Volvo Ocean Race: Geheimes Know How für den HighTech-Bootsbau veröffentlicht

Einblicke in die heiligen Hallen

Das nächste Volvo Ocean Race startet Ende 2014 auf der Einheitsklasse Volvo Ocean 65. Eindrucksvolle Videos geben seltene Einblicke in den Bau einer High-Tech-Rennyacht.

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Volvo Ocean 65 Rumpf kurz vor der Fertigstellung bei Persico Marine (ITA) © M.Somerville / Persico Marine

Egal ob America’s Cup, Vendee Globe, Volvo Ocean Race oder Geschwindigkeitsrekorde – alle Segelwettkämpfe werden heute mit modernsten Regattayachten ausgetragen, die wir immer gern unter dem etwas abgenutzten Begriff „HighTech“ zusammenfassen. Diese Yachten erfüllen ihren Zweck meistens ziemlich gut. Sie sind schnell, zuverlässig und sicher. Aber ab und zu brechen eben doch Kiele ab, delamineren Rumpfstrukturen, brechen Masten.

Dann wird in vielen Foren heißblütig diskutiert über unterdimensionierte Bauteile und ahnungslose Konstrukteure und Bootsbauer, die offenbar alles falsch gemacht haben und damit das Leben der Akteure auf ‘s Spiel setzen. Aber wissen wir eigentlich, wie so ein Fahrzeug überhaupt entsteht? Haben wir eine Vorstellung davon, wieviel Kapital, Know How und Erfahrung nötig sind, um eine Yacht so leicht wie möglich und so sicher wie nötig (leider zwei gegensätzliche Anforderungen!) zu bauen?

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Deck der ersten Volvo Ocean 65 bei Multiplast (FRA) © Y.Penfomis/Multiplast

Ähnlich wie in der Formel 1 bleiben die Türen der wenigen Firmen – weltweit sind es vielleicht zwei Dutzend, die das können – in aller Regel geschlossen. Niemand lässt sich gern in die Karten schauen, zu wertvoll ist das mühsam erworbene Know How, als dass man es der Konkurrenz auf einem Silbertablett servieren möchte.

Umso erstaunlicher die Offenheit, die Multiplast (F), Persico (ITA), Decision (CH) und Green Marine (GBR) bei dem Bau des ersten, neuen Volvo Ocean 65 für das nächste Volvo Ocean Race an den Tag legen. In einer Serie von 7 Videos à 5-10 Minuten kann man sich die Entstehung der ersten Volvo Ocean 65 ziemlich genau und erstklassig erklärt anschauen. Dabei kommen viele namhafte Experten zu Wort, die alle Aspekte und Zusammenhänge kommentieren. Durch die Videos führt VOR-Mitarbeiter Rick Deppe (ex Medienmann an Bord von Puma), der hier seinem Namen keineswegs Ehre macht sondern launig und gut verständlich erklärt.

Kurz zur Vorgeschichte: Die Erfahrung des letzten Volvo Ocean Race [VOR], das die französische „Groupama“ äußerst knapp gewann, hat gezeigt, dass es so nicht weiter gehen kann. Es gab nur 6 Teilnehmer, die Boote waren zu teuer und es gab viel zu viel Bruch, weil der Bogen (geringes Gewicht auf Kosten der Sicherheit, s.o.) einfach überspannt wurde. Für so ein Demolition-Derby findet man keine Sponsoren mehr. Wer will schon zusehen, wenn frierende Segler irgendwo in Feuerland mit einfachsten Mitteln ihre zerbröselten Boote wieder zusammenpappen!?

Folgerichtig hat das Race Management unter dem Whitbread- und Volvo-Veteranen Knut Frostad die Reißleine gezogen und kurzerhand für das nächste Rennen 2014/15 eine Einheitsklasse ins Leben gerufen – die Volvo Ocean 65. Auch diese Yachten sind keineswegs billig, aber die Etats sind kalkulierbar und alle Konkurrenten treten mit gleichschnellen, sicheren Booten an. Gebaut werden die Yachten in einem einmaligen Joint Venture der oben genannten Firmen, allesamt Pioniere im Rennyachtbau und eigentlich Konkurrenten.

Ein Konzept, dem man den Erfolg wünschen möchte, denn nur so lässt sich langfristig das Interesse am Yachtsport manifestieren.

 

Teil 1 der Serie dokumentiert die Konstruktion von Farr Yacht Design, erläutert das Konzept  und zeigt die Entstehung des Urmodells.

 

Im zweiten Teil geht es um das 1:1 Mock-Up und die Optimierung des Layouts in enger Zusammenarbeit mit erfahrenen Teilnehmern vorangegangener Rennen.

 

Teil 3 erklärt das Infusionsverfahren und zeigt den Bau der Rumpf-Negativform sowie den Beginn der Konstruktion des Decks.

 

Teil 4 beschäftigt sich mit den verwendeten Materialien (Carbon, Nomex, Schaum etc.) und zeigt, wie Rumpf und Innenstruktur der Yacht entstehen.

 

Der fünfte Teil beschreibt die Fertigstellung des Rumpfes, den Einbau der Schotten und die Struktur der Kiel-Hydraulik, ausgelegt für die unvorstellbare Kraft von 560 Tonnen (am kurzen Hebel).

 

Im sechsten Teil wird das erste Deck fertiggestellt und mit dem Bau des zweiten begonnen.

 

Teil 7 fällt inhaltlich etwas ab, alle Komponenten sind jetzt fertig und bei Green Marine wird noch mit dem Mock-Up „geübt“, bis die Teile ankommen.

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http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

3 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Geheimes Know How für den HighTech-Bootsbau veröffentlicht“

  1. avatar Manfred sagt:

    WAOW, klasse Artikel, gut zusammen getragene Videos. Vielen Dank dafür.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 18 Daumen runter 0

  2. avatar Marc sagt:

    Direkt heute Abend mal alle angucken! Danke SR, hatte nur einige wenige Videos beachtet die hier schon mal vorgestellt wurden. Aber so als Geschichte ist es noch besser.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

  3. Tolle Serie, sehr gern fortführen!

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