America’s Cup: Wie Ben Ainslie das Ruder noch herumreißen will – Prada Cup wird fortgesetzt

"Bereit für den Kampf"

Heute Nacht um 4:12 startet nach dem Ärger der vergangenen Tage doch noch das fünfte Rennen des Prada Cups zwischen Luna Rossa und INEOS Team UK. Ainslie liegt 0:4 zurück. Kann er die nötigen 7 Siege noch holen?

Können die Briten das Ruder noch herumwerfen? © C.GREGORY / INEOS TEAM UK

Nur noch drei Siege benötigen die Italiener um die beiden Steuerleute Francesco Bruni und James Spithill, um sich das Recht zu sichern gegen Neuseeland im America’s Cup antreten zu dürfen. Die Rennen am vergangenen Wochenende haben gezeigt, dass sie auf höchstem Niveau agieren und kaum Fehler machen.

Aber sie wissen auch, der klare Vorsprung täuscht. Es fehlt nicht viel, um gegen Ainslie und seine Männer zu verlieren. Wenn die Briten ihre Starts hinbekommen, dürfte ihre Speed ausreichen, um den Vorsprung zu verteidigen.

Dazu kommt die ungeplante Ruhepause wegen des Corona-Ausbruchs in Auckland. Eigentlich hätte am Mittwoch gesegelt werden sollen und am Freitag. Diese Zeit sollte nun INEOS in die Karten spielen, um die Fehler in Ruhe analysieren zu können und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die Rennen werden wieder auf dem Youtube-Kanal übertragen.

Verbesserte Leichtwind-Performance?

Technische Wunderdinge wie etwas andere Foils sind nicht zu erwarten. Denn anders als noch in Bermuda müssen die Boote die bei der Vermessung eingecheckten Hauptmerkmale nicht verändern.

Aber natürlich können sie beim Trimm von Foils und Segeln unendliche Variablen, die etwa beim Manövrieren verbessert werden können. So wollen Beobachter vor Ort bei jüngsten Trainingsfahrten des britischen Boots erstaunlich verbesserte Leichtwind-Performance festgestellt haben.

Und das könnte wichtig werden, denn für das Wochenende sind eher leichte Winde vorhergesagt – bisher eine Stärke der Italiener. Ob es tatsächlich noch einmal spannend werden kann, muss sich am Samstag zeigen.

“Viel Gerede und Getöse”

Ben Ainslie erklärt in einer Mitteilung an die Fans des Teams, was ihm vor den nächsten Rennen durch den Kopf geht.

“Die letzten Tage haben uns vor Augen geführt, wie glücklich wir uns schätzen können, ein relativ normales Leben zu führen und hier in Auckland Rennen zu fahren. Nachdem wir mehrere Tage lang unter Corona-Level 3 Bedingungen gelebt haben und jetzt bei Level 2 sind, ist uns wieder klar geworden, wie fragil die Situation ist. Und was für einen brillanten Job die neuseeländische Regierung und die Menschen hier bis jetzt gemacht haben. Jetzt aber, nach viel Gerede und Getöse über den Zeitplan, ist es wieder an der Zeit, Rennen zu fahren. Und wir sind bereit für den Kampf.

Ainslie mit Maske im Level 2 Modus beim Auckland Training. © C.GREGORY / INEOS TEAM UK

Wir haben die zusätzliche Vorbereitungszeit seit unserem letzten Rennen genutzt, um unsere bisherigen Duelle im Finale genau unter die Lupe zu nehmen und unsere Leistung zu analysieren. Da die Vermessung vor dem Finale festgelegt wurde, können wir keine größeren Änderungen an BRITANNIA vornehmen. Also lag unser Fokus beim Training auf dem Wasser. In den vergangenen Tagen haben wir am unteren Ende des Windspektrums trainiert und an unserer Technik gearbeitet.

Einige dieser Manöver, sind sehr kompliziert. Es gibt so viel, was in eine einzelne Wende oder Halse einfließt. Es geht um die Abfolge des Lastwechsels zwischen den Foils, der Einstellung von Groß- und Fock, der Geschwindigkeit der Drehung und noch viel mehr. Wir haben genau überprüft, wie wir uns verbessern können. Denn obwohl der Unterschied zwischen den beiden Teams nicht sehr groß war, waren wir etwa bei den Wenden nicht ganz so stark wie die Italiener.

Wer bleibt am längsten auf den Foils?

Ein weiterer Bereich, auf den wir uns konzentriert haben, waren unsere Vorstarts. Je mehr Rennen wir fahren, desto besser können wir die Spielzüge der anderen Teams in den Vorstarts herausfinden. Es wird langsam sehr interessant, wie jedes Team auf die Vorstartstrategie des anderen Teams reagiert. Unsere Strategie, das Bootshandling und das Timing in Sekundenbruchteilen werden der Schlüssel sein, um den Gegner möglicherweise zu überrumpeln und vom Start weg die Führung zu übernehmen.

Für dieses Wochenende ist leichter Wind vorhergesagt. Dabei geht es darum, welches Team am längsten auf den Foils bleiben kann, wer den geringsten Widerstand erzeugt und wer am schnellsten nach den Manövern beschleunigt.

Die Italiener haben sich bisher zusammen mit den Kiwis als die herausragenden Teams bei diesen Bedingungen erwiesen. Also ging es für uns in den letzten Tagen darum, zu versuchen, ihre Fähigkeiten zu kontern. Wenn wir es schaffen, einen guten Start haben und dann die richtigen Entscheidungen zum Wind auf dem Kurs treffen, wissen wir, dass wir vorne bleiben können.

Wir wissen, dass wir anfangen müssen, Rennen zu gewinnen. Und wir glauben, dass wir das können. Keine einzige Person im Team ist den Herausforderungen nicht gewachsen. Wir befinden uns jetzt mitten im Kampf und werden unser Bestes geben. Ich habe volles Vertrauen, dass wir das schaffen können.”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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