Boris Herrmann zu Gast in der NDR Talkshow „3 nach neun“. Über die Vendée, Blitzschlag und ein Boot als Labor

„Die Vendeé zu segeln ist fast ein Indoor-Sport“

Boris Herrmann war zu Gast in der NDR-Talkshow „3 nach neun“ – und sprach über das Alleinsein auf See, über die härteste Nacht seiner zweiten Teilnahme an der Vendée Globe und über die Frage, warum Hochseesport mehr ist als ein Rennen um Platzierungen. 

Boris bei „3 nach neun“© Radio Bremen

 

Displays, Daten und Alarme

Die Vendée Globe nennt er „ein riesen Abenteuer“, eines ohne doppelten Boden. „Man kann auch nicht dafür bezahlen, dass einen da jemand begleitet. Man muss da alleine sein.“ Es gehe ihm dabei nicht um Einzigartigkeit, sondern um einen Kindheitstraum. Segeln sei sein Sport seit frühester Jugend. „Irgendwann war das dieser Traum, dieses Rennen zu segeln.“ Und der sei mit der ersten Teilnahme nicht erledigt gewesen, denn es gehe auch um Wettbewerb und Ehrgeiz.

Besonders eindrücklich schildert Herrmann die Gewitternacht während der jüngsten Ausgabe. Ein Blitz schlug in unmittelbarer Nähe ein, „die statische Ladung hat dann einen Großteil meiner Elektronik zerstört“ . Autopilot, Radar, zentrale Systeme – ausgefallen. Die modernen IMOCA-Yachten sind hochkomplexe Prototypen. Ohne Elektronik sind sie kaum allein zu beherrschen. Angst habe er in solchen Momenten nicht als lähmend erlebt. „Krisen sind manchmal die einfachsten Momente“, sagt er. In solchen Momenten sei klar, dass sofort etwas zu tun ist.

Professionell nüchtern beschreibt er auch die Realität an Bord. Segeln sei heute fast ein „Indoorsport“, weil die Boote so schnell geworden sind, dass man sich an Deck kaum noch sicher bewegen könne . Vieles spiele sich geschützt unter einer Art Dach ab, mit Displays, Daten und Alarmen. Geschlafen wird in Intervallen von 15 bis 30 Minuten. Über Wochen. Das funktioniere, sagt Herrmann, wenn man es trainiert.

Romantik gibt es trotzdem. Lange Dämmerungen im Südsommer rund um die Antarktis, Farben von Meer und Himmel, Albatrosse. „Da sind ganz tolle Momente, wo man so mit der Natur verbunden ist“ . Und doch bleibt er Realist. Das Meer rieche draußen kaum, eher geruchlos. Nur nach einem nahen Blitzeinschlag habe man „die verbrannte Luft“ gerochen .

Meeresschutz ist kein Nebenaspekt

Ein zentrales Thema des Gesprächs ist sein Engagement für die Meeresforschung. Auf seinen Offshore-Racern werden während der Regatten kontinuierlich Daten gesammelt – CO₂-Werte, Temperaturprofile, Parameter, die für die Klimaforschung relevant sind. „Die Ozeane absorbieren eben die meiste zusätzlich entstehende Wärme“ durch die Erderwärmung, erklärt Herrmann . Vier der 40 Teilnehmer hätten zuletzt entsprechende Messtechnik an Bord gehabt. Das bedeute Zusatzgewicht und damit einen Wettbewerbsnachteil. „Aber wenn ich immerhin ankomme, habe ich wenigstens die Daten mitgebracht“, sagt er . Für ihn ist das kein Nebenaspekt, sondern eine Rechtfertigung seines aufwendigen Sports.

Seine neue IMOCA, mit dem er die kommenden großen Rennen angehen will, sei entsprechend konzipiert – schnell, kompromisslos, aber zugleich als schwimmendes Forschungslabor. Die Ambition bleibt sportlich. Nach zwei Vendée-Teilnahmen geht es nicht mehr nur ums Ankommen. „Wir wollen eben natürlich auch vorne dabei sein“ .

Das Originalvideo gibt es in der ARD Mediathek zu sehen. (Bild anklicken zum Video)

Foto: 3 nach neun Talkshow

Ein Kommentar zu „Boris Herrmann zu Gast in der NDR Talkshow „3 nach neun“. Über die Vendée, Blitzschlag und ein Boot als Labor“

  1. Superglu

    sagt:

    Der zweitbeste Skipper im Team Malizia.

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