Erste Deutscher beim Rennen um die Welt

Boris Herrmann startet beim Barcelona World Race. Interview mit SEGELreporter

Boris Herrmann mit seinem neuen amerikanischen Partner Ryan Breymaier beim ersten Trainingsschlag mit dem gecharterten 60 Fußer. © www.breymaiersailing.com

Boris (r) hilft mit den Kollegen von Bruno Jourdains Rennstall Kairos beim Maststellen. © www.breymaiersailing.com

Boris Herrmann (28) hat den nächsten Schritt seiner jungen Profi Karriere eingeleitet. Im Gespräch mit SEGELreporter enthüllt er, warum er Neujahr 2011 beim Barcelona World Race um die Welt starten wird. Nach dem Sieg beim Portimao Race zusammen mit Felix Oehme ist es für den Deutschen die zweite Regatta um die Welt. Diesmal segelt er allerdings nonstop und steigt von der 40 Fuß Klasse auf die größeren 60 Fuß Yachten um, mit denen die absoluten Top Profis der Szene segeln.

Das Barcelona World Race startet am 31.12.201. Es werden voraussichtlich 13 Zweier-Teams an den Start gehen. Michel Desjoyeaux und Jean Pierre Dick bauen jeweils neue Schiffe für die Veranstaltung, die sich mit dem Velux Five Ocean Rennen überschneidet.

Sr: Boris, das ist der Hammer, du bist beim Barcelona World mit dabei, 27000 Meilen nonstop up die Welt. Wie es es dazu gekommen?

BH: Der spanische Regattaveranstalter FNOB kam auf mich zu. Die haben einen Open 60 samt Service Team gechartert und wollten, dass ein weiteres internationales Team mitsegelt.

Wie kann ein Veranstalter so etwas bezahlen?

Die haben einen Sponsor an der Hand. Wer das ist, soll allerdings erst im Sommer bekannt gegeben werden.

Da es sich um ein Zweihand-Rennen handelt, benötigst du einen Partner.

Den liefert auch der Veranstalter mit. Ryan Breymaier ist gebürtiger Amerikaner aus Annapolis, arbeitet aber schon seit drei Jahren in Frankreich für den Kairos Rennstall von Roland Jourdain als professioneller Rigger. Er ist 36 und hat schon 10000 Meilen auf dem Boot gesegelt, mit dem wir an den Start gehen werden.

Das Schiff ist die ex „Véolia Environement“ von Roland Jourdain einem der bekanntesten französischen Einhandsegler. Es wurde 2004 gebaut und Jourdain hat damit 2006 die Route du Rhum gewonnen, eine der wichtigsten französischen Regatten. Aber ist es noch konkurrenzfähig?

Auf dem Papier sind vermutlich nur zwei der 12 Konkurrenz-Yachten unterlegen. Wir wollen durchkommen und mit ein paar Ausfällen von Gegnern können wir einen Platz in der Mitte des Feldes anpeilen.

Was hat sich in den letzten Jahren der Open 60 Entwicklung getan?

Die Schiffe sind in den vergangenen sechs Jahren leichter geworden. Der neue Open 60 von Michel Desjoyeaux könnte unter sieben Tonnen wiegen, die älteren Designs wiegen um neun Tonnen. Das ist für den Grundspeed nicht so schlimm, aber die neuen Yachten beschleunigen einfach besser. Auch weil die Anhänge wurden entscheidend optimiert. Sie sind auch auf Raumschotskursen schneller. Aber wir können auch aus unserem Schiff viel herausholen.

Wenn man so einen Partner zugeteilt bekommt, ist das nicht die natürlichste aller Verbindungen. Ihr hockt immerhin drei Monate unter Extrembedingungen auf dem Schiff. Wie funktioniert es mit dem Amerikaner?

Wir sind kulturell schon ziemlich unterschiedlich. Aber ich glaube, wir ergänzen uns ganz gut. Ryan bringt eine starke handwerkliche Komponente ein. Er kennt das Schiff genau als Shore Team Mitglied. Es ist sein Baby. Er hat aber auch viele Meilen als Vorschiffsmann auf IRC Yachten gesegelt und auf dem Mega Kat „Playstation“. Er gehört zur Stammcrew eines 70 Fuß Trimarans, der im Multi One Design Circuit 2011 starten soll.

Seid ihr schon zusammen gesegelt? Wie funktioniert es mit euch?

Wir hatten einen zehntägigen Trip zu den Azoren geplant, sind aber nach einer Kollision mit Treibholz schnell wieder umgedreht. Das Ruder war beschädigt. Aber die Wiederholung läuft besser. Ich denke, wir kommen gut miteinander aus. Wir wollen beide in der Profiszene weiter kommen. Dieses Rennen ist ein gutes Sprungbrett. Wir können viel lernen. Im Sommer segeln wir zum Training über den Atlantik und wieder zurück.

