Australien-Feuer: Olympia-Segler in Melbourne – Deutsche Seglerinnen bei WM-Generalprobe

"Wir waren schockiert"

Mit Bestürzung blickt die Welt nach Australien, wo die Buschfeuer so heftig lodern wie noch nie. Zurzeit versuchen sich die deutschen Laser-Seglerinnen vor Ort bei schwierigen Bedingungen in Form zu bringen.

Anfang Februar rückt für die besten Laser-, 49er und Nacra17-Segler Melbourne in den Mittelpunkt, wo sie bei den Weltmeisterschaften das Olympia-Jahr 2020 einläuten. Viele Athleten segeln dann die vielleicht wichtigste Regatta ihrer Karriere, denn vielfach werden Vorentscheidungen bei der Olympia-Qualifikation fallen.

Der Australier Luke Elliott bei schlechter Sicht auf dem WM-Revier. © Jon West Photography

Dafür gilt es, sich jeweils maximal auf die sportliche Herausforderung zu fokussieren, und störende externe Faktoren auszublenden. Aber schon jetzt ist klar, dass es diesmal sehr schwer sein dürfte. Denn immer wieder ziehen  Qualm-Wolken über das Segelrevier.

In Sydney mussten wegen der Brände schon Regatten aus Sicherheitsgründen abgesagt werden, inzwischen wird die Lage auch in Melbourne immer bedrohlicher. Die österreichische 49erFX-Vize-Weltmeisterin Tanja Frank ist gerade mit ihrer Vorschoterin Lorena Abicht in Australien eingetroffen und hat das Schiff aus dem Container geladen. Sie berichtet:

“Die Situation mit den Bränden und dem Rauch im ganzen Land ist absolut real. Wir waren schockiert, als wir auf dem Flughafen von Melbourne landeten! Wir werden in diesen Tagen respektvoll in australischen Gewässern segeln und die Daumen drücken für dieses Land.”

Qualm auf dem Kurs

Wie sehr die Feuer in den vergangenen Tagen das Segelrevier in der Port Phillips Bay vor Melbourne beeinflussen, haben die Lasersegler festgestellt. Ein Großteil der internationalen Spitze nutzte in den vergangenen Tagen die australische Meisterschaft für die Vorbereitung auf WM-Revier.

Melbourne aus der Luft. Rauch liegt über der Stadt.

Dabei hatten sie insbesondere am vierten Regattatag mit Qualm über dem Kurs zu kämpfen. Der war nach Aussagen von Radial-Seglerinnen im Feld der 63 Gold-Group-Qualifikanten auch mit dafür verantwortlich, dass im einzigen Rennen des Tages gleich 21 Boote wegen Frühstarts disqualifiziert wurden.

Der Rauch sei immer dichter geworden, und der Wind habe in Richtung und Stärke enorm geschwankt. Das Pin End wurde mehrfach verlegt, um auf 30 Grad-Drehungen zu reagieren, aber die Seglerinnen konnten teilweise das Ende der Linie nicht mehr sehen. Auch auf der Bahn seien die extremen Winddrehung im Dunst nicht erkennbar gewesen.

Vorübergehende Entschärfung

Am vorletzten Renntag verbesserten sich die Bedingungen analog zu den Aussagen der Feuerwehren, die im Südosten des Landes gegen die Brände kämpfen. Etwas Regen und kühlere Temperaturen entschärften die Situation. Aber spätestens ab Freitag soll es wieder heißer und windiger werden. Der australische Premierminister Scott Morrison geht davon aus, das die Feuer noch über Monate brennen werden.

Angesichts der Katastrophen-Stimmung im Land treten die Belange der Segler in den Hintergrund. Aber sie müssen sich dennoch auf die Situation einstellen. Die aufsteigende heiße Luft und die Rauchentwicklung schafft längst eigene Wettersysteme.

Brauner Schnee auf den Gletschern in Neuseeland. © Twitter/ @Rachelhatesit

Die Rauchwolken wehen bis nach Neuseeland wo die absinkenden Partikel den Gletscher-Schnee teilweise braun verfärben. Experten befürchten, dass sich dadurch die Schmelze in dieser Saison um 30 Prozent verstärkt.

