America’s Cup World Series Newport: Russell Coutts siegt im AC45 Match Race

Coutts hängt sich rein

Russell Coutts (50) muss niemandem mehr etwas beweisen. Er war ISAF Jugend-Weltmeister, Finn-Olympiasieger, Admiral’s Cup Sieger (“Pinta”), dreifacher Match Race Weltmeister, vierfacher America’s Cup Sieger und als CEO des übermächtigen Verteidigers Oracle Racing wird ihm vermutlich auch der fünfte Cup-Sieg nicht zu nehmen sein.

Russell Coutts biss mächtig auf die Zähne und muss sich beim Hängegurt-Einsatz an alte Finn-Dinghy-Zeiten erinnert haben. © Gilles Martin-Raget

Der Mann gilt als bestbezahlter Segelprofi aller Zeiten, könnte sich zurücklehnen und im Geldspeicher plantschen. Stattdessen setzt er sich immer noch dem Wettkampf aus und dem Risiko, dass sein Denkmal bröckelt.

Erst bestieg er einen der ersten AC45 Katamarane mit Flügelrigg, gab aber nach einigen schmerzhaften Niederlagen das Steuer an Tornado Champ Darren Bundock ab. Der konnte allerdings bisher nicht überzeugen, wie erhofft und wechselte in Newport wieder ins Coach-Boot.

Coutts war schon in Venedig wieder als Taktiker an Bord gegangen und sah sich offenbar gezwungen, in Newport noch einmal richtig Flagge zu zeigen. An der ehrwürdigen Stätte des America’s Cup übernahm er wieder die Pinne und holte sich den alten Weggefährte Simon Daubney (52) an die Seite.

Der neuseeländische Alinghi-Veteran, der wegen eines positiven Kokain-Tests beim America’s Cup 2007 erst zwei Jahre von der ISAF gesperrt aber schließlich rehabilitiert worden war, hat schon fünfmal den AC gewonnen.

Eigentlich gelten die Herren über 50 als zu alt für die physisch anspruchsvollen AC45 Katamarane. Aber in Newport zeigte der Oracle Racing CEO, dass er doch noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Er gewann überraschend die Match Race Serie und besiegte im einzigen Finalrennen seinen Angestellten James Spithill.

Auch beim abschließenden doppelt zählenden Fleetrace zeigte der Altmeister, dass er es mit zwei Rümpfen kann und raste auf Rang zwei. Er musste nur Chris Draper vom Luna Rossa Piranha Team den Vortritt lassen, der auch die Gesamtwertung im Newport Fleetrace gewann.

Dass Spithill die Saison Gesamtwertung gewann, ist maximal eine Fußnote wert, da eigentlich nur das Team New Zealand und Artemis aller Rennen ernsthaft segelten. Aber den Amerikanern in Newport hat es gefallen. Nur mit Erfolgen kann man beim US-Publikum landen, das längst vom Segeln entwöhnt ist.

Ob das Interesse bis nach San Francisco reicht, wo mitten in der Saison vom 21. bis 26. August die neue Saison beginnt, bleibt abzuwarten. Da die AC45 Serie nur für die Ehre zählt, geht es vorerst eben nur um dieselbe.

In San Francisco soll dann auch Ben Ainslie das Feld aufstocken, das in Newport erstmals um das chinesische Team dezimiert war. Der lange erwartete Ausstieg der Asiaten erfolgte sang- und klanglos, und bisher unkommentiert von den Organisatoren.

Eventseite

Ergebnisse

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

Ein Kommentar „America’s Cup World Series Newport: Russell Coutts siegt im AC45 Match Race“

  1. avatar AC90 sagt:

    Wie sollen sie denn auch den China-Ausstieg kommenrieren. Negatives dürfen sie nicht sagen, positives gibts nicht zu sagen, also sagen sie gar nichts.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 2

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *