America’s Cup: Wie Team New Zealand wieder auferstand – Geheimnisvoller Unterstützer

Phönix aus der Asche

Neuseeland lag nach der America’s Cup-Niederlage in San Francisco am Boden, und schien für immer geschlagen. Ein mysteriöser Italiener zieht die Fäden im Hintergrund.

Brutaler als 2013 in San Francisco kann man einen Sportwettkampf kaum verlieren. Team New Zealand lag völlig am Boden. Wer so knapp vor dem Ziel scheitert, ist gezeichnet. Dabei hatten die Segler vom Ende der Welt eigentlich Unglaubliches geschafft. Mit bescheidenen Mitteln brachten sie den Riesen Oracle so nahe an den Rand einer Niederlage, wie es vorher niemand für möglich halten konnte.

Matteo De Nora (2.v.l.) inmitten von Glenn Ashby (l.) Peter Burlingund Teamchef Grant Dalton © ETNZ

Die Neuseeländer hätten stolz auf ihr Team sein können. Es erkannte die Lücke im Regelwerk und brachte es fertig, den riesigen 72 Fuß-Katamaran auf Tragflächen zu stellen. Es zeigte die Technik ein wenig zu früh, so dass Oracle mit seinen großen Ressourcen noch reagieren konnte, dennoch sollten die Kiwis ihre Verlierer als Sieger der Herzen feiern.

Verschwendete Steuergelder

Stattdessen wurde im Land öffentlichen über die verschleuderten Steuergelder diskutiert. Denn der Staat hatte mit 22 Millionen Euro rund ein Drittel der Kampagnen-Kosten bezahlt und auch mit einem Übergangsgeld von 3 Millionen Euro dafür gesorgt, dass nach dem Cup das Team erst einmal zusammenbleiben konnte.

Dann begann eine unsägliche Schlammschlacht bei der CEO Grant Dalton eine unschöne Fassette seiner Persönlichkeit zeigte. Öffentlich demontierte er den verdienten Skipper Dean Barker, der schließlich zu den Japanern wechselte. Dafür wurde Dalton schwer angezählt, besonders als publik wurde, dass er selber mehr als 100,000 Euro im Monat verdient.

Die Ratten verließen schon das sinkende Schiff. Darunter der britische Chef Designer und Foiler-Erfinder Nick Holroyd. Und plötzlich sprach nur noch wenig dafür, dass die Neuseeländer überhaupt eine neue Herausforderung auf die Beine stellen könnten. Sie meldeten erst am letzten Tag des Ablaufs der Meldefrist.

Der Mann im Hintergrund

Dabei spielte ein Mann die wichtigste Rolle im Hintergrund. Matteo de Nora, der in Bermuda als Team Principal bei der Abschluss-Pressekonferenz neben Grant Dalton Platz nahm, rettete die Kampagne. Dalton bekundete, dass er in der entscheidenden Renn-Phase jeden Tag mit de Nora gesprochen hat. So eng war der langjährige Unterstützer bisher nie in die Cup-Geschäfte integriert, und dabei hält er dem Team schon seit mehr als 15 Jahren die Stange.

2003 war für ihn ein Schlüsselmoment, als er verfolgte, wie die armen Kiwis mit einem Eimer Wasser aus ihrem Boot schöpfen mussten und chancenlos 0:5 gegen Alinghi unterlagen. Er half Grant Dalton dabei, das darnieder liegende Team wieder aufzubauen und bekundet: “Wenn Grant nicht dabei gewesen wäre, hätte ich es nicht getan.”Und er stand zu dem umstrittenen Teamchef, als in der öffentlichen Debatte sein Kopf gefordert wurde.

Dabei war insbesondere de Noras Geld gefragt. Gerade im aktuellen Cup soll er umgerechnet 13 Millionen Euro in die Kampagne gesteckt haben und einen kleinen Kreis von neuseeländischen Geschschäftsleuten zu weiteren Investitionen gebracht haben. Seine Initiative ließ die Hauptsponsoren daran glauben, dass die Kiwis wieder eine starke Herausforderung auf die Beine stellen könnten, und insbesondere Emirates kam als Hauptsponsor zurück.

Gehaltskürzungen für Kiwis

Zuerst schwächelte das Team. Nur 50 Prozent des Burdgets vom vergangenen Zyklus konnte zusammengebracht werden und alle Mitglieder mussten Gehaltkürzungen über sich ergehen lassen. Im Laufe der Kampagne aber sammelte das Understatement-Syndikat so viel Geld, dass es als bestfinanziertes Team nach Oracle galt.

Patrizio Bertelli und Skipper Max Sirena

Patrizio Bertelli und Skipper Max Sirena waren schon beim vergangenen Cup sauer auf den Cup Verteidiger. © Borlenghi/Luna Rossa

Besonders Luna Rossa Eigner Patrizio Bertelli übte auf seine Weise Rache nach seinem wutschnaubenden Ausstieg aus der America’s Cup Kampagne. Er überließ seinen Freunden zwei modifizierte AC45 Kats, Design-Know How, den Skipper Max Sirena und kolportierte 30 Millionen Euro. Folgerichtig ist er nun erneut Challenger of Record und bestimmt die Rahmenbedingungen für den nächsten Cup maßgeblich mit. 

Außerdem flossen rund 17 Millionen Dollar nach einem festgestellten Vertragsbruch durch die America’s Cup Organisatoren an die Neuseeländer.

 

Aber der eigentliche Strippenzieher im Hintergrund heißt Matteo de Nora. Der Geschäftsmann ist wahrlich ein Kosmopolit. Die Mutter kommt aus der Schweiz, der Vater aus Italien. Er wurde in den USA geboren, hat die kanadische Staatsbürgerschaft, lebt in Monaco, aber seine zweite Heimat is Neuseeland, wo er ein luxuriöses Anwesen besitzt.

Italienischer Playboy zieht die Fäden bei ETNZ

De Nora entstammt einer der reichsten Familien Italiens und galt lange Zeit als Playboy, der das Leben in Monaco in vollen Zügen genoss. Der De Nora Clan ist im Besitz eines weltumspannenden Firmen-Geflechts mit rund 500 Kleinunternehmen, das sich im Batterie-Geschäft betätigt.

Seine Beziehung zu Neuseeland startete 1990, als er auf der Nordinsel ein großes Grundstück erwarb und sich schließlich in das Land verliebte. 2002  kaufte er die 34 Meter Segelyacht “Imagine” in Auckland, und damit begannen auch die Kontakte zu Team New Zealand-Mitgliedern, die er regelmäßig auf seine Yacht einlud.

Als 2003 der Mast des Kiwi-Cuppers im Final-Match gegen Alinghi brach sei auch sein Herz gebrochen. Seitdem hat er sich immer tiefer in die Kampagnen involvieren lassen, erreichte zweimal mit Neuseeland das America’s Cup Finale, und nun beim dritten Mal folgte der große Erfolg.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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