Barcelona World Race: Boris Herrmann ist “ratlos”. “Estrella” nur noch 14 Meilen zurück

"Segel flicken in der Kirche"

Miese Laune bei "Hugo Boss" Skipper Wouter Verbraak als er noch segeln durfte. Fast alle Segel sind kaputt. © FNOB

Während Boris Herrmann und Ryan Breymaier sich nicht gegen das anstehende Überholmanöver von „Estrella Damm“ wehren können und nur noch 14 Meilen vor den Spaniern liegen holen sie aber wie erwartet auf die geparkte „Renault“ auf. So wie auch „Mapfre“ an der Spitze auf „Virbac“ (183 Meilen).

Boris Herrmann schreibt dazu in seinem NDR-Blog:

„Nach zwei Verschnauf-Tagen in phantastischen Bedingungen steht uns nun wieder eine Prüfung bevor, eine große Zone leichter, schwer vorhersagbarer und unsteter Winde. Während wir hier unter subtropischer Sonne gebraten werden, ackern wir in solchen Bedingungen mit den größten, also auch schwersten Segeln, dem großen Spinnaker und Gennaker, zwischen denen wir Donnerstag schon zweimal gewechselt haben, was jedes Mal etwa eine Stunde harte Arbeit bedeutete.

Situation am 18.3. "Estrella Damm" (orange) hat "Neutrogena" fast überholt. Aber beide Teams laufen auf "Renault" auf. Auch "Mapfre" liegt auf Platz zwei nur noch 180 Meilen hinter "Virbac". Geht da noch was?

Langsame Geschwindigkeiten und das Vorbeiziehen von ‚Estrella Damm‘ zerren an den Nerven. Aber wir sind gut vorbereitet. Wir haben das ja kommen sehen und uns in den vergangenen zwei Tagen entspannt und etwas erholt.

Die Nächte sind wunderschön mit funkelnden Sternen. Es ist angenehm warm. Der Mond leuchtet wie selten, so dass man schon an Sonnencreme (Mondcreme) denkt. Unterbrochen wurde unsere ereignislos-harmonische Fahrt am Vortag durch eine Patenthalse, verursacht von einer großen Welle. Es ist nichts kaputt gegangen, auch wenn es dramatische Minuten waren, bis wir das auf 85 Grad auf die Seite gekenterte Schiff wieder auf Kurs hatten.

Dennoch tritt das Thema Bruch und Sicherheit allmählich in den Hintergrund, ich hoffe und denke ein für alle Mal, denn in den vor uns liegenden gemäßigten Breiten gibt es selten starke Tiefdruckgebiete. Das letzte Stück bis Gibraltar könnte noch mal windig werden, aber das ist ja noch etwas hin.

Auf "Renault" zieht man sich warm an, da die Konkurrenz wieder einmal von hinten aufholt. © FNOB

Was unsere Geschwindigkeitseinbuße zu ‚Estrella‘ angeht sind wir etwas ratlos. Sie müssen in den zurückliegenden Stunden im Westen besseren Wind gehabt haben. Außerdem ist ein Teil des Geschwindigkeitsverlustes auf unseren nicht ganz ausgeschwenkten Kiel zurückzuführen, und letztlich sind leider die neueren Konstruktionen ‚Renault‘ und ‚Estrella‘ in diesen Bedingungen schneller als die ‚Neutrogena‘. Sie haben ein effizienteres, länger gezogenes Unterwasserschiff und sind etwas leichter.

Also dürfen wir uns nicht aufregen oder frustrieren. Wir geben weiter alles, und abgerechnet wird wie immer im Ziel, das ja noch fast 20 Tage entfernt ist.“

Den „Renault“-Freunden scheinen die verlorenen Meilen derweil übel auf die Nerven zu gehen. Jedenfalls zeigt das Video, dass sie langsam bedenkliche Verhaltensweisen aufweisen. Die lange Zeit auf dem Wasser hinterlässt eben ihre Spuren.

Blinder Passagier auf "Renault". Der Piepmatz legt eine Ruhepause ein. Es ist nicht bekannt, ob die Spanier die mögliche Abwechslung zum Tüten-Essen genutzt haben. © FNOB

Viel Arbeit haben zurzeit Wouter Verbraak und Andy Meiklejohn in Port Stanley auf den Falkland-Inseln. Das Problem mit der Mastschiene war marginal angesichts der Schäden an der Segelgarderobe „Wir müssen fast alle Segel reparieren. Es ist ein Fabrikationsfehler“, sagt der Holländer Verbraak. Das Verhältnis zu Segelmacher Doyle dürfte etwas angespannt sein.

Es seien Löcher im Segel und große Flächen delaminiert. „Wir werden wenigsten drei bis vier Tage raparieren müssen.“ Erst Donnerstag ist Shore Manager Ross Daniel mit dem nötigen Kleber und weiteren Reparatur-Materialien eingetroffen.

Die Einheimischen haben auch schon bei der Beschaffung einer geeigneten Halle geholfen. „Wir werden vermutlich die Kirche als Segel Loft benutzen. Nur am Sonntag müssen wir für den Gottesdienst Platz machen.“ 

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Carsten Kemmling

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