America’s Cup: Schwarzer Tag für American Magic nach Kenterung – Crew unverletzt

Schaffen es die Amerikaner zurück ins Rennen?

Nach den Leichtwind-Bedingungen am zweiten Renntag, beginnt der dritte Renntag wieder mit mehr Wind. Die Amerikaner erleben einen schwarzen Tag und müssen um ihr Boot fürchten.

In einer Regenböe verlieren die Amerikaner die Kontrolle und heben ab. Bild: © COR 36 | Studio Borlenghi

Im Mittel wehen 14 bis 16 Knoten, was in etwa dem Wind vom ersten Renntag entspricht. Doch der heutige Kurs liegt etwas weiter draußen und die Tide steht gegen den Wind, sodass die See unruhig und kabbelig ist. Regenfelder ziehen regelmäßig über das Wasser und sorgen für Böen und Winddreher, die den heutigen Renntag prägen sollten. Da die bisherigen Rennen bei glattem Wasser stattfanden, lag heute der Fokus auf dem Bootshandling und wie die Teams mit dem unruhigen Seegang zurechtkommen.

Die Entscheidung der Regattaleitung für diesen Kurs stand daher auch etwas in der Kritik. Vielleicht haben sie den Kurs extra so gewählt, um mehr Abwechslung zu erzeugen?

Jedenfalls haben sich die Teams heute alle für die kleine Fock entschieden. Am heutigen dritten Renntag müssen die Italiener von Luna Rossa beide Rennen bestreiten. Das verspricht zumindest in der Startphase aggressive Manöver und taktische Spielchen, die die beiden Steuermänner Jimmy Spithill und Francesco Bruni perfektioniert haben.

Das Rennen, das keines war

Im ersten Rennen des Tages treten die Italiener gegen die ungeschlagenen Briten an. Im ersten Rennen der beiden Teams konnte Ben Ainslie den aggressiven Stil der Italiener adaptieren und hatte im Start schließlich die Nase vorn. Sollte dem Briten dies auch heute gelingen?

Das Rennen zwischen Briten und Italienern bleibt bis Schluss spannend © COR 36 | Studio Borlenghi

Nach dem Eintreten in die Startbox segeln beide Teams nach rechts. Kurz vor der virtuellen Grenze fällt Luna Rossa ab, halst und öffnet scheinbar die Luvposition für die Briten, die jetzt nur noch Wenden bräuchten, um sich zwischen Italiener und Startlinie zu positionieren. Doch bei 45 Sekunden zum Start zögert Ainslie kurz – er wäre viel zu früh an der Linie. In dem Moment zieht Luna Rossa auch schon hoch, knüppelt hoch am Wind nach Luv, kreuzt das Kielwasser der Briten und versperrt den Weg. Die Briten müssen jetzt weiter ausholen, bevor sie wenden und handeln sich prompt eine Strafe ein, da sie die virtuelle Begrenzung berühren. Den Start gewinnt Luna Rossa, die Briten zwei Bootslängen dahinter. Womit die Strafe auch ausgeführt ist. Die Briten wenden allerdings nicht weg, sondern bleiben an den Italienern dran, wenden mit, während sie von Begrenzung zu Begrenzung segeln.

Luna Rossa rundet die Luvmarke schließlich mit einem Vorsprung von elf Sekunden. Auf dem Vorwindkurs setzt Luna Rossa zwar eine unsaubere Halse, wodurch die Briten etwas aufschließen können, doch am Leegate beträgt der Vorsprung vor den Briten bereits 17 Sekunden. Die Briten suchen jetzt den Split und segeln auf die rechte Seite.

Während die beiden Boote über den Kurs kreuzen, schiebt sich von links ein großes Regenfeld auf den Kurs zu. In solch einer Regenfront steckt in der Regel immer Wind – und auch Winddreher. Beide Teams spektakulären hier auf einen Vorteil und versuchen sich nach Links zu orientieren. Doch auf der Kreuz kann die Regenfront noch keinen großen Einfluss geltend machen. Allerdings sollte die Front das Rennen noch entscheiden.

