Bol d’Or: „Team Tilt“ gewinnt knapp mit 19-jährigem Steuermann Sebastian Schneiter

„Schwach bis haarsträubend“

Bol d'Or, Genfer See

Team Tilt gewinnt denkbar knapp © team tilt

Der Genfer See zeigte sich launisch: Schwache Winde zum Start, Gewittersturm gegen Abend. Team Tilt im Herzschlag-Finish vor Alinghi und Ladycat, Mastbruch auf Rothschilds GC32.

Nach 12:05:58 Stunden überquerte der Décision 35 Kat „Team Tilt“ nur wenige Meter vor den Profis der „Alinghi“ die Ziellinie des prestigeträchtigen und populären Events auf dem Genfer See. Diesmal nahmen wieder 500 Boote teil.

Die junge Crew der „Team Tilt“ um den 19-jährigen Steuermann Sebastian Schneiter, die auch beim Youth America’s Cup 2013 gestartet ist, profitierte auf dem Hinweg zur Wendemarke vor Versoix und auf dem Rückweg zur Ziellinie von der diesmal stark favorisierten französischen Seite des Genfer Sees. Vor allem in den Schwachwindphasen des Tages setzten dort die etwas kräftigeren Böen ein.

Nach dem Start vor Genf, traditionell pünktlich um 10 Uhr morgens, setzte sich zunächst jedoch die „Ladycat“ mit Donna Bertarelli an der Pinne konsequent in Führung. Bei fünf bis maximal sieben Knoten Windstärke zeigte die Spindrift-Steuerfrau starke Nerven und reagierte souverän auf alle Winddreher, unterstüzt von ihrem Freund und Taktiker Yann Guichard.

Die „Ladycat“ führte bis zum anderen Ende des Sees, mit teils deutlichem Abstand auf die nachfolgenden Katamarane. Doch dann parkte Bertarelli, die 2010 und 2014 als erste und bisher einzige Frau den Bol d’Or gewinnen konnte, in einem Windloch ein, so dass die Ehre der ersten Rundung der Wendemarke vor Le Bouveret den Teams auf „Realstone“ und „Team Tilt“ gebührte.

Beide Katamarane hielten sich weiterhin an die französische Seite der 72 km langen Strecke, leisteten sich stundenlange Positionskämpfe um jeden Meter bis schließlich „Team Tilt“ vor dem Französischen Ort Yvoire nach einer besser eingeschätzten Winddrehung deutlich die Führung übernahm.

In der Zwischenzeit waren dunkle Wolken über den (zuvor oft spiegelglatten) Genfer See gezogen. Gegen 20 Uhr blitzte und donnerte es, die ersten Sturmböen fegten über den See. Bei teils heftigen Böen um die 35 Knoten und mit völlig unberechenbaren Winddrehern fuhren die in Führung liegenden Teams zumeist auf Sicherheit, was allerdings auch Spitzengeschwindigkeiten von 25-28 Knoten bedeutete.

Die Alinghi-Profis setzten in den teils haarsträubenden Starkwindphasen nochmals alles auf eine Karte: Ganz zuletzt schoben sie sich so nahe an die weiterhin führende „Team Tilt“ heran, dass man dort schon haderte, der mehr oder weniger sicher geglaubte Sieg werde ihnen noch entrissen.

bol d'or

Wolken, die nicht unbedingt Gutes verheißen © bol d’or

Doch sie sollten nochmals „Schwein“ haben: Sebastian Schneiter rettete die „Team Tilt“ bravourös im Herzschlagfinale 18 Sekunden vor „Alinghi“ über die Ziellinie. Weitere (lächerliche) 55 Sekunden später bretterte „Ladycat“ ins Ziel. „Bis zuletzt hätte jeder von uns die Regatta gewinnen können,“ sagte Schneiter später. „Es geht kaum noch knapper! Gratulation an die Youngster!“ war bei Alinghi zu vernehmen.

Die Gewitterböen verursachten einige Schäden im nachfolgenden Feld, spektakulärste Havarie war der Mastbruch auf der GC 32 „Edmond de Rothschild“ bei einem Bootsspeed von 33 Knoten vor Evian. Am Ruder: Pechvogel „Sebastien Josse“.

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