Caribbean 600: Hamburger Class 40 Duell – Blumencron knapp von “Iskareen” geschlagen

"Wir haben überlebt"

Die Caribbean 600 war insbesondere durch die starke Class 40-Flotte mit acht Schiffen geprägt. SegelReporter Hinnerk Stumm traf an Bord der „Red“ die sichtlich erschöpften Felix Oehme und Matthias Müller von Blumencron.

Der überlegene Class 40 Sieger “Earendil” aus Frankreich. © RORC/Tim Wright

Die Class 40 segelte mit acht Booten beim Caribbean 600 ihr eigenes Rennen. Dabei machte den Teams besonders die finale 30 Meilen lange Kreuz bis zum Ziel in Antigua zu schaffen. An der Spitze zog die “Eärendil” der Französin Catherine Pourre einsam ihre Kreise. Sie kam gut drei Stunden vor Louis Burton, dem Siebten der vergangenen Vendée Globe, mit seiner “BHB” ins Ziel.

Class 40 Sieg-Skipperin mit Crew. © RORC/Arthur Daniel

Pourre ging mit einer fünfköpfigen internationalen Crew aus Frankreich, Italien und Spanien an den Start und beschreibt ihren Kampf mit der Seekrankheit. “Es wehte fast immer mit mehr als 25 Knoten und wenn wir gegenan segelten, wurde ich seekrank. Es war schwierig, sich wieder zu erholen, weil es keine Atempause gab. Und selbst die Raumschotskurse waren hart.”

Die Französin betont die Herausforderung dieser Regatta wegen der vielen Manöver bei dem Zickzack-Kurs um die Inseln und hält sie nun für eine der schwierigsten nach den harten Bedingungen. Sie hofft auf noch mehr Boote im nächsten Jahr. Denn die Klasse entwickle sich prächtig. Für die Route du Rhum im nächsten Jahr gebe es 58 potenzielle Kandidaten.

Die drittplazierte “Iskareen” Crew in Antigua (hier zu viert). © RORC/Arthur Daniel

So war auch die Hamburger Crew um Skipper Arnt Bruhns begeistert von dem Erlebnis, das so gar nichts mit dem erwarteten Karibik-Segeln zu tun hatte. Die beiden Franzosen an der Spitze blieben für die ehemalige “Nivea” zwar außer Reichweite, aber dafür nahm sie das Duell mit den NRV-Clubkollegen auf der “Red” gefangen.

Fast die 20 Knoten geknackt mit der “Iskareen”:

Mathias Müller von Blumencron hatte neben dem Hochsee-erfahrenen Felix Oehme erstmals seinen Bruder Othmar an Bord holen können, der nach seiner langen Zeit im DSV-Finn-Dinghy-Kader und der Olympiateilnahme für die Schweiz in den USA lebt. Aber zu viert ging ihnen am Ende die Puste aus und auf der langen Zielkreuz mussten sie schließlich die deutschen Kontrahenten mit dem australischen Spezialisten Scott Cavanough (36) um gut eine halbe Stunde ziehen lassen.

Für Blumencron war es dennoch eine gute Erfahrung, wie er Hinnerk Stumm in Antigua erzählt:

Stumm: Sehr starke Winde, zahlreiche Squalls bis in 40 Knoten und eine konfuse karibische See. Die Caribbean 600 waren in diesem Jahr kein Kinderspiel. Wie lief es für Euch?

Blumencron: In der Tat. Das Rennen war von der ersten bis zur letzten Minute sehr hart. Sowohl für das Material wie für die Physis. Schon in der Startphase wehte es mit 34 Knoten. In der letzten Nacht segelten wir unter Groß und Spi, als wieder ein Squall aus der Dunkelheit heranrauschte, und wir gerade noch das bunte Tuch abbergen konnten. Wir haben ihn danach nicht mehr gesetzt, wollten kein Risiko mehr eingehen. Aber es war auch ein schönes, spannendes Rennen. Gerade gegen die anderen Class 40. Wir hatten sozusagen ja auch noch unsere Privat-Regatta.

Nicht wenige Yachten mussten aufgeben – ob aus Erschöpfung oder Materialversagen. Gab es bei Euch Bruch?

Blumencron: Nein, das Material hat bis auf Kleinigkeiten im Cockpit gut durchgehalten. Es war eher die Mannschaft, die sich doch ein paar Prellungen durch Stürze im Cockpit zugezogen hat. Mein Bruder Othmar hat Probleme mit seiner Schulter. Aber gut, wir haben überlebt, nichts Dramatisches (lacht).

Die Caribbean 600 zählt zu den schönsten Regatten de Welt. Was macht das Rennen Eurer Meinung nach aus?

Oehme: Das Rennen durch die Inselwelt der Antillen ist sehr tricky. Ständig wechseln die Kurse, man hat kaum Zeit sich auszuruhen. Zwischen den Inseln gibt es normalerweise Düsen- und Kapeffekte, auf die man reagieren muss. Hinzu kommen die typischen Squalls. Aber in diesem Jahr war alles anders. Der durchweg sehr starke Wind hat die regionalen Effekte überlagert, was die Regatta aber nicht einfacher machte. Es war ein ungewöhnlich hartes Rennen unter Offshore-Bedingungen.

Eure Class 40 ist ein extremes Boot mit guten Gleiteigenschaften, vorrangig gebaut für raume Kurse. Was macht den Reiz aus?

Blumencron: Sicherlich, wir hatten vor dem Wind Bootsgeschwindigkeiten weit über 20 Knoten, aber die Class 40 kann auch kreuzen. Als ich „Red“ damals erwarb, war die Klasse erst im Entstehen und ich fand das sehr spannend. Man kann so vergütungslos segeln. Und das mit kleiner Crew double handed. Im Gegensatz zu den meisten anderen Yachten braucht man eigentlich nie mehr als vier Segler.

Gunnar Knierim, Werft-Chef bei Knierim-Yachts, segelte auf dem dort gebauten, reinrassigen Racer „Varuna“ mit und erzählte, dass die AmWind-Kurse auf solchen Yachten mittlerweile eigentlich die Erholungskurse sind, während man raumschots quasi ständig unter voller Manpower hochkonzentriert segeln muss.

Oehme: Absurd oder? Aber in der Tat, gerade bei so viel Wind wie auf dieser Regatta. Eine Yacht wie Varuna erreicht dann Gleitgeschwindigkeiten von 30 Knoten und mehr. Das Material muss entsprechend mehr aushalten. Wenn man da nachts, bei wenig Sicht, eine Welle falsch aussteuert oder übersteuert, kann das fatale Auswirkungen für das Rigg oder Boot haben. Der raume Gennaker-Gang erfordert da volle Konzentration und ein perfektes Zusammenspiel der Crew.

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden

2 Kommentare zu „Caribbean 600: Hamburger Class 40 Duell – Blumencron knapp von “Iskareen” geschlagen“

  1. avatar baltico sagt:

    Wer war eigentlich der vierte Mann auf Red?

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *