Barcelona World Race Vorschau: Das Rennen, die Strecke, die Teams

Rennen um die Welt

Zweihand, nonstop in drei Monaten auf IMOCA um die Welt: Das BWR gilt als Testrennen für die Vendée Globe – und ist doch viel mehr! Acht Teams sind gemeldet, darunter der Deutsche Jörg Riechers.

An Silvester geht’s los. Dann starten vor Barcelona um 13 Uhr acht Boote der 60 Fuß langen IMOCA-Klasse mit jeweils zwei Skippern an Bord, um mal eben die Kleinigkeit von ca. 23.000 Seemeilen rund um den Globus zu segeln. Möglichst nonstop, doch bis zu drei Reparaturhalts sind ausdrücklich erlaubt.

Drei Monate später, nachdem die Teams 12 Klimazonen durchsegelten, das Kap der Guten Hoffung (Südafrika), Kap Leeuwin (Australien) und das Kap Hoorn jeweils an Backbord liegen ließen, werden die Ersten wieder in Barcelona zurück erwartet.

Die Klasse

Die IMOCA gelten nach wie vor als die spannendste und leistungsfähigste Shorthand-Hochseeregatta-Klasse für der Welt. Die 60 Fuß langen Einrumpfer sind in vielerlei Hinsicht „State of the Art“, aber erst nach dem durchschlagenden Erfolg der letzten Vendée Globe (aufmerksamkeitsstärkstes Hochsee-Segelspektakel aller Zeiten) hat die bis dahin leicht kränkelnde Klasse wieder Aufwind erhalten.

Optisch zählen die IMOCA zum Schönsten, was die Hochseesegelei zu bieten hat © martin-raget

Optisch zählen die IMOCA zum Schönsten, was die Hochseesegelei zu bieten hat © martin-raget

Derzeit suchen die Top-Teams nach Verbesserungsmöglichkeiten um mit neuen Schwert- und Ruderkonfigurationen (Foils) den IMOCA buchstäblich neuen Auftrieb zu geben. Erste Schiffe mit neuen Systemen sind bereits „in der Mache“ – beim Barcelona World Race sind jedoch ausschließlich herkömmliche Designs am Start.

Das Rennen

Diese dritte Ausgabe des alle vier Jahre gestarteten BWR kann gerade mal halb so viele Teilnehmer vorweisen wie 2010/2011. Acht Teams werden an den Start gehen – die ganz großen Namen wie etwa die letzten Sieger Jean-Pierre Dick und Loick Peyron oder der junge Vendée Globe-Sieger Francois Gabart haben schon früh abgewunken, auch weil die überwiegend auf den französischen Markt ausgerichteten, finanziell potenten Sponsoren der Klasse ihr Geld lieber für national orientierte IMOCA-Kampagnen ausgeben.

Dennoch gilt das Barcelona World Race als eine große Herausforderung unter den Seglern, nicht zuletzt weil die psychologische Komponente innerhalb der Zweierteams eine wichtige Rolle spielt. Man sei eben auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen, ist aus den Reihen der Teilnehmer zu vernehmen. Wenn dann untereinander „die Chemie nicht mehr stimme“ könne man auch gleich aufgeben.

Hugo Boss, Thomson

Alex Thomson und Pepe Ribes beim Barcelona World Race Training. © Hugo Boss

In Deutschland erfuhr die letzte Ausgabe des BWR ein außergewöhnliches Medienecho, weil der Deutsche Boris Herrmann gemeinsam mit dem Amerikaner Breymeier mit „Neutrogena“ auf den hervorragenden fünften Rang segelte.

Eine Besonderheit sind die erlaubten Reparaturstopps: Drei Mal dürfen die Teams während ihrer Weltumseglung für Reparaturen anlegen, diese Pitstops dürfen insgesamt nicht mehr als acht Tage andauern.

Die Schlüsselstellen

Barcelona- Straße von Gibraltar: Einer der schwersten Teilabschnitte gleich zu Beginn. Im Mittelmeer wird durch die Landnähe allerorten besonderes taktisches Geschick verlangt. Und das vor allem im Winter, wenn thermische Winde eher schwach sind und die Leichtwindzonen lang sein können.mapa_articleSlider

Äquator: Es gilt, einen Weg durch den nervenaufreibenden Kalmengürtel zu finden, der im Januar besonders ausgeprägt ist.

Vom Kap der Guten Hoffnung nach Tasmanien: 5.000 Meilen im Indischen Ozean unter dem Druck der „Roaring Forties“. Auf Messers Schneide: Möglichst schnell segeln, aber dabei das Material schonen!

Im Pazifik nach Kap Hoorn: 4.000 Seemeilen, wieder unter dem Einfluss der „Brüllenden Vierziger“. Nähe Kap Hoorn zudem großes Risiko in langen Nebelbänken. Die Umrundung des meist sturmumtosten Kaps gilt unter den meisten Teilnehmern als schwierigster Punkt der Regatta.

Die Teams

Jörg Riechers (46) und Sebastien Audigane (46) auf „Renault Capture“.

