Boris Herrmann setzt Benchmark: Erster Neubau für Ocean Race und Vendee Globe

Neubau für Boris

Boris Herrmann baut nach seinem fünften Platz bei der Vendee Globe ein neues Boot. Es wird das erste Boot sein, das explizit für die Teilnahme am Ocean Race als auch für die Vendee Globe entworfen worden ist. Das galt als unmöglich.

Boris Herrmann greift erneut an. Bild: Andreas Lindlahr

Bereits kurz vor 14.00 Uhr füllt sich der virtuelle Meetingraum, in dem die Pressekonferenz stattfinden soll. Boris Herrmann hatte bereits einige Wochen nach seinem Zieleinlauf angekündigt, wieder an der Regatta um die Welt teilzunehmen.  Er wolle noch in den nächsten Wochen alle Verträge unterschreiben. Die IMOCA, mit der Boris Herrmann die letzte Vendée Globe bestritt, ist mittlerweile verkauft. Die Spannung war groß. Stellt Boris heute ein neues Boot vor?

Ehrgeiziger Fünfjahresplan mit starken Partnern im Hintergrund. Bild: Team Malizia

Er sei noch immer voll Adrenalin, sagt Boris. Denn seit dem Ende der Vendée Globe im Januar arbeitete das Team fieberhaft am Design eines neuen Bootes, das Boris sowohl durch das The Ocean Race als auch die Vendée Globe in vier Jahren tragen soll. Das Zeitfenster für den Neubau ist knapp. Denn schon im Herbst 2022 startet das Ocean Race im spanischen Alicante.

Mit seinem Plan betritt der Wahl-Hamburger Neuland in der IMOCA-Szene. Zwar gibt es bereits Meldungen mit IMOCAs zum Ocean-Race, aber das neue Boot von Boris wird das erste Boot sein, das explizit für die Teilnahme an beiden Rennen entworfen worden ist. Bisher galt eigentlich das ungeschriebene Gesetz, dass es nicht möglich sei, mit einer Vendée-IMOCA auch das Ocean Race zu bestreiten. Der Grund sei das gegensätzliche Anforderungsprofil der beiden Rennen. Während die Vendée-Globe ohne Stopp und einhand um die Welt führt, wird das Ocean Race in Etappen und mit Crew ausgetragen. Da bei den Etappen auch vermehrt Kurse gegen den Wind vorkommen können, wird den Vendee-IMOCAS hier ein Nachteil zugeschrieben. Unter anderem von Alex Thomson und zuletzt aus dem Team rund um Charal. Denn die IMOCAS sind für Kurse vor dem Wind optimiert.

In Etappen um die Welt. Die richtigen Kurse für IMOCAS?

Boris und sein Team sind hingegen zu einem anderen Urteil gekommen. Sie sind überzeugt, dass das Boot für alle Arten von Rennen geeignet ist. 18 Regatten weltweit sind insgesamt geplant. Boris sagt auch, dass man sich auf manchen Etappen im Ocean Race bestimmt auch andere Foils für spitzere Kurse wünscht, aber ein Tausch zwischen den Etappen sei nicht erlaubt. Daher habe man sich für ein Allround-Boot entschieden, das auf allen Kursen punkten kann. Das Ocean Race soll kurz nach der Fertigstellung des Bootes auch eher als Vorbereitungsregatta genutzt werden, um das Boot zu verbessern.

Crew vs. Einhand

Probleme zwischen dem Crew- und Einhand-Layout sieht Boris hingegen nicht. Das Ocean Race wird von einer Vierer-Crew gesegelt. Zwei segeln aktiv das Boot, während der Rest schläft oder Ausguck hält beziehungsweise navigiert. Der Unterschied im Cockpitlayout müsse da gar nicht groß sein. So soll das Cockpit beim fertigen Boot für beide Konstellationen geeignet sein.

Das Design des Bootes ist eine Teamleistung. Bild: Andreas Lindlahr

Beim Design des Bootes hat VPLP den Hut auf, gebaut wird es bei Multiplast in Frankreich. Doch das Malizia-Team war stark in den Designprozess eingebunden. Boris hat seine Erfahrungen aus der Vendée mit in das Design einfließen lassen. Das soll sich unter anderem im Design des Bugs bemerkbar machen, der jetzt darauf ausgelegt worden ist, wesentlich besser durch die Wellen zu kommen, als es noch bei der Seaexplorer der Fall war, die in den Wellen immer wieder einbremste. Teammember Will Harris hat sämtliche Daten aus den vergangenen Jahren ausgewertet und so das endgültige Design auf dieser reichen Datengrundlage angepasst. Auch Ryan Breymaier mit dem Boris das Barcelona World Race zusammen segelte, war am Designprozess beteiligt.