Eigentlich hattest du vor deine nächsten Ziele mit dem langjährigen Sponsor Beluga Shipping zu erreichen. Auf Nachfrage von SEGELreporter kam folgendes Statement von der Presseabteilung und Geschäftsführer Niels Stolberg: “Mit der strategischen Neuausrichtung unseres Sponsoringengagements ist die Entscheidung gefallen, dass wir uns sukzessive aus dem Segelsport zurückziehen werden. Wir schätzen die zurückliegende gemeinsame Zusammenarbeit mit Boris Herrmann und sind sehr stolz auf die hervorgebrachten Erfolge auf der Beluga Racer – insbesondere die herausragenden sportlichen Leistungen des Segeltalents Boris Herrmann – für die wir uns an dieser Stelle bei ihm nochmals ganz herzlich bedanken möchten.” Was ist passiert?

Auch ich bin Beluga für die großartige Unterstützung über die vergangenen zwei Jahre sehr dankbar. Es war ein Privileg, mit Beluga an der Seite arbeiten zu dürfen. Aber leider ist diese Zusammenarbeit jetzt beendet.

Wie hast du die Zeit nach dem Sieg beim Portimao Race verbracht?

Ich habe viel recherchiert, um den Einstieg in die Open 60 Klasse im Hinblick auf die Vendee Globe 2012 zu schaffen. Es ging um Kosten und um den Leistungsrahmen, der für ein erfolgreiches Projekt wichtig ist. Dafür bin ich mit dem zweimaligen Vendee Globe Sieger Michel Desjoyeux gesegelt und habe viel mit ihm über den besten Weg diskutiert. Welches Boot kauft man? Baut man neu? Wie viele Leut benötigt man? Wie sehen die Strukturen des Teams aus?

Diese Seehelden sprechen nicht mit jedem. Ist es eine besondere Auszeichnungen wenn ein Desjoyeux zuhört?

Michel ist für mich ein Held. Er strahlt ein beeindruckendes Charisma aus. Er spricht tatsächlich nicht mit jedem. Es laufen ja viele Träumer herum. Aber für ihn bin ich ein potenzieller Kunde. Er betreibt einen Rennstall, zu der die Werft seines Bruders gehört.

Hast du noch mit anderen gesprochen?

Mit Jean Pierre Dick habe ich mich auch gut verstanden. Der hat 2008 das Barcelona World Race mit Damian Foxall gesonnen. Er ist ein echter Teamplayer. Seine Denke verfolgt konsequent den Business-Ansatz. Er hat ja auch eine Business School absolviert. Die Gespräche haben mich weit gebracht für die Planung eines möglichen Vendee Glob Projektes. Das ist immer noch mein Ziel.

Du bereitest dich in Concarneau an der französischen Atlantikküste vor. Dort gibt es eine Eliteschule, die ihre Mitglieder auf die Figaro-Rennszene vorbereitet. Es heißt, du seiest dort Mitglied.

Ich könnte dort voll einsteigen, wenn ich ein eigenes Figaro-Projekt hätte. Eine Kampagne mit den Einheitsyachten kostet zwischen 60000 und 200000 Euro. Michel hat mir geraten, in diese Szene einzusteigen, und das steht definitiv auf meiner Agenda. Es ist einer der härtesten Wettkampf-Serien für Einhandsegler. Ich bin auch schon bei einigen Rennen mitgesegelt. Aber im Moment bleibt dafür keine Zeit.

Ist das Segeln der 60 Fußer deutlich schwerer als mit der gewohnten Class 40?

Diese Boote sind schon sehr cool zu segeln. Durch den Neigekiel entwickelt das Schiff einfach unglaublich viel Power. Ich freue mich schon darauf, in drei Monaten um die Welt zu rasen. Es gibt viel zu lernen.

Barcelona World Race Trailer

Das Video vom ersten Segeln mit dem 60 Fußer:

Inhaber und Direktor: Roland Jourdain.
15 fest angestellte Experten..
www.canyousea.com

Die Konkurrenten:
Michel Desjoyeaux mit neuem Schiff. Zweimaliger Vendée Sieger.
Jean Pierre Dick mit neuem Schiff. Titelverteidiger BWR 2006.
Alex Thomson Hugo Boss. Zweiter des letzten BWR.
Pachi Rivero auf W-Hotels. Yacht von Loyick Peyron
Alex Pella auf Estrella Damm. Ex Yacht von Jean Pierre Dick.
Dee Caffary auf ex Aviva mit neuem Sponsor und spanischer Co Skipperin (erstes reines Frauenteam)
Albert Bargues auf der Ex-Kingfisher
Andalucia (ex Ecover)
Dominic Wavre mit neuem Sponsor
Herrmann/Breymaier
Pachi Rivero
Iker Martinez, (49er Weltmeister, Olympiasieger und Zweimaliger VOR Teilnehmer) Sponsor Telefonica auf ex Schiff von Michel Desjoyeaux, Siegerschiff des Vendee.
Team, das noch nicht genannt werden will