Sebastien Audigane (links) und Jörg Riechers segeln schon seit Langem zusammen © martin-raget

Sebastien Audigane (links) und Jörg Riechers segeln schon seit Langem zusammen © martin-raget

Riechers gilt aufgrund seiner Erfolge bei den Mini 6.50 Protos und auf der Class 40 derzeit als bester deutscher Hochseesegler (u.a. Sieg Class 40 „Solidaire du Chocolat“). Das BWR wird Riechers erste Weltumseglung. Audigane ist in der französischen Szene als besonders erfahrener Hochseespezialist bekannt (mehrere Rekordfahrten, Transatlantikregatten, 2005 Weltumseglung auf Katamaran „Orange“ mit Bruno Peyron). Musste das BWR 2010 auf „Groupe Bel“ wegen Bruch aufgeben. Ihr Schiff, Finot Conq/2007, wurde zuvor von Bertrand le Broc gesegelt (u.a. Vendée Globe Rang 9).

Alex Thomson (40) und Pepe Ribes (43) auf „Hugo Boss“

Alex Thomson in Aktion auf dem Vorschiff. © Christophe Launay

Alex Thomson in Aktion auf dem Vorschiff. © Christophe Launay

Die beiden segeln auf dem potentiell schnellsten Schiff der Flotte (Bj 2010): Das VPLP-Design gewann als „Virbac-Paprec“ die letzte Ausgabe des BWR und wurde Vierter beim Vendée Globe, wobei es die letzten 2.650 Seemeilen ohne Kiel absolvierte. Thomson hat sich mit seinem Dritten Rang beim Vendée Globe viel Respekt verschafft, Ribes ist Volvo Ocean Race-Spezialist (vier Teilnahmen) und schaffte Rang vier beim letzten BWR.

Bernard Stamm (51) und Jean Le Cam (55) auf „Cheminée Poujoulat“

„Wir sind aus dem gleichen Holz geschnitzt“ sagten die beiden kürzlich unisono. Tatsächlich repräsentieren sie die geballte Hochsee-Erfahrung dieser Regatta, sind aber beide oft vom Pech verfolgt. Der Schweizer Stamm musste drei Mal die Vendée Globe aufgeben, sein letztes Schiff zerbrach bei einem Überführungstörn. Le Cam wurde Zweiter und fünfter bei der Vendée Globe, kenterte aber auch schon vor Kap Hoorn und musste spektakulär von seinem Konkurrenten Riou auf hoher See abgeborgen werden.

Ihr Schiff ist die ex „Mare“ (Bj. 2007) von Jörg Riechers, die noch unter dessen Regie vollständig umgebaut wurde und eine neue Bug-Sektion erhielt.

Guillermo Altadill (52) und José Munoz (42) auf „Neutrogena“

Der Spanier Altadill geht seine sechste Weltumsegelung an und ist erfahrenster spanischer Hochseesegler. Auf „Neutrogena“ schaffte Thomson Rang drei bei der Vendée Globe – das Farr-Design wird als sehr konkurrenzfähig eingestuft.

Nandor Fa (61) und Conrad Colman (31) auf „Spirit of Hungary“

Die ungarische Segellegende ist auf seinem selbst entworfenen Design unterwegs, das aber erst spät fertig wurde. Es blieb wenig Vorbereitungszeit für die beiden. Colman gewann das Global Ocean Race 2011. Die beiden geben sich selbst „höchstens Außenseiterchancen“.

Jung, aber schon reichlich Seemeilen im Gepäck © martin-raget

Jung, aber schon reichlich Seemeilen im Gepäck © martin-raget

Anna Corbella (38) und Gerard Marin (32) auf „Gaes Centros Auditivos“

Beide Spanier segelten (auf getrennten Booten) beim letzten BWR mit (Rang 6 und 8). Status: Underdog

Alex Gelabert (37) und Didac Costa (34) auf „One Planet, One Ocean“.

Das relativ junge Team soll sich hier erklärtermaßen „die Hörner abstoßen“. Beide kommen aus der Mini-6.50-Klasse, es ist ihre erste IMOCA-Kampagne. Ihr Schiff ist das älteste in der Flotte: Die ehemalige „Kingfisher“ (Bj. 2000) , auf der Ellen MacArthur erfolgreich segelte.

Bruno (47) und Willy Garcia (42) auf “We are Water”

Die Brüder haben sich als letztes Team eingeschrieben. Beide kommen aus der “Class Mini 6.50”, haben an der Mini-Transat teilgenommen und solo wie auch zusammen Figaro gesegelt. Bruno segelte bereits an der Seite von Jean Le Cam das BWR 2010/11, musste aber wegen Mastbruch aufgeben.

Event Website Barcelona World Race

Facebook Jörg Riechers

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „Barcelona World Race Vorschau: Das Rennen, die Strecke, die Teams“

  1. avatar Maximilian sagt:

    Man kann jeden noch so schönen Film durch Musik zerstören …

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 6

  2. avatar Maximilian sagt:

    … oder durch einen noch dööferen Kommentar mit einem Rechtschreibfehler, oder einen Grammatikfehler, um mich abzusichern. 🙂 Frohe Weihnachten!

    Trololo …

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 6

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