Champions League: Hemelingen holt Bronze vor NRV – Italien siegt im “Schweinerennen”

Starke deutsche Liga

Ein fieses Finalrennen entscheidet die Sailing Champions League zu Gunsten der Italiener, die dennoch verdient gewannen. Bremen (3.) und Hamburg (4.) wie auch Bayern (6.) zeigen das hohe Niveau der Bundesliga.

Die Idee ist ja gut – kein Wunder, sie stammt von der Legende Paul Elvström: Für das Finale qualifiziert sich nur eine minimale Anzahl von Booten und dann entscheiden nur noch Siege in der letzten Mini-Serie über den Gewinn der Gesamtwertung.

Elvström nannte dieses Format Triple-Race, und es sorgt seit Jahren bei der Meisterschaft der Meister für Spannung. Nun sind vier statt drei Boote im Finale von St.Moritz, und es soll so lange gesegelt werden, bis eines zwei Siege aufweist.

Eine gute Innovation. Fair, weil der Gewinner der Hauptserie schon einen Sieg-Punkt mitnehmen darf, verständlich, weil der Sieger des letzten Rennens auch Gesamtsieger ist, emotional, weil der Jubel auf der Ziellinie sichtbar wird.

Der WVH holt sich die Bronzemedaille. © SAILING ENERGY

Blöd nur, dass auch dieses Format Wind benötigt. Und der bleibt in St. Moritz auch am letzten Tag des Champions League Finals aus. Bis zum Verstreichen der Deadline für das letzte Hauptrunden-Rennen kannkein ganzer Flight gesegelt werden, und sieben Teams müssen ihre fehlende achte Wertung aus dem Mittel der vorherigen sieben Läufe berechnen.

Das hätte auch dem Deutschen Touring Yacht-Club gut geschmeckt. Er wäre auf Rang drei gelandet. Stattdessen muss er kurz vor der Deadline noch mal ran zum letzten Lauf. Platz drei würde ausgereichen für die Final-Quali, und nach einer Runde liegen die Bayern genau im Soll. Aber kurz vor der Luvtonne gehen die Lichter aus auf der rechten Seite. Ggleich drei Boote rutschen durch. Game over! Der dominierende deutsche Verein der vergangenen drei Tage ist plötzlich draußen.

Das Team hat sein Fazit in ein hübsches Gedicht gepresst:

Ohne Erwartungen angereist
segelten wir zunächst recht dreist.
Bis zum letzten Tag geführt,
und auch nicht die Tonne berührt.
Gesegelt wurde heute ohne Wind,
Und leider gar nicht so geschwind.
Wir standen um die Wette,
ach wenn doch nur der Wettfahrtleiter erbarmen gehabt hätte…
Wir versuchten immer richtig zu denken und zu lenken,
doch man wollte uns den Sieg nicht schenken.
Es war eng und feucht,
wir wurden aus den Top 4 verscheucht.
Lake Emmentaler werden wir nicht vergessen,
besonders nicht das leckere Abendessen.
Zu sagen bleibt uns nicht viel,
wir sehen uns wieder in Kiel.

Dennoch ist die deutsche Liga mit zwei Clubs im Finale vertreten. Der Wassersportverein Hemelingen beginnt den Tag mit einem souveränen Start-Ziel-Sieg. Der NRV zieht mit einem zweiten Rang im kniffligen siebten Rennen nach, und macht mit einem schwierigen Sieg im achten Flight den Sack zu.

Die Sieger aus Bari um Simone Ferrarese © SAILING ENERGY

Die anderen beiden Plätze belegen die Schweizer von der Société Nautique de Genève als Führende nach der Qualifikation. Steuermann Guillaume Girod hat für seinen Verein schon 2017 mit dem Championsleague Bronze-Platz in Porto Cervo Klasse bewiesen.

2018 gewann dort die Qualifikation der Circolo della Vela Bari mit Simone Ferrarese am Steuer, und er lässtsich auf dem St. Moritz See auch vom Leichtwind nicht negativ beeindrucken. Die Italiener gestalten die Hauptrunde souverän, wenn dieses völlig verpatzte sechste Rennen nicht gewesen wäre. In Führung liegend verlieren sie die Nerven und lassen sich nach zwei Penalties bis auf den letzten Platz durchreichen.

Es reicht dennoch für die Top vier. Als das Finale startet, ist klar, dass es wohl doch nur ein Rennen gibt, um diese Auflage der Champions League zu entscheiden. Die Zeit läuft weg, der Wind wird immer schwächer.

Die Teams auf dem Treppchen. © SAILING ENERGY

Bremen gewinnt den Start am Pin-End, Hamburg dreht ab taucht achtern durch, passiert auch hinter den Genfern, segelt aber mit gutem Speed frei nach rechts, wo die Italiener einen schweren Stand haben.

An der Luvtonne behauptet der NRV eine knappe Führung vor den Genfern und Bremen, aber vor dem Wind gelingt dem WVH kurz vor dem Leetor das Überholmanöver. Der NRV kann auf der Kreuz kontern, holt sich über links eine solide Führung zurück, bis es dann richtig fies wird. An der Luvtonne geht gar nichts mehr. Kein Wind. Tobi Schadewaldt wriggt in eine Halse. Ein echtes “Schweinerennen”. Man müsste es eigentlich abbrechen.

Es kommt, wie es kommen muss. Die eigentlich abgeschlagenen Italiener schieben sich von hinten mit einer Böe irgendwie durch die drei Boote, gewinnen das Rennen und damit die Gesamtwertung. Gut, dass sie während der vier Tage in St. Moritz das überlegene Team waren. So halten sich Zweifel an der Format-Neuerung in Grenzen. Aber Segeln bleibt eben Segeln und hat einfach seine Schwächen. Da helfen die tollsten Gedankenspiele nichts. Ohne Wind geht es nicht!

Duell zwischen Hamburg (l.) und Bremen auf der zweiten Finalkreuz.

Die Position der Italiener an der letzten Luvtone.

Kurz vor dem Ziel liegen alle vier Finalisten auf einer Höhe. Die Italiener setzen sich schließlich knapp vor dem WVH durch.

Die unglaubliche letzte Vorwind-Strecke in der Live-Übertragung:

Ergebnisse Top 19 von 31

Der Segel- und Motoboot Club Überlingen schlägt sich ordentlich auf Rang 15. Die Segelkameradschaft „Das Wappen von Bremen zeigte mit zwei zweiten Plätzen das Potenzial ließ sich aber auf Rang 24 unter Wert schlagen.

Die laufend aktualisierten Ergebnisse

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Champions League: Hemelingen holt Bronze vor NRV – Italien siegt im “Schweinerennen”“

  1. avatar Jorgo sagt:

    Wow, Bremen in der Champions-League auf Bronze!

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