A race we must win

Natürlich nimmt das Forschungselement im Kampf gegen den Klimawandel wieder einen großen Platz ein. So wird auch auf dem neuen Boot ein kleines Forschungslabor eingebaut werden, das helfen soll, Daten über den Zustand der Meere zu gewinnen. Toste Tanhua, Team Malizias Wissenschaftler vom GEOMAR-Institut in Kiel, betont: „Die Ozean-CO2 Daten, welche während der Vendée Globe gesammelt wurden, haben sich als unglaublich wertvoll erwiesen. Sie erlauben der Wissenschaft, den besorgniserregenden Anstieg der Kohlenstoffdioxid-Konzentration im Meer besser nachzuvollziehen.“                

Der Kampf gegen des Klimawandel ist und bleibt eines der großen Ziele der Kampagne

Für die Malizia Ocean Challenge erklärt Birte Lorenzen-Herrmann, hauptberufliche Meerespädagogin: „Mit dem Abenteuer Segeln haben wir einen Weg gefunden, Kinder zu motivieren, mehr über die Meere und das Klima zu lernen. Wir sind stolz darauf, inzwischen schon 45.000 Kinder auf der ganzen Welt erreicht zu haben. Wir haben unser Arbeitsbuch zur Ozean-Bildung erweitert, indem wir Lösungen für die Klimakrise miteinbezogen haben. Das Buch steht nun in 10 Sprachen zum kostenlosen Download bereit. Mit Hilfe unserer Partner sind wir in der Lage, unser Team von Lehrkräften zu verstärken und unsere Netzwerke weiter auszubauen.“

Die neue IMOCA-Class-Rule setzt auf eine nachhaltigere Bauweise. Auch hier möchte das Team um Boris eine Benchmark setzen. So sollen die nichttragenden Elemente im Boot wie beispielsweise der Kartentisch aus einem Biokompositmaterial bestehen. Das deutsche Unternehmen Greenboats soll an der Entwicklung dieser Bauteile beteiligt sein.

Bauzeit

Damit das Boot bis zum Start des Ocean Race fertig wird, muss es jetzt schnell gehen. Bereits Ende Mai, Anfang Juni sollen die Mallen gebaut werden und zwölf Monate später, also im Sommer 2022, sollen die ersten Segelstunden folgen. Zwischendurch plant Boris einen Besuch bei der Kieler Woche im September 2021. Eventuell wird der Foil-Katamaran Malizia I dann über die Förde fliegen.

Um den ehrgeizigen Fünfjahresplan umzusetzen, hat das Team Malizia Fünfjahres-Partnerschaften mit dem Hamburger Logistikunternehmen Hapag-Lloyd, der Versicherung Zurich Gruppe Deutschland, der Schweizer Reederei MSC Mediterranean Shipping Company, der Schweizer Privatbank EFG, dem Yacht Club de Monaco und dem Logistikunternehmen Kuehne+Nagel. Mit diesen Partnern im Hintergrund hat Boris Herrmann eine der stärksten Segeloffshorekampagnen aller Zeiten in Deutschland auf den Weg gebracht. Bei allen Partnern steht zudem das Thema der Nachhaltigkeit im Fokus der Partnerschaft. Ein Thema, für das Boris brennt. Er möchte zusammen mit den Partnern neue Wege bestreiten, um die Welt nachhaltiger und vor allem klimaneutraler zu gestalten.

3 Kommentare zu „Boris Herrmann setzt Benchmark: Erster Neubau für Ocean Race und Vendee Globe“

  1. avatar Sven 14Footer sagt:

    Lieber Boris, wie klasse ist das denn!!?
    Eine 5 Jahreskampagne mit Neubau, vielen Regatten und weiter an Meeresforschung sowie Klimapädagogik teilnehmen. Einfach Super!
    Ich freue mich für Dich, Dein Team und uns als Fans!

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  2. avatar brahms sagt:

    Genial! Und ich fing’ schon an, mir Sorgen zu machen 😉

    Eigentlich müsste doch dieser Beitrag beim Segelreporter erstmal oben festgepinnt werden, damit ihn jeder als erstes sieht!

  3. avatar Peter Lause sagt:

    …und es geht wieder los. Für Boris war es nicht das Ende des Abenteuers, sondern der Anfang von etwas Größerem. Hurra, er brennt wieder und wir werden dabei sein.

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