An der Luvmarke haben die Italiener ihren Vorsprung auf 44 Sekunden ausbauen können. Die Italiener scheinen das Rennen jetzt nach Hause segeln zu können. Doch dann fegt die Regenfront von Links ins Feld. Die Briten sind weiter links und bekommen sie zuerst ab. Mit der Front dreht der Wind um 90 Grad, beide Boote können  das Gate nicht mehr ansteuern, müssen weit in die linke Ecke segeln. In der Halse fällt Luna Rossa von den Foils, während INEOS es irgendwie schafft, auf den Foils zu bleiben und an den Italienern vorbei zu segeln. Erst 40 Sekunden nach den Briten treiben die Italiener um die Leemarke, während die Briten überlegen, wie sie ans andere Ende des Kurses kommen sollen. Doch die Regattaleitung bricht an dieser Stelle das Rennen ab – zu groß war dieser Winddreher. Das Rennen wird wiederholt.

 

Das Rennen, das ein richtiges Rennen war

Im Restart des Rennens möchte sich Ainslie nicht wieder überrumpeln lassen. Beide Boote segeln wieder auf die rechte Seite der Linie. Doch Luna Rossa geht in diesem Start sehr aggressiv ran. Die Italiener halsen an der Begrenzung und halten mit Wegerecht auf die Briten zu. Diese Situation hatten wir bereits am Freitag, als Ainslie dann vor Luna Rossa wendete und sich in Luv positionieren konnte. Heute möchte er allerdings hinter den Italienern wenden. Die Gelegenheit lassen sich die Italiener nicht entgehen, fallen kurz ab und zwingen die Briten zu einem leichten Schlenker. Sofort blinkt der Protest der Italiener auf, die Briten hätten ihnen nicht genügend Raum gegeben. Dem Protest wird allerdings nicht stattgegeben. Beide Boote ziehen jetzt auf hoch auf die Startlinie zu. Die Italiener wieder einige Bootslängen voraus, die Briten aber in Luv und schneller. Luna Rossa drückt die Briten an die Linie hoch und beide fahren gleichzeitig über die Startlinie. Die Italiener luven weiter und zwingen Sir Ben zu einer Wende auf die rechte Seite des Kurses.

Die Perspektive des Verfolgers war im Prada Cup neu für die Briten © COR 36 | Studio Borlenghi

Im ersten Cross hat INEOS mit Wegerecht die Nase leicht vorn, Luna Rossa muss am Heck passieren. Doch jetzt auf der linken Seite verlieren die Briten an Boden, während die Italiener von einem leichten Dreher profitieren und beim nächsten Cross deutlich vor den Briten liegen.

Als erste am Luvgate entscheiden sich die Italiener dann auch für die rechte Seite, während die Briten mit einem Rückstand von zehn Sekunden den Split suchen. Die Vorwindstrecke gestaltet sich ausgeglichen, beide Boote segeln über die gesamte Kursbreite. Am Leetor konnten die Briten den Vorsprung der Italiener um drei Sekunden verkürzen, entscheiden sich wieder für den Split – dieses Mal auf die rechte Seite des Kurses.

Beim ersten Cross geht Luna Rossa knapp vor den Briten durch, entscheidet sich allerdings dagegen, den Gegner zu decken. Auch im nächsten Cross hat Luna Rossa wieder einen leichten Vorsprung. Doch jetzt kommt die Glanzstunde von Giles Scott, dem Taktiker der Briten. Er hat einen Linksdreher auf der rechten Kursseite kommen sehen, schickt Ainslie in das Windfeld, sodass die Briten auf der rechten Seite davonziehen. Kurz vor dem Gate unterwendet Luna Rossa die Briten, zwingen sie zu einer Wende und auf die rechte Seite. Beide boote gehen gleichzeitig um die Luvmarken. Die Frage ist, ob die Briten auch ohne das Manöver der Italiener nach rechts gegangen wären – sie befanden sich auf der Layline zur linken Marke.

