch die Kiwis positionieren sich als Herausforderer für das Oracle USA Team.

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Carsten Kemmling

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6 Kommentare zu „America’s Cup: San Diego oder Bermuda – Chicago ist raus – Die Rolle des Windes und Geldes“

  1. avatar Thomas König sagt:

    Da kann man jeden Zuschauer, der in San Francisco live dabei war, nur beglückwünschen. Dies war nicht nur ein hochspektakuläre Regatta, sondern auch eine für den Normalbürger bezahlbare Veranstaltung, da San Francisco relativ günstig per Flieger zu erreichen ist und die Stadt auch preiswerte Unterkünfte bietet. Es scheint bei den Verantwortlichen von AC, Extreme 40 usw. manchmal in Vergessenheit zu geraten, dass wir die Volksnähe des Sports brauchen, um Begeisterung für Segelwettbewerbe zu erzeugen. Exotische Veranstaltungsorte, die nur mit viel Geld erreichbar sind, tragen hierzu sicherlich nichts bei.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 13 Daumen runter 1

    • avatar Hurghamann sagt:

      Nee, das ist doch alles für die Generation Facebook, wer braucht da noch live-Zuschauer.
      Und dann der ganze Pöbel am Ufer *Schauder*

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  2. avatar Christian sagt:

    Da ich die San Diego Bucht recht ordentlich kenne, weis ich das es dort nicht wirklich viel Wind gibt.
    Es handelt sich um einen Grenzposten der USA, im Minutentakt starten und landen Kampfjets von der Insel. Ebenso ist die San Diego Bay mit Flugzeugtraegern und U-Booten gespickt.
    Einfliegen ist sicherlich auch ueber Los Angeles zu guenstigen Konditionen moeglich und dann im Zug nach San Diego, ein riesen Erlebnis.
    Wie viele andere Segelivents wird auch dieses immer mehr unter kommerziellen Gesichtspunkten bewertet.

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  3. avatar wooling sagt:

    Windmässig sind doch beide “übersichtlich”. Aber Bermuda wäre für Europa angenehmer wegen der geringeren Zeitdifferenz als die US Westküste. Da an beiden Orten sicher einige Regatten wegen Flaute ausfallen, will ich mir nicht so viele Nächte um die Ohren hauen.

    Witzig finde ich, dass die Jungs offenbar Wochen oder Monate brauchen um festzustellen, dass Chicago nicht am Meer liegt und damit gegen die AC Regeln verstösst.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 0

    • avatar indubioproastrpils sagt:

      Witzig finde ich Deinen letzten Absatz.
      Amis haben mich schon immer ob ihrer Qualität und ihrer Bildung überzeugt. 😉

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 4

  4. avatar GER 1702 sagt:

    Ich finde San Francisco als Revier taktisch relativ langweilig zumindest vor alcatraz island, es gab auf dem Beat nur einen richtigen Weg, ins relief unter alcatraz Island rüber auf die city Seite und hoch… Vorm ww gate vllt nochmal ein zwei 5grad dreher…
    Das einzige taktisch richtig spannende rennen war das mit den flautenlöchern….

    Wenig wind und viele dreher können auch sehr spannend sein, wer schafft es am längsten auf den foils zu bleiben und die böen zu verbinden… Oft war es nach der ersten, spätestens nach der leetonne the rich are getting richer und banging the corners.
    Und ein zwei ballermann tage sind sicherlich auch in SD oder BERM nicht voll kommen unrealistisch.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 3

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