Big Pictures: Was bringen die Flügel? Erster Test um die Isle of Wight

Schwert Walk

Die neue Generation IMOCA 60 zeichnet sich durch die seitlichen Flügel aus. Man kann gut auf ihnen turnen. Aber beim ersten aktuellen Renn-Test der neuen Boote zeigen sie noch überhaupt keinen Leistungsvorteil.

IMOCA Safran

Neue Ausreittechnik auf dem Luvschwert? © Olivier Blanchet/DPPI

 

“Safran” und “Banque Populaire”, die als erste IMOCA 60 Neubauten mit den markanten gebogenen L-Foils ausgerüstet wurden, müssen sich gerade beim Artemis Challenge rund um die Isle of Wight einem ersten echten Test gegen die Konkurrenz unterziehen.

Dabei zeigt sich, das die Flügel längst kein Alleingänger im Vergleich zu den erprobten älteren Designs sind. So liegt der die letzte Vendee Globe Siegerin (ex “Macif”) unter dem Namen “SMA” mit Skipper Paul Meilhat komfortabel in Führung vor der ex “Safran” die jetzt “Groupe Quéguiner” heißt.

Die beflügelten Neubauten “Safran” (Morgan Lagravière) und “Banque Populaire” (Armel Le Cleac’h) können noch nicht Schritt halten. Le Cleac’h musste zuletzt sogar den Volvo65 “SCA” mit Skipperin Carolijn Brouwer ziehen lassen.

Die Flügel und das voluminöse Vorschiff sollen ihre ganze Power aber auch eher bei den langen extremen Reaching Gängen während der Vendee Globe entfalten. Dabei entfaltet das in Lee ausgefahrene L-Foil Auftrieb, durch den der Widerstand des Rumpfes verringert werden soll.

Zweifel an diesem Effekt gibt es nicht. Auch frisch geschlüpfte “Gitana” wurde mit den markanten Foils ausgerüstet.

IMOCA Safran

In Luv hat das neuartige Schwert keine Wirkung. In Lee soll es für Auftrieb sorgen. © Olivier Blanchet/DPPI

IMOCA Safran

Morgan Lagravier balanciert avu seinem Foil. © Olivier Blanchet/DPPI

IMOCA Safran

Safran am Wind. Beim ersten Regatta-Test zeigt sich noch kein Speed-Vorteil. © Olivier Blanchet/DPPI

IMOCA Banque Populaire

Der eingefahrene Seitenflügel bei Banque Populaire© Banque Populaire

IMOCA Banque Populaire

Optik der neuen Open 60 Generation. © Banque Populaire

IMOCA Gitana

Frisch geschlüpft. Der IMOCA “Gitana”. Voluminös im Vorschiff und ausgestattet mit Flügeln. © Gitana

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Carsten Kemmling

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7 Kommentare zu „Big Pictures: Was bringen die Flügel? Erster Test um die Isle of Wight“

  1. avatar Fastnetwinner sagt:

    Diese sogenannten Ausreitsitze funktionieren nur, wenn man auf ihnen sitzt und nicht steht (wg. Windage). Bei den Taifuns und in der Monas-Klasse schwören sie auf die Dinger insbesondere hoch am Wind. Das scheinen die Franzosen wohl noch nicht so richtig verstanden zu haben 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 0

  2. avatar mantis sagt:

    Flügel sind immer super!!!!
    Es ist ein herrliches Beispiel für einen typischen Schildbürgerstreich im Schiff- und Bootsbau, wie man einen für seinen Zweck schlechten Rumpf mit einem gerade in Mode gekommenen Anhang verbessert. Der offensichtliche Grund, die eingesetzten Hilfen (Schwenkkiel und Flügel) heben sich in ihrer (nicht nur der dynamischen) Wirkung gegenseitig auf.
    Herrlich auch die, wie auch immer gewonnene Überzeugung ein solcher Anhang würde schon irgendwann einmal zum Sieg führen. Sicher dann, wenn alle anderen auch Flügel haben. Wenn sich Schiffbauer oder Bootsbauer in ihrer Eitelkeit nicht zu schade wären die Erkenntnisse der Aerodynamik umzusetzen, wüsten sie, dass es möglich ist einen Rumpf zu konstruieren der Nachteile dieser Art nicht zeigt. Zumindest könnte man erkennen, dass die Erzeugung von Auftrieb auch immer mit Widerstand verbunden ist. Wenn es nicht gelingt mehr Vortrieb zu gewinnen, wird die Energiebilanz negativ bleiben. Die Hoffnung stirbt zuletzt, denn Auftrieb von L- Foils verringert ja den Widerstand des Rumpfes. Wie das geht, wie es grundsätzlich immer eintrit (wie es physikalisch erklärbar ist) wenn der Rumpf noch im Wasser ist weiß anscheinend jeder Experte. Bis jetzt sparte man dadurch angeblich Gewicht im Kiel und so die gängige Vorstellung hatte man weniger Widerstand. Die Flügel sind wahrscheinlich jetzt so wunderbar und machen alles alleine. Es könnte ja sein der Widerstand nimmt mit weniger Krängung zu. Ganz sicher erhöht sich der Widerstand wenn bei wenig Wind und Krängung der Flügelrest ins Wasser taucht. Ein schönes Beispiel für irrationale Anwendung von Wissen. Das ist sehr lustig, auch ein bisschen traurig aber in jedem Fall spektakulär. Schönen Tag noch.

