America’s Cup: Zwei Siege für Burling – Oracle segelt bei Leichwind gnadenlos hinterher

Erschreckend schwach

Der erste Renntag beim 35. America’s Cup in Bermuda hat Neuseeland mit 1:0 in Führung gebracht. Die beiden souveränen Siege waren aber durchaus in Gefahr.

Die knappste Situation in den ersten zwei Rennen. Oracle versucht mit einem “Hook” das Überholmanöver einzuleiten © ACEA 2017 / Photo Ricardo Pinto

Es ist ein kurzer Moment der Schwäche. Peter Burling erwischt die letzte Kreuz so unglaublich schlecht, dass gut 300 Meter Vorsprung verloren gehen. Kann es sein, dass der junge Kiwi mit seinem Gegner spielt? Man mag schon glauben, dass er ihn vorführen und demütigen möchte. Mal kurz Herrn Spithill am Heck schnüffeln und Hoffnung aufkeimen lassen, um dann die Niederlage noch brutaler zu machen.

Aber so ist es nicht. Beim Segeln kann man sich solche Spielchen nicht leisten. Diese letzten Winddreher kurz vor dem Luvtonne hat Peter Burling völlig falsch erkannt. Und es fehlten schließlich nur Zentimeter, sonst wäre das Oracle Team vorbei gesegelt.

In der Vorrunde ist es so passiert. Da ließ sich der 26-jährige Kiwi-Steuermann von dem US-Boot an ähnlicher Stelle nahe dem Luvtor nach einem überhasteten Manöver überholen. Diesmal geht alles gut.

Keine perfekte Wende

Dabei kann man nicht sagen, dass die Wende in den Weg von Oracle perfekt platziert ist. Schließlich verpasst Spithill die Überlappung, den “Hook” in Lee kurz vor der Tonne nur um Zentimeter. Aber danach sieht der Cup-Verteidiger so unglaublich schlecht aus, dass man Mitleid haben muss.

Neuseeland halst, Spithill will jetzt im direkten Zweikampf-Modus angreifen und kopiert das Manöver. Dann folgt die brutale Ernüchterung. Das Schiff klatscht ins Wasser, und bis der das schwarzweiße Katamaran wieder einigermaßen in Fahrt kommt, sind die Neuseeländer 300 Meter voraus gerast.

Spithill sagt später, bei der Halse sei die Strömung am Ruder abgerissen. Aber warum passiert so etwas in der wichtigsten Situation des Tages? Dieses Manöver könnte am Ende der Rennserie als Symbol für die Unterlegenheit der Amerikaner gewertet werden. Sie haben an diesem ersten Tag des America’s Cup einfach keine Chance. Es ist genau das passiert, was alle vermutet haben. Bei leichtem Wind ist Oracle gnadenlos unterlegen.

Zwei Knoten Speed fehlten

Im zweiten Rennen fehlten im Durchschnitt zwei Knoten Geschwindigkeit, im ersten Rennen war es immer noch einer.

Dieses Defizit war erwartet worden. Unerwartet verliefen dagegen die Startphasen. Im ersten Lauf ist Spithill deutlich zu früh an der Linie und er startet ohne Druck vom Gegner sogar zu früh. Ein Software-Fehler sei dafür zuständig gewesen, sagt er später.

Spithill hat eigentlich eine starke Position für den Start in Lee…

…aber die Beschleunigung funktioniert nicht…

…Burling rutscht schnell in Luv drüber und zieht davon.

Im zweiten Rennen hat Spithill eine starke Lee-Position aufgebaut, beschleunigt aber zu schlecht. An der ersten Tonne liegen wieder die Neuseeländer vorne. Danach reicht einfach die Leistungsfähigkeit des US-Katamarans nicht aus, um die Kiwis zu ärgern.

Das müssen sie schon selber tun. Im ersten Lauf versemmeln sie selber eine Halse kurz vor dem Ziel und bringen den Gegner noch einmal zurück ins Rennen. Im zweiten Rennen ist es die besagte letzte Phase der Kreuz, wo Burling die Winddreher völlig aus dem Rythmus gerät. Extreme Winddrehungen auf dem Kurs ermöglichen das Comeback der Amerikaner.

Daraus mögen sie Hoffnung schöpfen, aber eigentlich bringt dieser Tag erschreckend wenig, was Oracle Fans positiv stimmen könnte.

Burling immer souveräner

So ist auch die Stimmung bei der Pressekonferenz. Peter Burling wirkt immer souveräner. Je öfter er dem Druck durch starke Ergebnisse entgegen wirkt, umso selbstsicherer wird er. Mit offenen wachen Augen stellt er sich den bohrenden Fragen, parliert freundschaftlich mit seinem Gegner, der erstaunlich defensiv wirkt. Es scheint, als habe sich Spithill schon damit abgefunden, dass er zumindest bei leichtem Wind chancenlos ist.

Es steht nun 1:0 für Neuseeland, denn die Kiwis sind mit einem Minuspunkt in die Duellserie gestartet, da Oracle für den Sieg bei der Qualifier-Serie belohnt wird.  Spithill muss nun zumindest beim Start einmal zaubern, um seinen schnelleren Gegner zu entzaubern.

Kommt es doch noch einmal so weit, dass Spithill das Codewort “Oklahoma” sagt? Unter den Teams wird gewitzelt, dass das die Aufforderung an seine Crew sei, den Kiwi-Kat auf die Hörner zu nehmen. Schließlich gibt es kein Ersatzboot. Das kann nur ein Spaß sein. Oder doch nicht?

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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