Pressemitteilung vom Boris Herrmann Racing Team

Boris Herrmann segelt nonstop um die Welt
Sylvester Start mit Ryan Breymaier (USA) zum Barcelona World Race 2010–11
Hochseeheld Boris Herrmann wird Ende diesen Jahres erneut um die Welt segeln, diesmal jedoch nonstop. An Sylvester startet der dann 29-Jährige mit dem US-Amerikaner Ryan Breymaier (36) auf der Ex-„Veolia“ beim Barcelona World Race 2010–11. Die internationale Top-Regatta für Zweimann-Crews wird auf 21 Meter langen IMOCA Open 60-Yachten ausgetragen. Damit ist er der erste Deutsche überhaupt, der in dieser Klasse an einem Wettkampf teilnimmt. Zu den Gegnern zählen alle namhaften Extremsegler der Szene. Das Rennen mit Start- und Zielhafen in der spanischen Hafenstadt führt über 25.000 Seemeilen (gut 46.000 Kilometer) in rund drei Monaten um das Kap der Guten Hoffnung und das berüchtigte Kap Hoorn. Anderthalb Jahre nach seinem glorreichen Sieg beim Portimão Global Ocean Race rund um die Welt mit Felix Oehme auf der „Beluga Racer“ geht der geborene Oldenburger Boris Herrmann damit den nächsten konsequenten Schritt auf dem Weg zur Einhand-Weltumseglung, der Vendée Globe 2012.

„Das Barcelona World Race ist eine phantastische Herausforderung, physisch und psychisch, eine der härtesten Regatten überhaupt“, zollt Boris Herrmann dem außergewöhnlichen Anspruch an Mensch und Material größten Respekt. Anders als bei seinem ersten Husarenstreich, der 2008/09 in fünf Etappen um den Globus führte, ist nun überhaupt kein Halt vorgesehen, wenn auch Reparaturstopps erlaubt sein werden. Außerdem sind die Open 60s nicht nur anderthalb mal so lang wie die Class 40-Yachten, auf denen Herrmann zuvor segelte. Die Schiffe sind auch wesentlich schneller und daher anspruchsvoller zu manövrieren. Spektakuläre Bilder bei Höchstgeschwindigkeiten von mehr als 30 Knoten (60 km/h) sind garantiert. Herrmann: „Diese Boote sind das Nonplusultra für kleine Mannschaften.“ Und die IMOCA-Klasse freut sich, dass durch den ersten deutschen Skipper eine weitere Nation hinzugewonnen wird, die sogar im zukünftigen Regattakalender berücksichtigt werden könnte.

Der spanische Regattaveranstalter FNOB (Fundació Navegació Oceànica Barcelona) selbst war auf den deutschen Hochseeartisten aufmerksam geworden und öffnete ihm das Tor zur zweiten Auflage der Weltregatta, indem er beim französischen Rennstall „Kairos“ quasi ein Boot samt Team charterte. „Kairos“ gehört dem erfahrenen Skipper Roland Jourdain, der die „Veolia Environnement“ bei der Premiere des Barcelona World Race in 2008 gesegelt hatte. Ein Namenssponsor für das Boot mit Herrmann und Breymaier soll im Sommer bekannt gegeben werden.
Derweil bereitet sich das deutsch-amerikanische Duo bereits in Concarneau an der französischen Atlantikküste auf den gemeinsamen Auftritt vor. Die Bretagne gilt als Epizentrum der Hochseesegelszene und zieht seit vielen Jahren die besten und aussichtsreichsten Cracks auch aus dem Ausland an. Dazu zählen unter anderem der zweimalige Vendée Globe-Gewinner Michel Desjoyeaux aus Frankreich, der Brite Alex Thomsen und der Schweizer Dominique Wavre, die ebenso zum Barcelona World Race gemeldet haben. „Das Trainingszentrum ist eine Art Eliteschule für jeden, der einmal einen echten Hochseeklassiker gewinnen will“, beschreibt Boris Herrmann die professionelle Atmosphäre.