 

Heißer Weg Richtung Olympia

Die extreme Hitze in Australien, durch die das Feuer begünstigt wird, hatte Mitte Dezember schon die Finn Dinghy-Segler bei ihrer WM vor Melbourne stark belastet. Die Rennen wurden teilweise bei 44 Grad Celsius absolviert.

Aber diese Bedingungen werden auch bei den Olympischen Spielen in Japan erwartet. Auch deshalb müssen sich die Segler damit arrangieren. Der Weg für bis dahin ist für die meisten deutschen Segler allerdings noch weit. Besonders die Laser Radial Frauen haben noch eine lange Qualifikation vor sich, die mit der WM in Melbourne beginnt.

Svenja Weger hat Deutschland zwar schon ein Ticket gesichert, das heißt bei den Einhand-Seglerinnern aber noch wenig. Schließlich stellt diese Klasse in Japan mit Abstand die größte Flotte – 44 Boote. Für die deutschen Frauen ist deshalb insbesondere das DOSB-Kriterium wichtig. Das erfordert, nach der Gesamtwertung von drei Regattaserien unter den ersten zehn Nationen zu liegen und Platzierungen unter den Top 20 (mindestens 9 Punkte).

Nerven-Krimi für Laser-Seglerinnen

Die Qualifikation beginnt mit der WM, und mit den aktuellen Plätzen 25,26,32 für Weger, Kuhlmann und Büsselberg bei der Generalprobe bewegen sich die DSV-Seglerinnen im Bereich der Vorgabe. Es fehlen allerdings noch einige internationale Spitzenseglerinnen. Am Ende dürfte der Kampf um die Olympia-Fahrkarte wieder ein Nerven-Krimi werden. Die bisher beste Deutsche Svenja Weger hat ihn jeweils bei den vergangenen beiden Versuchen verloren. Diesmal wäre sie dran.

Philipp Buhl ist auf dem Weg Richtung Olympia schon weiter. Die WM zählt für ihn als letzte von drei Olympiaqualifikationen, und er liegt trotz einer Saison, die ihn von der Weltranglisten-Spitze auf Platz 15 zurückfallen ließ, nach den zwei Quali-Regatten in Japan im Soll. Bei der WM will er wieder zeigen, dass er nach wie vor zu den besten Seglern der Welt gehört und um die Medaillen kämpfen kann.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Australien-Feuer: Olympia-Segler in Melbourne – Deutsche Seglerinnen bei WM-Generalprobe“

  1. avatar Laser-Fan sagt:

    DOSB und DSV haben die Nominierungskriterien festgelegt, für die Segler wird mal wieder eine “Endkampfchance” also in der Ausscheidung unter den 10 besten Nationen, obwohl schon ein Nationenstartplatz gesichert ist, der eventuell, wie bereits 2012 geschehen, bei nicht Erfüllen seitens der Athleten zurückgegeben wird und niemand geschickt wird 🙁
    Komisch, wie es in anderen Sportarten gehändelt wird: bei den Ruderern qualifiziert sich ein Boot für den Deutschen Ruderverband und dieses Boot wird auch geschickt, allerdings müssen sich die Ruderer, die dann darin rudern werden erst noch national für den platz im Boot qualifizieren.
    Ich will auch niemanden zu nahe treten, aber wann hatte ein Deutscher 100m-Sprinter zuletzt eine “Endkampfchance” bei den Olympischen Spielen? Ich kann mich nicht erinnern, aber es starten immer wieder deutsche Athleten in den Vorläufen! Und es ist auch richtig so!! Nur sollten dann auch der beste Segler/-in der nationalen Ausscheidung nominiert und zu den Olympischen Spielen geschickt werden, wenn doch schon ein nationenplatz in der Disziplin gesichert wurde.
    Die Sportler/-innen opfern viel für den Leistungssport und müssen dann sehen, das andere Nationen Segler/-innen zu den Olympischen Spielen senden, die in den Jahren bei internationalen Regatten immer wieder hinter den deutschen Seglern/-innen platziert sind/waren.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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