America’s Cup: Team New Zealands neuer AC75-Cupper – Der erste große Kraken-Foiler

Nächstes Kapitel der Foiling-Revolution

Das Emirates Team New Zealand hat kurz vor der offiziellen Vorstellung seines neuen AC75 Einrumpf-Foilers die ersten Bilder der futuristischen Konstruktion gezeigt.

Der Hype um den nächsten America’s Cup 2021 hält sich bisher ziemlich in Grenzen. Nur vier Teams als Herausforderer – davon Stars&Stripes noch ziemlich wacklig. Bisher kaum Berichterstattung im Vorfeld mangels Booten, die man zeigen kann. Kein aktueller, paralleler Circuit, bei dem die Cup-Spezialisten aufeinander treffen. Kaum Technik-Stories wegen akuter Geheimniskrämerei. Mangels Sponsoren sind die Teams auch kaum von ihrer Außendarstellung abhängig. Sie werden überwiegend privat finanziert.

Team New Zealand.

Der neue Cupper vom Team New Zealand. © ETNZ

Aber die Organisatoren haben versprochen, dass sich die Berichterstattung ändert, sobald die ersten AC75-Yachten im Wasser sind. Die spektakulären Kraken-Foiler sehen so futuristisch aus und bewegen sich so ungewöhnlich über das Wasser, dass Aufmerksamkeit garantiert ist.

Zwar werden sie wohl kaum den Speed der F50-Katamaran-Foiler erreichen, die den SailGP bestreiten und eine Weiterentwicklung der AC50-Cupper des 35. America’s Cups in Bermuda sind. Aber Luna Rossa Rennstall-Besitzer Patrizio Bertelli wollte eben unbedingt eine große Einrumpf-Yacht haben.

Emirates Team New Zealand.

Der AC75 auf seinem Trailer. © ETNZ

Das war eine der Bedingungen für seine massive Unterstützung der neuseeländischen Herausforderung. Wutschnaubend hatte er selber sein italienisches Team aus dem Kampf um die Kanne 2017 zurückgezogen nach aus seiner Sicht zu späten, unfairen Regeländerungen von Ellison und Coutts.

Emirates Team New Zealand.

Flacher Flunder. Hauptsache kein Windwiderstand. © ETNZ

Die Kiwis hielten Wort nach dem Cup-Gewinn. Sie vollzogen den Wechsel vom Multi- zum Monohull, aber nicht so, wie es sich Bertelli vorstellte. Längst hat er zugegeben, dass, dass er eigentlich eine Art modernen Volvo 60 – maximal mit Tragflächen an den Rudern – im Kopf gehabt hatte. Auf die ganze Foilerei hätte er wohl gut verzichten können.

Emirates Team New Zealand.

Der Mast wird gestellt. © ETNZ

Nun ist es stattdessen einer der extremsten Neuentwicklungen der Segelgeschichte geworden. Ein weiteres neues Kapitel der Foiling-Revolution im Segelsport ist aufgeschlagen. Klar, der AC75 hat nur einen Rumpf, wie es Bertelli sich wünschte, aber dieser ist nahezu irrelevant, da er im Idealfall das Wasser nicht berührt.

AC75

Das krakenartige Design des AC75. © America’s Cup Media

36. America's Cup, AC75

AC75. Two-Point Foiling, wie bei der Moth. T-Foils an Schwert und Ruder sorgen für Stabilität. © ETNZ

Wie und dass es funktionieren kann, haben das jeweilige Testboot der Briten, Amerikaner und auch Italiener gezeigt. Die Neuseeländer dagegen verzichteten auf einen Miniatur-Foiler und haben sich vor dem 1:1 Neubau völlig auf die Computer-Simulation verlassen.

Emirates Team New Zealand.

Der AC75 vor seiner Basis in Auckland. © ETNZ

Das Ergebnis soll heute gefeiert werden bei der offiziellen Vorstellung der neuen Yacht. Aber schon zuvor – zum Anheizen der Medien, oder weil Leak-Bilder ohnehin nicht zu verhindern waren – lancierten die Kiwis selber erste Fotos von ihrem neuen Kraken-Cupper. Sie zeigen eine extrem flache Rumpfform, die darauf ausgelegt ist, schnell in den Foiling-Modus zu kommen und dann einen möglichst geringen Windwiderstand zu bieten.

Die große Frage: Wie werden diese Yachten im Vorstart gesegelt? Da wieder gegen den Wind gestartet wird, spielt das spannende Duell vor der Startlinie wieder eine große Rolle. Wird es den Teams mit ihren neuen Cuppern tatsächlich erlaubt, mit maximaler Geschwindigkeit Bord-an-Bord-Duelle auszufechten? Oder werden neue Regeln das Foilen vor dem Startschuss beschränken?

Interessant wird es auch sein, wie sehr sich die Konstruktionen der Teams ähneln. Es ist schwer, von der Rumpfform auf die potenzielle Leistungsfähigkeit zu schließen. Denn der Teufel steckt im Detail. Wie steuern die Crews die Anstellwinkel der Foils. Und wie trimmen sie die neuartigen doppelwandigen Segel? Vom Ergebnis hängt ab, ob dieser 36. Cup für den Fan spannend werden kann. Sollten die Boote leistungsmäßig eng beieinander liegen, kann es ein grandioses Spektakel werden.

Dabei müssen die Teams jetzt noch nicht alle Karten auf den Tisch legen. Ihnen ist es erlaubt, im nächsten Jahr noch einen zweiten Cupper zu bauen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „America’s Cup: Team New Zealands neuer AC75-Cupper – Der erste große Kraken-Foiler“

  1. avatar Harrie Jasses sagt:

    Es ist eine wirklich spannende Zeit im Segelsport. Bemerkenswerte Technologien werden da entwickelt. Das Kiwi Boot sieht schon mal klasse aus und es wird sicher auch segelnd nett anzusehen sein. Ich wage aber keine Prognose, ob auch die Rennen spannend werden. Meine Einschätzung zu den letzten Veranstaltungen waren meist ziemlich daneben.

    Das Duell Monster Kat gegen Monster Tri hatte ich damals mit großer Spannung erwartet. Allerdings war diese ca. eine Minute nach dem Start auch wieder vorbei, als deutlich wurde, dass der Tri einfach deutlich schneller war.

    Das Duell der Kats hingegen hatte ich mit großer Skepsis betrachtet. Was für eine grandiose Fehleinschätzung! Das Finale war vermutlich das spannendste Segelduell aller Zeiten, zur Primetime in Europa übertragen, perfekt in Szene gesetzt und von Ken Read grandios kommentiert. Am Ende habe ich kein einziges Rennen verpasst.

    Den letzten Cup hatte ich dann auch mit Vorfreude erwartet und er war dann ja auch nett anzusehen. Man darf gespannt sein wie es dieses Mal wird ?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 1

  2. avatar pl_urs.dudli sagt:

    Ging mir genauso. Aber das Regelwirrwarr bleibt.

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