BWR: “Foncia” am Tafelberg. Dick meckert: “Lächerlicher Kurs.”

Letzte Ausfahrt Kapstadt

"Foncia" nähert sich dem Tafelberg bei Kapstadt. © Richard Boshoff/Barcelona World Race

Beim Barcelona World Race ziehen Jean-Pierre Dick und Loïck Peyron immer weiter davon. Sie haben ihren Vorsprung auf 670 Meilen ausgebaut, seitdem „Mapfre“ schwächelt und langsam vom Verfolgerfeld aufgesogen wird. „Estrella Damm“, „Groupe Bel“ und „Renault“ kommen immer mehr in Schlagdistanz zum zweiten Platz.

Boris Herrmann und Ryan Breymaier haben den Anschluss an diese Gruppe vorerst verpasst, duellieren sich aber auf hohem Niveau mit „Mirabaud“. Mit etwas Glück könnten sie auch den Anschluss an die Spitze wieder herstellen.

Das Shore-Team begrüßt den Havaristen am Kap der Guten Hoffnung. Der Mast sieht gar nicht so kurz aus . © Richard Boshoff/Barcelona World Race

Denn vor dem nächsten Tor könnte die Führungsgruppe von Gegenwind eingebremst werden. Und der durch vier weitere Eistore begrenzte Weg nach Osten lässt kaum ein Ausweichen nach Süden zu. Der Kurs wird durch diese Sicherheitsmaßnahme länger, der Speed geringer und die Gefahr des Einbremsens wächst.

Kein Wunder, dass besonders der führende Jean-Pierre Dick schon genervt ist. „Dieser Kurs mit den Sicherheitstoren ist lächerlich. 2007 kannten wir nicht die Position der Eisberge, und wir segelten weit in den Süden. Nun wissen wir sogar, wo sie sind und dürfen dort nicht mehr hin.“

"Foncia" läuft in den markanten Hafen von Kapstadt ein. © Richard Boshoff/Barcelona World Race

Er sieht schon die Konkurrenz im Rückspiegel auftauchen, weil der erzwungene nördliche Kurs durch zahlreiche Flauten führe. Das Rennen sei noch lange nicht zu Ende.

Auch Kollege Peyron meckert. “Sogar die Albatrosse werden jetzt schon seltener auf diesem Kurs. Was sollen wir tun, wenn wir nicht einmal Eis für den Aperitif haben?“ Durch die längere Strecke könne auch das Essen knapp werden. „Dieser große blonde Mann mit mir an Bord beginnt schon, Sachen aus meiner Tasche zu stehlen. Ich werde wohl eine Falle aufstellen.“

Karte vom 29.1. "Virbac" liegt noch weit vorne. Im Kampf um Platz zwei haben sich die Verfolger wieder zusammengeschlossen. © Richard Boshoff/Barcelona World Race

Die „Neutrogena“ hat keine schlechte Position für eine Aufholjagd. Und bei den harten Raumschotsbedingungen im Southern Ocean schlägt sich das deutschamerikanische Duo gut. Ryan Breymaier berichtet von Bord der: „Gestern starteten wir den Tag mit dem großen Spi bei nur sechs Knoten Wind. Aber dann wurde es Gott sei Dank stetig mehr. Heute Morgen waren es 30 bis 32 Knoten, vor denen wir mit kleinem Gennaker und einem Reff abliefen.

Der maximale Boot-Speed betrug 27 Knoten. Dafür sind wir hierher gekommen. Und dafür ist „Neutrogena“ gebaut. Sie surft wunderschön. Der Bug taucht nicht ab und es geht kontolliert ab wie bei einem Zug, wenn auch bei einem nervösen Zug.“

Derweil sind Michel Desjoyeaux und Francois Gabart heil in Kapstadt angekommen. Der große Favorit erklärt: „Francois ist zweimal den Mast geklettert und hat ein externes Fall angebracht. So konnten wir das Groß mit einem oder zwei Reffs segeln und dazu eine Fock setzten. Wir sind gut voran gekommen. Es war Glück im Unglück, dass Kapstadt so nahe lag.“

Durch die Eistore, werden die taktischen Möglichkeiten geringer und der Weg um den Globus weiter. Die führende "Virbac" kann aber auch kaum auf die Verfolger reagieren. © Richard Boshoff/Barcelona World Race

Desjoyeaux macht auch keinen Hehl aus seiner Enttäuschung, wendet sich aber geistig schon den neuen Aufgaben zu. Im April werde er auf dem Genfer See in den Julius Baer Challenge eingreifen, die Serie mit Decision 35 Katamaranen von Ernesto Bertarelli. Danach werde er sich weiter um die Entwicklung der Multihull One Design Klasse (MOD 70) kümmern, die 2014 starte. Das dritte Schiff werde gerade gebaut.

Der Einhand-Star preist den „unglaublichen Zweikampf“, den „Virbac-Paprec 3“ bis zum Ausscheiden geliefert habe. „Es war solch ein hohes Wettkampf-Level, den wir unbedingt bis Barcelona halten wollten.“

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Francois Gabart sagt dazu: „Sie haben es uns extrem schwer gemacht mit allem Respekt und großem Sportsgeist. Ich werde mich noch lange an diese intensive Phase erinnern.“

Der junge Franzose will sich jetzt  ganz der Vorbereitung für das nächste Einhand Rennen um die Welt widmen, der Vendee Globe. Dafür baut er ein neues Boot. „In diesen wenigen Wochen mit Mich habe ich für das Segeln so viel gelernt,  wie sonst nicht in Jahren.“

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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