Doch dieses taktische Spielchen sollte das Rennen entscheiden. Die rechte Seite zahlt sich mal wieder aus und die Briten können bis zum Leegate einen komfortablen Vorsprung von 26 Sekunden heraussegeln. Die Italiener geben nicht auf, suchen den Split, liegen beim ersten Cross aber weit zurück. INEOS wendet gleich nach dem Cross und beginnt Luna Rossa zu decken, die gleich wieder wegwenden. Allerdings haben die Briten durch dieses Manöver die starke rechte Seite den Italienern überlassen. Von links kommend wenden die Briten dann mit etwas Puffer auf die Layline der rechten Luvmarke, während sich die Italiener für den Split entscheiden. Auf der Kreuz haben die Briten jetzt wieder 14 Sekunden verloren. Auf dem Vorwindkurs können sie allerdings wieder von einer etwas höheren Endgeschwindigkeit profitieren und fliegen 18 Sekunden vor Luna Rossa durch das Ziel. Die Briten sind auch in ihrem vierten Rennen ungeschlagen!

Das Rennen, das unschön endete

Das letzte Rennen beginnt bereits konfus. Der Wind hat wieder etwas aufgefrischt und Regenschauer ziehen am Horizont auf. Beide Teams gehen dieses Rennen sehr aggressiv an. American Magic muss nach drei verlorenen Rennen endlich punkten, um weiterhin eine Chance auf das Halbfinale zu haben. Und Luna Rossa – nun ja, sie segeln immer etwas aggressiver. Doch gleich beide Teams verschlafen den Start, und segeln zu spät in die Startbox, was dazu führt, dass beide Teams nahezu gleichzeitig einfahren. Luna Rossa mit Wegerecht zwingt die Amerikaner zu einem Dialdown-Manöver und drücken auch gleich die Protesttaste, denn die Amerikaner fallen von den Foils, sodass auch die Italiener ausweichen müssen – und im Wasser landen. Die Jury entscheidet dann überraschend, dass es keine Strafe für die Amerikaner geben wird.

Mal wieder segeln die Amerikaner wenige Sekunden vor dem Start im Verdrängermodus und versuchen verzweifelt, abzuheben. Doch heute weht genug Wind, sodass beide Boote es schaffen, rechtzeitig auf die Foils zu kommen. Die Italiener segeln zuerst über die Linie, während die Amerikaner zwei Bootslängen hinter ihnen über die Linie rutschen. American Magic segelt leicht in Luv, wendet nicht weg. Die Italiener leiten plötzlich – einige Meter vor der Kursgrenze – eine Wende ein und schaffen ganz knapp den Cross. American Magic nutzt hingegen die gesamte Breite und wendet auf der Kursgrenze.

Die Amerikaner haben um Duell mit den Italienern die Nase vorn. Bild: © COR 36 | Studio Borlenghi

Beim Cross kurz vor dem Luvgate unterwendet American Magic die Italiener, luvt nach der Wende sofort an und setzt sich eine Bootslinie voraus in Luv vor die Italiener. Doch das Luven hat Geschwindigkeit gekostet. Die Italiener rauschen in Lee ran, schaffen die Überlappung und jetzt beginnt Spithill zu luven – und drückt die Protesttaste. Die Amerikaner wenden auf die Layline zur rechten Bahnmarke und haben einen Vorsprung von sechs Sekunden. Auch dieser Protest der Amerikaner Italiener wird wieder abgewiesen.

