Barcelona World Race: Sturm vor Kap Horn, 5 Grad Celsius

Im Kopf sind sie schon im Ziel

Mit dem Sturm von 62 Knoten im Nacken, Monsterseen unterm Kiel, die die „Neutrogena“ immer wieder auf die Seite werfen, und Kap Horn voraus hat Boris Herrmann per Videokonferenz einen Einblick gegeben, wie man die Strapazen einer Nonstop-Weltumsegelung übersteht: „Die ganze Zeit während des Rennes denken wir an den letzten Tag. Man fängt im Kopf mit dem Ende an. Wir sagen uns, wir geben heute mal richtig Gas, denn wir wollen ja irgendwann ankommen. Und das denken wir schon seit 66 Tagen. Wir werden zuversichtlicher, dass wir es schaffen. Diese Fernvision wird realer und realer, je weiter wir kommen.“

Vor dem dritten und letzten Kap der Reise, nach dem Kap der Guten Hoffnung und dem Kap Leeuwin, wird die „Neutrogena“ noch einmal kräftig durchgeschüttelt. 40 Knoten über mehrere Tage, 62 Knoten in der Spitze und steile Wellen warfen die „Neutrogena“ mehrfach aus dem Kurs und auf die Seite. Die Arbeit an Bord wird bei dem Sturm und gerade einmal fünf Grad Celsius zum Härtetest. Jede Bewegung schmerzt in der eisigen Gischt. Unter Deck freut sich die Crew dann, wenn sie die Hände ein wenig am Gaskocher wärmen kann.

Boris Herrmann gab im Interview auch zu, in den vergangenen Tagen bei den schwierigen Wetterbedingungen und wegen technischer Probleme an Bord einige Nerven gelassen zu haben. Doch bei raumen Winden macht die „Neutrogena“ trotz kleiner Segel ordentlich Meilen.

Ryan Breymaier und Boris Herrmann bereiten sich inzwischen schon auf den Atlantik vor. „Das wird sehr tricky. Jetzt gilt es wieder, eine Route auszutüfteln durch Tiefs, durch Hochdruckzonen, durch kleine Fronten, die es geben wird“, sagt Boris, der für die Verfolger des Spitzenduos einen Restart des Rennens im Atlantik erwartet: „Es wird wie ein neues Rennen nach Kap Horn, das wir wohl im Dunkeln erreichen werden. Groupe Bel, Estrella Damm, Mirabaud, Hugo Boss, Renault und wir liegen so dicht beieinander und es gibt im Atlantik zahlreiche taktische Optionen.“

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Unterdessen hat allerdings die „Groupe Bel“ (Kito de Pavant und Seb Audigane) ihre Landcrew über ungewöhnliche Geräusche vom Kiel her informiert. Im Surf auf Kap Horn hin sei eine detaillierte Prognose allerdings nicht möglich. Daher will das französische nach Rundung des Kaps in Lee der Landmassen eine genauere Untersuchung im flacheren Wasser unternehmen. Vorsichtshalber hat die Regattaleitung auch schon die chilenischen Seenotretter informiert, um im Falle eines Problems sofort eingreifen zu können.

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Ralf Abratis

... ist unser Mann aus der "Segelhauptstadt" Kiel. Mehr zu ihm findest Du hier.
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Ein Kommentar „Barcelona World Race: Sturm vor Kap Horn, 5 Grad Celsius“

  1. avatar Matti sagt:

    Boah, Respekt, Respekt. Son Törn wär nix für mich muss ich ehrlich sagen. Die Jungs machen das super!

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

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