Atlantik-Rennen: “Haspa Hamburg” startet in Kapstadt- U-30-Junioren bei Cape2Rio

Vom Tafelberg zum Zuckerhut

Die „Haspa Hamburg“ des Hamburgischen Verein Seefahrt (HVS) nimmt als einzige deutsche Yacht an dem Atlantikrennen von Kapstadt nach Rio de Janeiro teil. Start für das 3.800 Seemeilen lange Rennen ist am 11. Januar

Skipper Torben Mühlbach (ganz rechts) und seine elfköpfige Crew trainierten vor dem Start des Rennens in der Bucht von Kapstadt ©Alec Smith

Mehr ansteckende gute Laune ist vor dem Start einer Langstreckenregatta kaum möglich. Rund 24 Stunden vor dem Startschuss in der Bucht von Kapstadt veröffentlicht die Crew der „Haspa Hamburg“ ein im Stil der Löwenzahn-Erklärfilme gedrehtes Video, das zeigt, wie in Akkordarbeit vier warme Hauptmahlzeiten für die ersten Tage auf See vorgekocht werden:

Auf dem Speiseplan stehen Gulasch, Ratatouille, ein thailändisches Currygericht und der Klassiker der guten Küche für viele Personen: Spaghetti Bolognese. Danach gibt es für die elf Segler und Skipper Torben Mühlbach auf dem rund 3.800 Seemeilen langen Trip vom südafrikanischen Kapstadt nach Rio des Janeiro nur noch gefriergetrocknete Fertiggerichte aus der Tüte, zwischendurch, als Highlight der atlantischen Kulinarik, Spaghetti mit Pesto.

„Wir können die letzten Stunden vor dem Start wirklich entspannt angehen, an Bord gibt es keine ‚last minute‘ Baustellen, alles ist fertig“, sagt Skipper Torben Mühlbach (33), Ingenieur an der Technischen Universität in Hamburg-Harburg. „Nach dem Frühstück gehen wir an Bord, dann folgt die Segnung der Flotte mit einer Ehrenrunde aller teilnehmenden Schiffe vor der Waterfront, danach geht es raus zur Startlinie. Nach dem Start führt der Kurs in einem Bogen durch die Bucht von Kapstadt, der nächste Wegepunkt ist dann schon Rio de Janeiro.“

Die Hamburger Segler an Bord der knallroten, 2009 gebauten J/V 52 „Haspa Hamburg“ haben sich über Monate auf die Atlantikregatta vorbereitet. Vor allem die aufwändige Logistik, das Schiff als Decksfracht von Deutschland bis nach Südafrika zu transportieren, nahm viel Zeit in Anspruch.

„Die Verschiffung und Zollabfertigung eines Schiffes, das auf einem Frachter das Land verlässt und auf eigenem Kiel zurückkehrt, ist kompliziert“, sagt Skipper Torben Mühlbach (33). „Deshalb mussten wir vor allem bei der Ausrüstung Kompromisse eingehen. Für die Regatta hätten wir das Schiff gerne so leicht wir möglich gehabt und nur die neuesten Segel und sonst wenig Gepäck dabei. Aber die nachfolgenden Crews segeln Touren, bei denen man mit leichtem Ankergeschirr und ohne Dinghi keinen Spaß hat. Wir haben schon schlechte Erfahrungen mit dem Zoll in Brasilien gemacht, weshalb wir alles an Bord haben, was das nächste halbe Jahr gebraucht wird.“

Haspa Hamburg im Hafen von Kapstadt

Die “Haspa Hamburg” des HVS nimmt als einzige deutsche Yacht an der diesjährigen Auflage des Cape2Rio Race teil ©Alec Smith

Um dennoch so wenig wie nötig unnötiges Gepäck an Bord zu haben, wurde die Menge an persönlichen Gegenständen für jeden Segler stark begrenzt. Außer Ölzeug nimmt jeder nur zwei Stoffbeutel von zusammen maximal fünf Kilogramm mit, das gesamte übrige Gepäck, das die Segler in den letzten Tagen und Wochen in Südafrika für Trainingsschläge und ausgedehnte Ausflüge in das Land brauchten, reist mit einem Vereinsmitglied im Flugzeug zurück nach Hamburg.

Bis zu 18 Tage planen die zwölf Segler, von denen alle bis auf „Senior“ Sebastian Ropohl (54) zwischen 23 und 33 Jahre alt sind, für die Strecke über den Atlantik von Ost nach West ein. „Anfangs wird es noch kühle Nächte geben, die Routings versprechen aktuell moderate achterliche Winde“, sagt Torben Mühlbach, der auch Leiter der Segelgruppe Störtebeker, der Gruppe der aktiven Segler innerhalb des HVS, ist.

„Tagsüber wird die Sonne eine große Belastung sein, wir haben literweise Sonnencreme dabei. Wir freuen uns auf das Rennen mit dem großen Downwindanteil und haben uns vorgenommen, ambitioniert zu segeln, jeden Winddreher mitzunehmen und keine Halse auszulassen. Beim Training vor Kapstadt haben wir bisher viele Mondfische, Robben und Pinguine gesehen, vielleicht erwartet uns draußen ja auch die eine oder andere Überraschung.“

Mit der „Haspa Hamburg“ nimmt bereits zum vierten Mal ein Schiff des HVS an diesem Transatlantikklassiker der Südhalbkugel teil. In Rio angekommen wird das Schiff von einer neuen Crew übernommen, die dann Touren segelt, bevor das Schiff in der Karibik an der Antigua Sailing Week teilnimmt und dann über die Azoren zurück nach Europa gesegelt wird.

Training vor dem Tafelberg. ©Alec Smith

24 Schiffe haben für die Regatta, die auch den Auftakt zu den Jubiläumsfeierlichkeiten des 100. Geburtstag des Iate Clube do Rio de Janeiro markiert, gemeldet, gestartet wird in zwei Gruppen. Die dreizehn kleineren Boote der Flotte, Cruiser und Schiffe mit einem niedrigen Handicap, sind bereits seit 2. Januar unterwegs und haben die Möglichkeit, einen bis zu 48-stündigen Stopp auf St. Helena einzulegen. Die übrigen elf Yachten gegen zusammen mit der „Haspa Hamburg“ über die Startlinie in der Bucht von Kapstadt.

Mit dem Trimaran “Maserati Multi 70” plant Profi Giovanni Soldini seinen eigenen Streckenrekord von 2014 zu unterbieten © Maserati

Die beiden mit Abstand größten Schiffe der Flotte sind die „Maserati Multi 70“ mit Skipper Giovanni Soldini und „LoveWater“, ein 80-Fuß Trimaran, der von Craig Sutherland geskippert wird. Beide Schiffe gelten als direkte Rivalen um den begehrten Line Honours Titel bei der 16. Auflage des Transatlantikrennens.  Für Soldini gilt es darüber hinaus, seinen 2014 mit der Monohullyacht „Maserati VOR70“ aufgestellten Streckenrekord von 10 Tagen, 11 Stunden, 29 Minuten und 57 Sekunden zu unterbieten.

Alle Informationen zum Rennen und den aktuellen Tracker gibt es hier

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