Gleich hinter der Luvmarke halsen die Italiener auf die linke Seite, da diese bevorteilt scheint. Doch es reicht nicht aus, um die Lücke zu schließen. Stattdessen bauen die Amerikaner ihren Vorsprung bis zum Leegate auf 13 Sekunden aus. Hier entscheiden sich Dean Barker und sein Team für die linke Kursseite. An diesem Punkt beginnen sich wieder Regenwolken von links in den Kurs zu schieben. Die Amerikaner beginnen auf der Kreuz, die linke Seite zu verteidigen. Als die Italiener die Kursbegrenzung auf der rechten Seite berühren, handeln sie sich eine Strafe ein und fallen weiter zurück. Bis zum Luvgate haben die Amerikaner ihre linke Seite nicht mehr hergegeben, sodass sie ihren Vorsprung auf 27 Sekunden ausbauen. Auf dem nächsten Vorwindschenkel legen die Amerikaner den Turbo ein, nehmen den Italienern Meter um Meter ab, reduzieren die Manöver nach einem Winddreher auf eine einzige Halse (Luna Rossa: 4) und runden die Leemarke mit einem Vorsprung von 42 Sekunden. Der erste Punkt für die Amerikaner rückt in greifbare Nähe.

Die Amerikaner kentern nach einem Tonnenmanöver. Bild: © COR 36 | Studio Borlenghi

Doch dann folgt das schicksalshafte letzte Rundungsmanöver. Von links drückt eine Regenfront starke Böen auf den Kurs, der Wind dreht und American Magic muss die linke Bahnmarke nehmen. Barker ermahnt seine Crew, dass das nächste Manöver „tough“ werden wird. Jetzt muss alles klappen. Doch nach der Wende können die Amerikaner beim Abfallen das Großsegel nicht weit genug öffnen, da ein Backstag klemmt oder vergessen worden ist. Das Boot schießt in den Himmel, landet hart auf dem Wasser und beginnt sofort zu kentern. Gleich sind die Boote aller Teams bei dem havarierten AC75. Die Crew hat die Kenterung unverletzt überstanden. Da die Amerikaner in der Folge das Rennen aufgeben, geht der Punkt an die Italiener.

Fieberhaft wird versucht, das Boot am Sinken zu hindern. Bild: © COR 36 | Studio Borlenghi

Doch das Boot hat bei dem Abflug wohl Schaden genommen, und nimmt Wasser auf. Sie konnten es zwar wieder aufrichten, aber der Bug liegt bereits unter Wasser. Alle Teams helfen dabei, das Boot zu stabilisieren und in den Hafen zu schleppen.

Mittlerweile hat das Boot sicher den Hafen erreicht.

Ausblick

Bis zum nächsten Renntag sind es jetzt noch ein paar Tage und die Amerikaner sollten es schaffen, das Boot wieder konkurrenzfähig zu machen. Beim letzten Cup fuhren die Neuseeländer einen Stecker und waren bereits am nächsten Tag einsatzbereit. Es bleibt nur zu hoffen, dass das eindringende Wasser keine Schäden an der Mechanik und Elektronik anrichten konnte. An Land offenbarte sich ein großes Loch im Rumpf.

Im Rumpf klafft ein riesiges Loch. Schaffen es die Amerikaner zurück ins Rennen? Bild: © COR 36 | Studio Borlenghi

Die größte Überraschung der letzten Tage war mit Abstand die Dominanz der Briten rund um Sir Ben. Sie führen die Tabelle mit vier Punkten an. Die Italiener folgen mit zwei Punkten. Schlusslicht sind die Amerikaner mit Null Punkten.

 

 

4 Kommentare zu „America’s Cup: Schwarzer Tag für American Magic nach Kenterung – Crew unverletzt“

  1. avatar Paul sagt:

    Danke für den informativen Artikel

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 0

  2. avatar herr zettpunkt sagt:

    Wie kommt das Loch in den Rumpf? Ist da eine Batterie durch die Gegend geflogen?

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  3. avatar Bea sagt:

    Leider bringt ihr in eurem Text ständig das amerikanische und italienische Team durcheinander… Vielleicht korrigiert ihr das noch?

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    • avatar SegelReporter sagt:

      Hallo Bea,

      vielen Dank für den Hinweis. Wir haben den Fehler mit dem Protest geändert und im Text kenntlich gemacht!

      Viele Grüße

      die SegelReporter

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