Barcelona World Race: “Neutrogena” wieder dran. Im Sturm rund Kap Horn

Nächste Ausfahrt Kap Horn

In angespannter Erwartung. Die Führenden Loick Peyron und Jean Pierre Dick müssen im heftigen Sturm rund Kap Horn. © FNOB

Boris Herrmann und Ryan Breymaier haben in der Nacht wieder bis auf 22 Meilen zum dritten Platz aufgeschlossen, nachdem sie gestern gut 50 Meilen zurückgelegen hatten.

Boris erklärt im Interview, dass sie den etwas nördlicheren Kurs zu „Renault“ aus Sicherheitsgründen gewählt hätten, um einen größeren Abstand zum Tief zu bekommen. Aber nun ist „Renault“ auf einen verlustreichen Nordkurs eingeschwenkt. Zurzeit segelt „Neutrogena“ einen direkteren Kurs. In der Nacht hatte sie deshalb 37 Meilen gutgemacht, aber im aktuellen Report wieder zehn Meilen auf 22 verloren.

Karte vom 3.3. Das Tief "Atu" holt das Fühungsduo am Kap Horn bald ein. "Neutrogena" (schwarz) hat etwas später gehalst als "Renault" und wieder Boden gut gemacht.

Der Nord-Süd-Abstand zwischen den beiden Yachten ist aber so groß, dass erst die nächsten Stunden entscheiden werden, ob der dritte Platz für Boris Herrmann tatsächlich wieder in Reichweite gekommen ist.

Der deutsche Skipper berichtet von Bord: „Es ist wieder sehr dunkel und der Schwell kommt von der Seite. Wir heben mit 27 Knoten manchmal von der Welle ab und stoppen dann wieder abrupt. In diesem chaotischen Seegang ist es schwer, einen konstanten Speed zu halten. (…) Der Wind weht gerade mit 42 Knoten (…)

Kein Wunder, dass "Virbac" so entspannt vor dem Feld pendelt. Der Steuerstand ist bestens geschützt und mit einem gemütlichen Sessel ausgerüstet. © FNOB

Ich kann mich kaum erinnern, wann ich die Sonne das letzte Mal gesehen habe. Ich glaube, das war vor Neuseeland. Dieses Einheitsgrau mag ich langsam nicht mehr. (…) Wir schlafen zurzeit nicht mehr als drei Stunden am Stück. Wer sich zuerst müde fühlt, darf zuerst.“

In einem Blog Eintrag von gestern schreibt Herrmann. „Ich werde gehörig hin und her gerüttelt. (…) Dick und deutlich sieht man den Atemdunst. Die Finger sind steif und kalt, ich bräuchte eine Jacke – aber die ist nass. Ich könnte meinen Überlebensanzug anziehen, aber irgendwie versuche ich die nächsten zwei Stunden hier auszuharren und hoffe, dass ich nicht raus muss.“

Die Statistik zeigt, dass "Neutrogena" (grau) eine Zeitlang weniger Meilen als "Renault" Richtung Ziel schaffte, die Linie aber nun wieder nach oben kreuzt. "Mirabaud" ist nun schon 240 Meilen zurückgefallen.

Aber Herrmann findet, das muss so sein. Den er segelt gerade im Bereich von „Point Nemo“ dem Punkt, der auf der Erde am weitesten von allem Land entfernt ist.

„Ich krampfe etwas, weil das Schiff sich auf einem Wellenkamm verneigt und zu einem seitlichen Sprung ansetzt. Freier Fall und Beschleunigung, wildeste Geräusche. Alles hält, fragt sich nur wie lange die Nerven das mitmachen und wann sich vom Stress der Magen umdreht. Etwas mulmig ist mir schon.“ Und das hat wohl auch mit der Situation zu tun. „Für die nächsten zwei Tage erwarten wir einen Sturm. Den ersten richtigen Sturm dieser Tour.“

CTMJessJob

Auch an der Spitze wird alles festgezurrt. „Virbac“ ist wieder auf 67 Meilen davongezogen, aber das ist im Moment eher nebensächlich angesichts der zu erwartenden brutalen Kap Horn Passage. Ex Zyklon „Atu“ lebt immer noch und lässt nicht locker. Er quetscht sich gleichzeitig mit dem Führungsduo um die Südspitze von Amerika.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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