America’s Cup: Wie der nächste Cup aussehen soll – Kaufen Briten Platz im Finale?

"Es wäre eine große Sache"

Immer mehr deutet sich an, dass der 37. America’s Cup in England gesegelt werden könnte. INEOS Team UK Sir Jim Ratcliffe erklärt, wie das ablaufen könnte.

Jim Ratcliff in mitten seines britischen Cup-Teams. © COR 36 | Studio Borlenghi

Der erste Aufschrei war laut, als sich die Gerüchte über die Pläne der neuen Cup-Organisatoren aus Neuseeland und England zum nächsten America’s Cup verdichteten. Offenbar wollen sie bei der nächsten Auflage tatsächlich weitere Teilnehmer ausschließen. American Magic drohte schon deutlich damit, solche Überlegungen von dem Supreme Court in New York überprüfen lassen zu wollen.

Und auch von Luna Rossa ist dieses Vorhaben inzwischen als “Farce” bezeichnet worden. Kein Wunder. Max Sirena erklärt gegenüber italienischen Medien, dass das bestehende Design Team schon zu 90 Prozent für den nächsten Zyklus verpflichtet wurde. Die Italiener machen keine richtige Pause. Auch Spithill soll wieder dabei sein. Da mag man nicht vom nächsten Showdown ausgeschlossen werden.

Allerdings scheint das Vorhaben eines Zweier-Matches offenbar nicht ganz so niederträchtig, wie es sich anhört. Zumindest wird es nun auch schon in neuseeländischen Medien wohlwollend kommentiert.

Denn der Plan sieht offenbar vor, dass sich für das Gros der Herausforderer der bisher übliche Zyklus nicht ändert. Es geht einfach um ein Match in England vor der Isle of Wight im nächsten Jahr mit den aktuellen Booten der beiden Teams. Wer gewinnt, verpflichtet sich zuvor, den 38. America’s Cup in Auckland bei einem Multi-Challenger-Event wohl 2024 zu verteidigen.

“Ein wenig skurril”

INEOS-Chef Jim Ratcliffe hat nun gegenüber dem Telegraph bestätigt, dass dieser Plan seiner Wunschvorstellung entsprechen würde. “Es wäre eine große Sache für das Vereinigte Königreich. Es würde ein großer Erfolg werden.” Denn niemand in der nördlichen Hemisphäre habe bisher diese Boote in einem echten Wettkampf erlebt.

Das nächste Cup-Duell? Die Briten könnten sich einen Platz im Finale kaufen. © COR 36 | Studio Borlenghi

Klar sei das ein wenig skurril. “Aber der Cup war schon immer ein bisschen skurril. Es wäre ja nicht das erste Mal, dass es ein solches Duell gibt. So lief es in den ersten 100 Jahren. Und wir wollen wirklich das Spielfeld nivellieren, die Kosten senken, und es für andere Teilnehmer fairer machen. In dieser Hinsicht würde sich nichts ändern.” Am liebsten sähe er sogar eine unabhängige Organisation, die mit der Ausrichtung der Regatta betraut werde, um alles so fair wie möglich zu machen.

“Aber letztendlich liegt es an den Kiwis”, sagt Ratcliffe. “Alles, was ich sagen kann, ist, dass wir Gespräche mit Grant Dalton und seinen Jungs führen werden. Und hoffentlich werden wir gute Lösungen finden.”

Team New Zealand CEO Dalton hat inzwischen bestätigt, dass die Vorschläge der Briten auf dem Tisch liegen. Gegenüber dem neuseeländischen Fensehen TVNZ sagt er, dass die Regatta vor Cowes eine Option ist. “Wir wollen nach Auckland zurückkommen, aber wir müssen auch an das Team denken. Letztendlich trage ich die Verantwortung in erster Linie für sein Wohlergehen.” Er müsse sicherstellen, dass es stark genug bleibt, um den Cup zu verteidigen.

Neuseeländer brauchen frisches Geld

Damit spricht er die Finanzen an. Der schwächelnde Hauptsponsor Emirates, weniger privates Geld in der Hinterhand und der ständige Ärger in Verbindung mit potenziellen Regierungsgeldern motivieren ihn, neue Geldtöpfe aufzumachen. Da ist die Bestimmungsmöglichkeit über den Austragungsort das größte Pfund, mit dem ein America’s-Cup-Sieger wuchern kann.

Ainslie, America's Cup

Ainslie und Jim Ratcliffe beim ersten offiziellen Handschlag 2018. © Ineos Team GB

Alinghi hat das erstmals ausgenutzt, als es für 2007 ein Bieterverfahren startete und schließlich Valencia den Zuschlag erhielt. Auch Larry Ellison ließ es sich gut bezahlen, den Cup 2017 in Bermuda aussegeln zu lassen. Da sollte es auch einem Jim Ratcliffe möglich sein, den Cup “nach Hause” zu bringen. Über die entsprechenden finanziellen Möglichkeiten dürfte er mit einem geschätzten Vermögen von 17 Milliarden Dollar verfügen.

Für das Team von Ben Ainslie wäre es ein guter Deal. Man könnte Match-Praxis sammeln, Aufmerksamkeit in der Heimat generieren und das Designteam unter Volldampf weiterarbeiten lassen, um den aktuellen AC75 auf Augenhöhe zu den Neuseeländern bringen. Zuzutrauen wäre es ihnen.

Wenn sie dann die Regeln tatsächlich zusammen mit den Kiwis so ändern, dass seglerische Fähigkeiten über Regattasiege entscheiden und deutlich mehr Onedesign-Merkmale für die Klasse vorgeschrieben würden, dann könnte insbesondere der 38. America’s Cup ein ganz großer werden.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „America’s Cup: Wie der nächste Cup aussehen soll – Kaufen Briten Platz im Finale?“

  1. avatar Hans-Peter Porrmann sagt:

    Danke für die guten Recherchen Carsten. Habe ich an die interessierten Freunde verteilt. Take care. bix

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

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