Der verheiratete Ryan Breymaier, der aus der US-Segelhochburg Annapolis im Bundesstaat Maryland stammt, bringt einen reichen Erfahrungsschatz aus mehreren Kampagnen ein, in denen er nicht nur oft als Vorschiffsmann mit an Bord, sondern auch als versierter Techniker für das Rigg zuständig war. Wetter und Navigation sind zudem seine Steckenpferde. Herrmann: „Ryan verkörpert den sympathischen Prototypen eines amerikanischen Profiseglers, effizient und relaxed zugleich. Wir haben uns auf Anhieb glänzend verstanden und freuen uns auf die gemeinsame Sache.“ Für den blonden US-Boy steht fest: „Wir wollen unser Abenteuer sowohl mit den eingefleischten Fans teilen, als auch mit einer großen Gemeinde von Nicht-Seglern, die es zu begeistern gilt. Und natürlich wollen wir am liebsten gewinnen, obwohl wir natürlich wissen, wie schwer es werden wird, den Favoriten Paroli zu bieten.“

Derzeit steht für die Zweier-Crew mit der „V1“, so der vorläufige Arbeitsname, ein mehrtägiger Testtörn zu den Azoren und zurück an. Die vormalige „Veolia“ von Jourdain wurde 2004 nach einem Design von Marc Lombard und Eric Levet gebaut, die auch die siegreiche „Beluga Racer“ gezeichnet hatten. Der Rumpf (ohne Bugspriet) ist 18,24 Meter lang und 5,50 Meter breit. Mit vier Meter Tiefgang des Schwenkkiels, Wasserballast und seitlichen Steckschwertern zum Trimmen entfalten die IMOCA-Boote ihr ganzes Potential vor allem vor dem Wind bei 600 Quadratmeter Segelfläche unter Groß und Gennaker. Die Yacht gewann das Calais Round Britain Race 2005 und die berühmte Route du Rhum 2006.

„Trotz guter Voraussetzungen bleiben wir bei der sportlichen Zielsetzung auf dem Teppich“, so Boris Herrmann, „wir wollen das Schiff auf jeden Fall ohne Schäden und ohne Reparaturstopps, aber unter Ausschöpfung seines vollen Potenzials um die Welt bringen. Wenn uns das gelingt, haben wir die realistische Chance auf ein gutes Resultat.“ Dabei sein werden mehr als ein Dutzend Teilnehmer, darunter Titelverteidiger Jean Pierre Dick aus Frankreich mit einem Neubau, 49er-Olympiasieger Iker Martinez (Spanien) auf dem Vendée-Siegerboot von Desjoyeaux und die Engländerin Dee Caffari mit einer einheimischen Co-Skipperin als reine Frauenmannschaft – aber nur ein Deutscher. Zum Start erwarten die Gastgeber weit mehr als hunderttausend Zuschauer und planen eine Fernsehliveübertragung.
Ab Neujahr 2011 dann müssen die Teams von unterwegs per Satellitenkommunikation hautnah von ihren Regattaerlebnissen berichten. Mit einem Trackingsystem wird der Rennverlauf anhand der Positionsmeldungen rund um die Uhr im Internet auf www.barcelonaworldrace.com und der neuen Website www.BorisHerrmannRacing.com dargestellt. Packende Fotos und Videos sowie Stimmungsberichte per Email von Bord werden das Salz in der Suppe ausmachen, bevor der Zieleinlauf nach geschätzten 85 bis 95 Tagen wieder zu einem zuschauernahen Spektakel der besonderen Art wird.

Für Boris Herrmann, der Mitglied im Kieler Yacht-Club und auch an der Förde zuhause ist, wird das Barcelona World Race ein weiterer Meilenstein in seiner steilen Karriere. Neben zahlreichen Erfolgen im 505er machte er sich 2007 mit einem sensationellen zweiten Platz im Artemis Transat-Rennen von Plymouth/Südwestengland nach Boston/USA international einen Namen. Der viel umjubelte Triumpf im ersten Portimão Global Ocean Race über 35.000 Seemeilen war voriges Jahr sein Gesellenstück. „Ich bin der Beluga Shipping GmbH für die großartige Unterstützung und Zusammenarbeit über die vergangenen zwei Jahre sehr dankbar“, so Herrmann, „und glücklich, das Privileg gehabt zu haben, mit diesem innovativen Unternehmen im Rücken und dem hohem individuellen Engagement zahlreicher Mitarbeiter dieses passionierte Abenteuer gemeistert zu haben.“

Sein großes Ziel bleibt der erste deutsche Start bei der Vendée Globe 2012, der Krone der Einhandsegler rund um die Welt. Zur Realisierung dieses Traums und zur optimalen Vermarktung der Teilnahme am Barcelona World Race befindet sich die Boris Herrmann Racing GmbH in Gründung. Unter Führung von Boris Herrmann und Arno Kronenberg, Hochseesegler und Yachtbroker aus München, sollen diese beiden faszinierenden und extremen Weltumsegelungen einer breiten Öffentlichkeit zugängig machen.

Carsten Kemmling
Spenden
https://northsails.com/sailing/de/

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