Der Rahmen des 34. America´s Cups scheint festzustehen

Beschlossene Sache: 72 Fuß Kats mit Flügelrigg 2014

Von Carsten Kemmling

"USA 17" im Gegenlicht. Der America´s Cup der Zukunft? Die Zukunft des Segelns?© Martin-Raget/BMW Oracle

BMW Oracle Racing hat verkündet, dass die für diese Woche anberaumte Bekanntgabe des Protokolls für den 34. America´s Cup auf Dienstag den 13. September verschoben wird. Gleichzeitig soll auch das Jahr des Cups und die Bootsklasse bekanntgegeben werden. Die renommierte französische Segelzeitschrift Voiles et Voiliers will aber schon vorab Fakten erfahren haben.

So soll es feststehen, dass 2014 mit 72 Fuß langen Katamaranen (22 Meter) gesegelt wird, die von festen Flügel-Riggs beschleunigt werden. Die Entscheidung über den Ort wollen die Amerikaner noch bis zum 31. Dezember hinauszögern. Aber das hat wohl nur den Sinn, den Druck auf San Francisco zu erhöhen.

Voiles et Voiliers spricht davon, dass erneut ein Motor erlaubt und die Crew auf zwölf Segler limitiert sein soll. Ziel sei es, am Wind die 1,2fache Windgeschwindigkeit zu erreichen und vor dem Wind den Faktor 1,6. Das ist eigentlich nicht besonders schnell im Vergleich zum BMW Oracle Tri . Der erreichte bei bestimmten Bedingungen die dreifache Windgeschwindigkeit.

Die Schiffe sollen den Extreme 40 Kats ähnlich sein. Deshalb hätten die Amerikaner zu ihren zwei 40 Fuß Kats noch zwei weitere geordert.

Beim Audi MedCup in Cartagena haben die potenziellen zukünftigen AC-Teams wie das Team New Zealand, Team Origin, Artemis, Synergy und All4One die Absichten des Verteidigers diskutiert. Besonders die Briten hatten bisher keinen Hehl daraus gemacht, dass sie eine Einrumpf-Yacht favorisieren. Aber sie wollen auch mit einem Kat dabei sein.

Auch für die übrigen Teams soll die BMW Oracle Entscheidung kein Ausschluss-Kriterium sein. All4One Chef Stephane Kandler benötigt aber noch mehr Fakten für eine Entscheidung. Zeitpunkt und Ort seien ein wichtiges Kriterium.

Für die Organisation der America´s Cup Rennserie soll vermutlich  der Brite Mark Turner hin, der Ellen MacArthur groß gemacht hat und mit seiner Firma Offshore Challenges das Barcelona World Race organisiert wie auch den Extreme 40 Circuit.

Sicher ist, dass die Louis Vuitton Trophy von Bruno Troublé nach dem letzten Rennen Ende November in Dubai beendet wird. BMW Oracle plant offenbar, ab 2011 einen eigenen Zirkus mit sechs Veranstaltungen und unter Umständen den Extreme 40 Katamaranen.

Kommentar:

Was sollen wir davon halten? Bei dem Szenario, das sich nun abzeichnet, hat sich der Verteidiger einen massiven Vorteil gesichert. Zwei Jahre lang konnte BMW Oracle die Flügel-Technologie erforschen und schließlich den Cup mit einem überlegenen Design gewinnen. Ellison und Coutts sind der Konkurrenz um Meilen voraus.

War das der Hauptgrund für die Entscheidung? Ich denke nicht. Da ich immer noch an das Gute im Menschen glaube, kann ich mir nicht vorstellen, dass sich Ellison den Cup so hinbastelt, wie er ihn am besten wiedergewinnen kann. Es wäre so langweilig. Der Spaß an einem  leichten Sieg hält sich für den Sieger in Grenzen.

