Big Picture: Heiner vor Scheveningen – Finnsegler wollen Olympia-Comeback nächste Woche

Zurück in die Zukunft

Die Finn-Dinghy-Bilder von Nicholas Heiner machen bewusst, wie sehr diese Bootsklasse der Olympia-Familie fehlen wird. Nächste Woche will die Klasse den Beschluss rückgängig machen.

Nicholas Heiner beim Foto-Shooting vor Scheveningen. © Sander van der Borch / TeamNL Zeilen

© Sander van der Borch / TeamNL Zeilen

© Sander van der Borch / TeamNL Zeilen

Dem Holländer Nicholas Heiner muss bewusst gewesen sein, dass er viel Arbeit vor sich hat, wenn er die Fußstapfen seines Vaters Roy ausfüllen will. Der segelte viermal für die Niederlande bei Olympischen Spielen, gewann eine Bronze-Medaille 1996 im Finn Dinghy und musste sich 2000 im Soling-Match-Race-Halbfinale nur der Schümann-Crew geschlagen geben (Platz 4).

Feuchtes Vergnügen. © Sander van der Borch / TeamNL Zeilen

Aber das hat den inzwischen 30-Jährigen nicht davon abgehalten, es trotzdem zu versuchen. Er ist auch auf einem guten Weg. 2014 wurde er sensationell Laser-Weltmeister, dann holte er 2017 ebenso überraschend schon ein Jahr nach seinem Finn-Dinghy-Umstieg WM-Bronze. Inzwischen ist er einer der Top-Favoriten für Finn-Dinghy-Edelmetall 2020, seitdem er bei den jüngsten Vorregatten auf dem Olympia-Revier die Plätze zwei und eins belegt hat und Weltranglisten-Zweiter ist.

Hübsches Herbstwetter vor der niederländischen Küste. © Sander van der Borch / TeamNL Zeilen

Heiner einer der wenigen in der Welt, der die extremen Bedingungen beim Foto-Shooting vor Scheveningen in Holland so gut beherrscht, wie auf den Bildern zu sehen. Dabei wird bewusst, wie sehr diese Bootsklasse der Welt zeigt, dass olympisches Segeln ein echter Sport ist.

Kaum zu glauben, dass es 2024 keinen Platz mehr für solche Modell-Athleten mit den Maßen eines Ruderers im olympischen Segel-Programm geben soll. Auch deshalb versuchen die Finn-Dinghy Klassen-Funktionäre alles, um vielleicht doch noch ein schnelles Olympia-Comeback hinzubekommen.

Balance-Akt auf dem Vorwindkurs. © Sander van der Borch / TeamNL Zeilen

Nicht immer geht alles glatt. © Sander van der Borch / TeamNL Zeilen

So rechnen sie sich eine Chance aus, bei der World Sailing Annual Conference 2019 auf  Bermuda vom 26. Oktober bis 3. November die Delegierten zum Umdenken zu bewegen. In einer Pressemitteilung heißt es, die Klasse sei davon überzeugt, dass viele nationalen Verbände das Finn Dinghy wieder in das Olympia-Programm aufnehmen möchten. Sie wollen zurück in die Zukunft.

Das Finn-Dinghy. Ein echtes Sportgerät für Schwerathleten. © Sander van der Borch / TeamNL Zeilen

Dafür muss bei der Versammlung in Bermuda allerdings ein komplizierter Weg beschritten werden, für den acht sogenannte Submissions eingereicht wurden. Strategie ist es, auf das vermeintliche Ungleichgewicht hinzuweisen, das durch die Erweiterung der Board-Disziplinen von zwei auf drei (Surfen und Kiten) 2024 entsteht. Die neue Offshore-Disziplin soll also nicht angegriffen werden.

Der Laser-Weltmeister von 2014 ist Hollands Medaillen-Hoffnung im Finn. © Sander van der Borch / TeamNL Zeilen

Außerdem führen die Finn-Dinghy-Vertreter für sich ins Feld, dass ihre Klasse 2016 in Rio und auch 2019 in Tokio bewiesen hätte, eine der wenigen Klassen zu sein, die unter nahezu allen Bedingungen eingesetzt werden können.

10 Quadratmeter sind bei solchem Druck nur schwer zu bändigen. © Sander van der Borch / TeamNL Zeilen

Um in Bermuda einen Erfolg zu erzielen ist allerdings ein schwieriger Weg zu gehen. Allein die Wiedereröffnung des Verfahrens bedarf einer 75-prozentigen Zustimmung der Delegierten. Danach müssen dann die sieben weiteren Submissions durchgewunken werden.

Die Chancen für einen Erfolg stehen wohl nicht besonders gut. Aber der Weltsegler-Verband hat schon sehr oft nicht für möglich gehaltene Entscheidungen zustande gebracht.

Bei solchen Bedingungen wagt es sonst kaum eine Olympiaklasse raus aufs Wasser. © Sander van der Borch / TeamNL Zeilen

© Sander van der Borch / TeamNL Zeilen

 

 

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

4 Kommentare zu „Big Picture: Heiner vor Scheveningen – Finnsegler wollen Olympia-Comeback nächste Woche“

  1. avatar waterman2000 sagt:

    Die Bilder zeigen prima das dieses Boot nicht mehr in die Neuzeit passt. Gleiten, Fliegen, Artistik und das Spiel mit den Elementen ist angesagt und nicht abhängen mit mindestens 100 kg. Ruhe sanft, hoffe das dieser Oldtimer keine zeitgemäße Bootsklasse verdrängt.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 14 Daumen runter 28

  2. avatar Yo sagt:

    Es sind wirklich tolle Bilder…aber mal ehrlich: ich muss mich da waterman anschliessen, das Boot ist einfach nicht mehr Zeitgemäss. Jeder von uns nutzt ganz selbstverständlich ein Smartfon statt einem Wählscheiben-Telefon aber das Segeln bei Olympia soll mit den gleichen Booten stattfinden mit dem schon unsere Eltern oder gar Grosseltern gesegelt sind?
    Auch wenn ich durchaus Argumente verstehen kann und auch das langsame taktische Segeln interessant ist, es ist einfach nicht mehr zeitgemäss. Fragt doch mal junge Segler ob sie lieber Moth oder Finn segeln würden… 🙂
    Ohne die sehr starke Lobby wäre die Finn-Klasse wahrscheinlich auch schon lange eingeschlafen…

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 4

  3. avatar Johannes Bahnsen sagt:

    Frage:
    Was machen dann in Zukunft großgewachsene, schwergewichtige Segler?
    In vielen (nicht seglerischen) Disziplinen (Rudern, etc.) gibt es Gewichtsklassen.
    Der Finn und auch das Starboot hat(te) hierfür in meinen Augen durchaus eine Daseinsberechtigung. Beide sind raus.
    Bei den Skiffs und Foilern bist Du (meines Wissens) mit einem Gewicht >85kg schon im Nachteil.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

    • avatar Observer sagt:

      Die Dicken segeln in Zukunft Offshore-Doublehanded Mixed, da können auch noch schwerere segeln als im Finn.

      Im Stabhochsprung, Kugelsoßen, Eiskunstlaufen, Radfahren, Golfen, Klettern usw. gibt es auch keine Gewichtsklassen. Die Kleinen werden auch im Hochsprung nicht berücksichtigt und die Großen sind beim Bodenturnen auch benachteiligt.

      Klar das Finn ist ein tolles, aber altes Boot. Tauziehen ist auch nicht mehr olympisch, so what!

      Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 2

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *