America’s Cup World Series Cascais: So funktioniert das “neue” Match Race

Wie eine Truppe Anfänger

Wie früher. Am Start abgestellt. Team New Zealand luvt Artemis in den Wind und segelt dann alleine los.

In Cascais finden laufen die ersten Match Races und man kann sich immer besser ein Urteil bilden, ob die Runderneuerung des America’s Cups Segen oder Fluch ist. Beim Duell Finale am Donnerstag trafen die nach drei Fleetraces führenden Teams aufeinander, Emirates Team New Zealand und Artemis.

Das zweite Match bestritten die beiden Oracle Teams von James Spithill und Russell Coutts als dritte und vierte des Fleetraces. Im dritten Match trafen Korea und das französische Energy Team von Loick Peyron aufeinander.

Alle drei Sieger gewannen jeweils mit großem Abstand. Die Franzosen verloren nach einer verpatzten Halse gegen Korea um gut eine Minute, Coutts verlor nach einem Frühstart und Artemis wurde von den Neuseeland schon in der Startbox chancenlos abgestellt.

Bei diesem Rennen zeigte sich, wie das “neue” Match Race funktioniert. Die Elemente aus dem traditionellen Duell, bei dem man gegen den Wind startet, waren bei dieser Auflage sehr präsent, auch wenn sie eliminiert werden sollten.

Das Eintauchen in die Startbox zum Beispiel erfolgt extra über eine schiefe Linie, damit das von der linken Seite kommende Boot – in diesem Fall Artemis – vor dem Bug des Wegerecht-Bootes passieren kann.

Aber Artemis war spät dran und die Neuseeländer segelten schnell, so dass es dennoch zu dem klassieschen Dial Up kam. Artemis musste mit einer Wende ausweichen.

Das ist prinzipiell beim Match Race nicht schlimm. Beim vergangenen Cup hatten die Teams fünf Minuten Zeit, um sich aus der misslichen Lage zu befreien. Aber nun ist die Zeit auf zwei Minuten verkürzt.

Die Kiwis mussten sich kaum noch um den Gegner kümmern. Sie drehten ab, segelten nach Lee und platzierten sich genau auf der Anliegelinie zum Startschiff. Als Artemis in Luv vorbeisegeln wollte, zogen sie an, überlappten in Lee und luvten den Gegner in den Wind.

Als Terry Hutchinson wieder in Fahrt kam, war sein Gegenüber Dean Barker mehr als 160 Meter weg. Das schwedische Team sah aus wie eine Truppe Anfänger. Das Rennen war gelaufen.

Bis jetzt wird deutlich, dass die Matches nicht mehr oder weniger spannend sind als zuvor. Problematisch sind die großen Abstände, die schnell zustande kommen. Diese sind zwar mit den schnellen Katamaranen auch schnell zu reduzieren, aber die Begrenzungslinien lassen einen geringeren taktischen Spielraum und kaum große Querabstände zu, durch die ein zurückliegendes Team profitieren könnte.

Der Betrachter muss sich nach wie vor auf diese Rennen einlassen. Bei stärkerem Wind werden die Bilder sicher dramatischer. Gerade die Onboard-Aufnahmen sind noch kaum in die Zusammenfassungen eingearbeitet worden.

Mit der Liveberichterstattung – soll ab heute 14:10 Uhr auch für Deutschland funktionieren – und dem Virtual Eye hat der Zuschauer einen guten Zugriff auf die Rennen. Aber Katamarane hätte man dafür nicht benötigt. Und der Vorteil eines Raumschots-Startes wurde bisher auch nicht deutlich.

 

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Carsten Kemmling

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14 Kommentare zu „America’s Cup World Series Cascais: So funktioniert das “neue” Match Race“

  1. avatar Night Engineer sagt:

    Gut Kommentiert.

    Sag wisst Ihr was die Maßeinheit KPH sein soll???? ;-))
    Knoten Per Stunde? Wäre ja doppelt gemoppelt.
    Kilometer per Stunde (die Amis tun sich ja schon immer schwer mit dem metrischen System, und verstehen mal wieder nicht das die Maßeinheit Meter ist und Kilo nur eine 10er Potenz repräsentiert).
    Oder einfach nur der Gewichtsverlust der Besazuung per Stunde (wobei die Maßeinheit dann Gramm wäre und nicht Kilo)… ;-))

    Tsss…..

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    • avatar Philipp sagt:

      KPH ist eine, zumindest in den US of A, gelaeufige Abkuerzung km/h.
      Gerade als Segelsportler sollte man aber in Sachen merkwuerdige Nomenklatur und komische Einheiten den Ball flach halten. Ist ja nicht so, dass wir uns immer modern und in SI-Einheiten ausdruecken 😉

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  2. avatar bowman sagt:

    Der Start allein macht’s nicht. Katamaran oder Mono – wenn man sich wie Artemis 2 Penalties einfängt – gibt’s bei so kurzen Rennen einfach nichts zu holen. Da ist der Abstand im Ziel so gar noch akzeptabel.

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    • avatar stefan sagt:

      “kurze Rennen”?