Ellisons Hauptargument für das Umkrempeln des Cups ist die bessere Medienwirksamkeit. Die Aufmerksamkeit des vergangenen Cups war in den USA erstaunlich hoch. Und das hing neben der aufgeheizten Atmosphäre besonders mit dem Flügel-Technik-Wunder zusammen.

Deshalb scheint es logisch, dass er erneut auf Wings setzt. Diese Technologie macht aber den Eindruck sehr teuer zu sein. BMW Oracle muss noch erklären, wie es dennoch potente Herausforderer vom Mitmachen überzeugen will. Bisher war die Kostenersparnis immer ein Muss im Anforderungskatalog für den nächsten Cup. Da müssen die Amerikaner viel Überzeugungsarbeit leisten, wenn sie noch andere Teams an den Start bringen wollen.

Ob man Katamaranen mit Flügelrigg tatsächlich gut beim Match Race zusehen kann, bleibt abzuwarten. Die Match-Race-Versuche der Extreme 40s in Kiel – zwei Flights – waren jedenfalls schrecklich anzusehen. Wenn die Kats bei wenig Wind um die Kurve segeln müssen, ist Zeitlupentempo angesagt.

Mal sehen, was der 13. September bringt. Mit der Kenntnis des Protokolls wissen wir mehr über die Absichten des Verteidigers.

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „Der Rahmen des 34. America´s Cups scheint festzustehen“

  1. avatar T.K. sagt:

    Klar hat BMW bei dieser Annahme einen Riesenvorteil.

    Das Argument der Flügel würde die Massen anziehen wird sich nicht wiederholen lassen, da die nächsten Flügel niemals wieder diese Dimension haben können (70f statt 90f Wasserlinie)

    Eines ist aber interessant: Gerade wenn es um Katamarane geht, dürfte Alinghi evtl. wieder auftauchen. Immerhin haben die auf diesem Gebiet nunmehr auch große Erfahrungen und einen großen Vorsprung zu allen anderen Herausforderern. Vielleicht fehlt Larry ja das Scharren von Ernesto 😉

    Der COR ist übrigens auch nur Witz. Die Rechnungen des COR soll Gerüchten nach inzwischen Larry übernehmen. Larry fordert sich quasi selber heraus 😉

    Übrigens war BOR90 im Grunde auch ein Katamaran und nur auf dem Papier ein Tri. Der Mittelrumpf diente nur der Vermessung….

    Ich denke für die Designer wird es eine Herausforderung sein die Kats so zu gestalten, dass diese schneller wenden können. Denn bei diesem Manövern verliert man die meiste Zeit. Was nützt der schnellst Kat, wenn er bei einer Wende einparkt. besser eine geringerer Highspeed aber dafür eine schnelle Drehung

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  2. avatar Wilfried sagt:

    Es ist dock jetzt schon klar was geschieht. Riesige Regattabahn mit schlechter medialer Abdeckung. Keine Vorstartkämpfe da mit den schlechten Manövriereigenschaften und den fligranen Kisten gar nicht möglich. Keine taktischen Manöver auf der Kreuz s.o. keine Wendenduelle. Große Geschwindigkeitsunterschiede und damit ist nach der Vorrunde alles klar. Für alle Segler mit Interesse an echtem Matchrace wirds also Grottenlangweilig und wenn die Kasten dann noch so hochgezüchtet werden, dass sie bei einem halbem Meter Welle schon nicht mehr segeln können sind sie zwar noch schnell aber auch nicht spektakulär.

    Mein Votum

    Enge Konstruktionsvorgaben und Einrümpfer damit der Cup noch etwas mit Matchrace zu tun hat oder das Ganze gleich bleiben lassen.

    Gruß Wilfried

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  3. avatar T.K. sagt:

    Ich lache mich schlapp, AC72 sieht auf den ersten Blick aus wie Alinghi 5 mit BOR90 Rigg.

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  4. Pingback: Kats zum Americas Cup? « segelfragmente

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