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    • avatar Käptn Brassman sagt:

      Das lässt sich natürlich nach einem kleinen Dorfrennen bei Leichtwind ganz genau analysieren.
      Die Dinger sind auf die Vendee konstruiert und bringen erst einen Vorteil ab ca 12 kts bs und nicht auf Beat Kursen..
      Ansonsten sind die alten Designs schneller, sagen die Jungs von Verdier.
      Also erstmal abwarten und Tee trinken, die Jungs werden schon wissen was sie tun 😉
      Zu schön diese maritime Expertise hier…
      Komisch nur dass die Franzosen mit Verdier Designs seit Jahrzehnten alles im Multihull und Imoca Bereich abräumen… just sayin´

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      • avatar mantis sagt:

        “kleines Dorfrennen” Oh wie peinlich, die Supersuperschiffsegler haben sich von warscheinlich
        gerade aus dem Stall gekommenen Bauerntölpeln und -mädeln schlagen lassen. Das ist ja schlimmer als im DFB Pokal. Da waren die Amis doch viel ausgebuffter; fahren die doch vor 166 Jahren zu eben dieser Regatta über den großen Teich und nehmen den Bauern eine billige abgrundhässliche Kanne ab. Da lief zwar auch so eine Bauernbraut herum, die sich Victoria nannte, was den englischen Bauern aber nichts genutzt hat. Sie, die Amis erfinden den America´s Cup und bei dem wird nun endlich gefoilt was das Zeug hält. Die Franzosen müssen aber nicht traurig sein oder sich gar schämen, man kann ja schlieslich nicht alles wissen, vor allem wenn man kein deutscher Admiral ist.

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        • avatar OG sagt:

          Echt jetzt? Ich würde behaupten, dass VPLP wissen, was sie so designen. Und dass Boote wie Open 60 so gezeichnet sind, dass sie bei den Bedingungen die statistisch gesehen bei ihrem Einsatz vorherrschen (und das ist bei der Vendee Globe halt raumschots-Glitsch bei etwas mehr Wind), ist auch bekannt. Klar also, dass diese Boote bei einem Leichtwind-Fastnet dann nicht triumphieren.

          Und wie du auf die Idee kommst, der Effekt des Schwenkkiels und der Flügel würden sich aufheben, ist mir schleierhaft, wenn die Foils Auftrieb in Lee erzeugen.
          Und geringerer Widerstand wird natürlich durch Verringern der benetzten Fläche erreicht…

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        • avatar OG sagt:

          Noch ein Nachtrag: hier sind die Kräfte erklärt, wobei die als “moment crée par le tilt de quille” beschriebene Kraft dadurch entsteht, dass die Kiele mit leichter Neigung montiert werden, und so beim ausschwenken auch Auftrieb entsteht. Der wirkt natürlich dem aufrichtenden Moment der Kielbombe entgegen, aber hebt das Boot insgesamt ein wenig an. Dem gegenüber hebt das Foil und wirkt auch aufrichtend, mit zunehmendem Speed werden diese beiden dynamischen Kräfte größer, wobei man wohl davon ausgehen kann, dass der Effekt des Foils größer ist als der der Kielfinne….
          http://www.vplp.fr/tmp/images/img-ddff97af269f1a006b837e73f6939352.jpg
          Quelle: http://www.vplp.fr/news/60/54/Lecon-de-foils.html

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          • avatar mantis sagt:

            Hallo OG,

            bin heute erst auf deinen Nachtrag gestoßen und muss mit Erstaunen feststellen du hast dich da richtig reingekniet. Wenn du aber meinst, dass diese Zeichnung mehr liefert als die allgemeine, unspezifische, private Ansicht desjenigen der sie angefertigt hat (zudem jeder Krämer lobt seine eigene Ware) dann ist das sehr mutig oder gläubig. Zumindest ist dir klar geworden, dass dynamischer Auftrieb der am Kiel entsteht durchaus mit dem Auftrieb aus dem Flügel konkurriert. Die Kräfte heben sich also zumindest zum Teil gegeneinander wirkend, auf. Nun müsste man um zu sehen was der Flügel eigentlich leistet untersuchen bei welchem Winkel (und die Anstellwinkel ändern sich vor allem im Seegang sehr rasch) und welcher Krängung und welchem Trimm, welche Kräfte in welchen Richtungen entstehen. Solche Untersuchung führen meistens zu verblüffenden Ergebnissen auch zu solchen die einem gar nicht gefallen. Sie sind aber auch sehr aufwendig und werden deshalb zu Gunsten von Pauschalaussagen vernachlässigt.
            Ich habe hier Auftrieb und da Auftrieb und wenn ich Glück habe bleibt ein bisschen was übrig. Das ist wirklich nicht sehr gründlich durchdacht, genügt aber im allgemeinen, wenn das Geld locker sitzt mit dem Argument, dass die wissen was sie so designen, um einen Großversuch zu wagen.
            Der Flügel wird zum Anheben des Bootes nur eine sehr geringe Kraft zur Verfügung stellen können. Das erklärt sich daraus, dass sich der Masseschwerpunkt des Bootes nicht senkrecht über oder sehr nahe an dem Auftriebs-Schwerpunkt des Flügels befindet sondern er befindet sich weit entfernt außerhalb der Mitte des Bootes in Luv.
            Es wird und das ist sehr wahrscheinlich der größere Anteil des Auftriebsrestes nur zur Minderung der Krängung führen. Keinesfalls aber wird sich das Boot dadurch wesentlich anheben lassen. Die Erzeugung von dynamischen Auftrieb mit getauchten Flügeln ist vor allem im Seegang durch den ständigen Abriss und die Störung des Wiederaufbaus der Strömung an den Flügeln instabil.
            Das ganze Szenario lässt sich vergleichen mit einem Flugzeug, dass nur einen Flügel hat und dann noch im Sturm zu starten versucht. Da ist es einem gleich klar, was passiert, aber beim Schiff ist alles ganz anders, das weiß doch jeder, das schwimmt doch.

            Viel Spaß noch und einen schönen Tach

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