      …nun, dann schau dir mal Spithill vs. Barker in gesamter Länge an. Von kurzen Rennen kann man bei dem Format wahrlich nicht reden. In dem Rennen gibt es mehrfache Führungswechsel und der letzte downwind brachte dann die Entscheidung.

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      • avatar bowman sagt:

        Sorry, ich versteh’ den Punkt nicht.

        Um 2x ca.100m penalty aufzuholen, ist das Rennen zu kurz, wenn der Führende keine Fehler macht.

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  3. avatar Friedrich sagt:

    Ich konnte es erst nicht glauben, wie genial das ist. Ihr mit Euren 100 m. Natürlich holt man die nicht mehr, aber Fehler machen ist viel evidenter, viel sichtbarer und Fehler machen sie alle, weil es hammerschwierig, superschnell, sehr athletisch und echt geil ist. Hutchi gegen Coutts, bestes Beispiel: Russel versemmelt den Dial Up, klarer Gedanke, Hutchi is wech, auf und davon. Und dann bekommen die Probleme mit ihrem zu großen Genni und wech ist Coutts. Und das alles in wenigen Minuten. Ich finde es ist grandios!

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 4

    • avatar bowman sagt:

      Das waren doch gerade Fehler, die bei Artemis zu den penalties geführt haben. Erst zu spät eingetaucht und dann bei der Wende die Grenze überfahren. Ich sage nicht, dass die Rennen zu kurz sind. Sie sind wie sie sind, und so wie sie sind, ist der vorne, der weniger Fehler macht – und das ist genau richtig so. Das bringt Spannung, wie wir sie haben wollen; ein Fehler, und der andere ist wieder dran.

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    • avatar Liese sagt:

      Wow- Streaming in Deutschland klappt tatsächlich- Well done!

      Also ich fand im Rennen den Werbe-Schleppverband am unterhaltsamsten 🙂 das nennt man wohl astreines blocken …

      Die mediale Aufbereitung wird hoffentlich noch etwas perfektioniert… viel zu viel Chaos auf dem Wasser – wie soll nen Laie da wissen, wo es jetzt lang geht…
      Bei den Geschwindigkeiten bleibt zudem an Bahnmarken kaum Gelegenheit das Wegerecht zu beschreiben bzw. Manöver zu erklären.

      Die werden sich sicher noch etwas einfallen lassen….
      Noch schlägt mein Pendel zum MedCup aus…

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      • avatar Marc sagt:

        Ja das mit der fahrende Werbebande ist schon ne lustige Sache hihi. Hab mich schon die ganzen Tage gefragt wann die mal im Weg sein wird

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  4. avatar Enno sagt:

    Echt unerwartet, dass das der Stream heute tatsächlich auch bei uns in Deutschland zu empfangen war!

    Um so größer war meine Enttäuschung, dass der “neue” youtube Player die “video”-rate selber festlegt und man keinen Einfluss mehr darauf hatte. Währen ich über den Proxy gut mit einer Einstellung von 360p klar gekommen bin, entsprach die Qualität der Bilder heute deutlich weniger als 240p (keine Ahnung was die Einheit “p” da ist). [Dieses Problem liegt eindeutig am neuen Player … denn auch über den Proxy waren die Bilder nicht besser]

    Dafür konnte man heute neben dem gesamt Bild & Kommentar gleichzeitig noch (sofern genügend Monitor bereit steht) die Live stream A & B von dem Booten anschauen. Zusammen mit dem “Virtual Eye” fand ich das Geschehen dann eigentlich auch überhaupt nicht chaotisch.

    Wenn die Bildqualität des Streams / der Videorate in Zukunft noch besser wird, glaube ich doch das die Übertragungen ganz sehenswert werden.

    Grundsätzlich gebe ich denen recht, die sagen, dass einige von den Matchraces nicht wirklich spannend waren. Aber mit zwei Penalties auf einer Seite war das auch früher schon so.

    Aber: Das Matchrace heute zwischen Spithill und ETNZ war dafür um so spannender. Und ich frage mich, ob das Überholmanöver an der 3ten Marke (wo ETNZ Spithill mit Überfahrt außen bei der Halse überholt) auch so mit Monohulls möglich gewesen wäre.

    Alles in allem würde ich erst mal sagen ist es sportlich insgesamt nicht schlechter geworden als im alten AC5 Format.

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    • avatar Liese sagt:

      Zum einen habe ich keine Zeit und Lust und genug Monitore um permanent verschiedene Kameraperspektiven abzurufen. Da sollte der Hauptstream schon mit etwas Regie versuchen das Renngeschehen rüber zubringen – wie imo im MedCup z Zt…vielleicht wird das ja noch.

      Zum anderen sind das im Grossteil jawohl zZt doch alles ziemliche Kat-Greenhorns, oder nicht? Jedenfalls im Verhältnis Ihrer Erfahrung auf Monohulls. Wenn die erstmal genug trainiert haben – und das werden sie als Vollprofis voraussichtlich, dann werden wohl deutlich weniger Fehler im Bootshandling geschehen und DANN werden wir mal sehen, wieviel Überholmanöver da so stattfinden…

      Für mich noch völlig offen, wie sich das entwickelt….

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  5. avatar Ein Fan sagt:

    also ich finds super spannend. hut ab auch vor der sportlichen leistung der segler, die die kiste rocken müssen..

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