America’s Cup: Team Japan mit neuem Boot – Wie stark kann der “Sieger der Herzen” sein?

"Wir wollten uns an die Gurgel"

Das Softbank Team Japan hat als fünftes von sechs Teams sein Rennboot für den America’s Cup enthüllt. Können die Späteinsteiger etwas reißen? Sie gelten als Oracle-Ableger.

Eines der Prinzipien des America’s Cups war immer, dass die Herausforderer gegen den Verteidiger zusammenhalten. Das galt als stärkste Trumpfkarte gegen die Übermacht des Siegers, die er traditionell von der Deed of Gift gewährt bekommt. Aber die alten Regeln zählen nicht mehr.

SoftBank Team Japan

Geheimnisse gibt es nicht. Oacle Chef Designer Grant Simmer beim intensiven Austausch mit Dean Barker

Schon beim 34. America’s Cup hat sich Oracle Team USA das Recht herausgenommen, vor dem eigentlichen Finale gegen die Herausforderer antreten zu dürfen. Und diese Maßnahme ließen sich die Amerikaner von den Gegnern auch für Bermuda absegnen. Sie starten bei der Qualifikationsserie.

Darüberhinaus haben sie eng mit einem Herausforderer zusammengearbeitet. Das Softbank Team Japan gilt vielen Beobachtern als Oracle-Ableger. Denn beide Rennställe haben beim Training in Bermuda eng miteinander kooperiert und viel gegeneinander gesegelt.

Offene Abneigung

Es ist eigentlich ein Wunder, dass es so weit gekommen ist. Denn Dean Barker und James Spithill verband beim America’s Cup 2013 nur ihre offene Abneigung. “Ich denke, wir wollten uns damals beide an die Gurgel”, bestätigt Spithill in der New York Times.

Barker als Team- New-Zealand-Steuermann hatte Spithill am Rande einer Niederlage und ihn besonders bei den Duellen in der Startbox mehrfach schmerzhaft düpiert. Aber dann ging die Regatta doch noch verloren. Es lag an einer späten technischen Aufrüstung. Oracle wurde immer schneller und Barker hatte keine Chance mehr. Doch irgendwie blieb auch ein Makel an dem Kiwi-Steuermann haften. Dabei hatt er sich keine groben Schnitzer geleistet.

Das neuseeländische Team war der eigentliche Sieger der Herzen und wollte mit Vollgas den nächsten Angriff auf Oracle vorbereiten. Aber es folgte eine Selbstdemontage sondergleichen. Der loyale Held Dean Barker (43) wurde vom Teamchef Grant Dalton klassisch abserviert und gegen den jüngeren Peter Burling am Steuer ausgetauscht.

Barker auf dem Abstellgleis

Für den Vorgang als solchen mochte es gute Gründe geben. Der 49er Olympiasieger war eine logische Wahl. Aber die Art, wie der verdiente Steuermann aufs Abstellgleis geschoben wurde, passte so gar nicht zu der sympathischen Aura, die das Kiwi-Team normalerweise umgibt.

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Traditionelle japanische Zeremonie bei der Taufe. © SoftBank Team Japan

In dieser Situation half der alte Feind Oracle. Russell Coutts hatte das Problem, dass nach dem Challenger of Record aus Australien auch Luna Rossa die Brocken hinwarf, und er neue Teams präsentieren musste. Dabei drängten die Japaner auf eine Teilnahme. Coutts hatte Masayoshi Son, den zweitreichsten Japaner, an der Angel, einen guten Freund von Larry Ellison.

Aber der wollte nur ausgestattet mit einer realistischen Chance das Abenteuer America’s Cup angehen. So soll Ellison den Kontakt zu Barker promotet haben. Er vermittelte damit nicht nur dessen Steuerkünste sondern auch das Foiling-Know-How, das für den späten Einstieg im April 2015 unverzichtbar war.

Außerdem lockte Oracle die Japaner mit dem Versprechen zur Design-Kooperation bis zu einem gewissen Punkt. Dazu stieß quasi aus der Luna Rossa-Konkursmasse noch Steuermann Chris Draper (37) zum Team, und mit der Hilfe des US-Syndikats machten die Japaner schnelle Fortschritte.

Aber auch die Cup-Verteidiger haben von der Kooperation profitiert. Ob sie sich einen Vorteil bewahren konnten, und wie sich die Japaner schließlich abgrenzen, wird sich in den Rennen noch zeigen müssen. Die Leistungsfähigkeit ist schwer einzuschätzen.

Ältestes Segelteam

Im elfköpfigen Segelteam ist eine weitere Schlüsselfigur der junge Australier Jason Waterhouse (25), der in Rio Nacra-Silber gewann. Er stieß erst später zum Team und senkt das Durchschnittsalter gewaltig. Denn der General Manager Kazuhiko Sofuku ist mit 49 Jahren der älteste Segler aller aktuellen America’s Cup Teams. Er galt viele Jahre als bester Vorschiffsmann der Welt, segelte lange bei Oracle und dominierte viele Jahre mit Peter Gilmour die globale Match Race Szene.

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Der neue japanische 15 Meter Katamaran. © SoftBank Team Japan

Zum Segelteam gehört auch der 470er-Vorschoter Yugo Yoshida (32), WM Dritter 2009 und Olympia Teilnehmer 2012. Yuki Kasatani (27) ist dagegen die Kraftmaschine an Bord, als japanischer Meister im Rudern. Dazu brachte Barker drei Segler vom Team New Zealand mit, Jeremy Lomas (43), Derek Saward (34) und Winston Macfarlane (40).

Unter dem Strich wird das Softbank Team deutlich das älteste Segelteam in Bermuda darstellen. Und mit offiziell geführten 42 Teammitgliedern hat es nicht einmal die Hälfte der großen Mitarbeiter zur Verfügung, wie die großen Teams.

Daraus ergibt sich eigentlich eine Underdog-Rolle. Aber dennoch darf man die Japaner längst nicht abschreiben. Die bisherigen Trainings in Bermuda lassen vermuten, dass sie technisch auf der Höhe sind. Es ist allerdings schwer vorstellbar, dass Oracle es zulässt, einen ernsthaften Konkurrenten erstarken zu lassen.

Website Softbank Team Japan

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Carsten Kemmling

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