Class 40: Erste Pogo S4 für Stabhochspringer Galfione – auf Scow-Bug zur Route du Rhum

„Bloß nicht die Latte reißen!“

Stabhochspringer Galfione zählt in Frankreich zu den Ikonen der Leichtathletik. Der Olympiasieger brennt mittlerweile fürs Hochseesegeln. Und lässt dafür die erste Pogo S4 bauen – mit Scow-Bug. Ehrensache! 

Neues Boot, neues Glück für den stabhochspringenden Olympiasieger Galfione © structures

Wenn irgendwo ein neues Boot unter noch so strenger Geheimhaltung gebaut wird, bleibt es der französischen Hochseeszene nicht lange verborgen. Meist sickern frühe Details von Préparateur zu Préparateur und Bootsbauer zu Bootsbauer beim Feierabend-Bier durch, dann ploppen erste Mobilphone-Fotos in den Sozialen Medien auf und schließlich sieht sich der „betroffene“ Rennstall gezwungen, eine offizielle Bekanntmachung zu veröffentlichen. 

So lachten schon im letzten Sommer die Möwen von den Werftdächern, dass Pogo eine neue Class 40 bauen wird. Ein Verdier-Riss, der nach den Erfolgen eines Ian Lipinski und Simon Koster bei der Transat Jacques Vabre, beim Normandy Channel Race und bei Rekordfahrten rund um Großbritannien im Prinzip nur mit einem Scow Bug ausgestattet sein konnte, sollte, musste! 

Jean Galfione vor 16 Jahren. © Wiki

Diese erste Pogo S4 wird derzeit bei „Structure“ fertig gestellt und soll in den nächsten Tagen zu Wasser gelassen werden. Bemerkenswert: Der „Plattbug“ ist noch runder und voluminöser als die bisherigen „Vorbilder“ und darf sich nun ohne allzu große Übertreibung „Scow-Bug“ nennen. 

Es war also wirklich keine Überraschung mehr, als Pogo kürzlich die baldige Fertigstellung des neuen Renners ankündigten. Spannender, weil nur bei wenigen Insidern bekannt, war der Name des Skippers, der den ersten Pogo-Class-40-Scow segeln soll. Denn nicht einer aus den großen, finanziell besonders potenten Rennställen hatte sich rechtzeitig für den Bau und Kauf dieses Bootes entschieden, sondern Jean Galfione. 

Ein Leichtathlet mit Faible fürs Segeln

Nie gehört den Namen? Sportbanausen! Denn Galfione ist in Frankreich eine Sport-Ikone. Nein, er hat sich nicht unbedingt beim Segeln einen Namen gemacht, sondern schaffte es in der Leichtathletik in höchste Höhen. Bis zu 6,00 m , um genau zu sein. Denn Jean Galfione ist Olympiasieger im Stabhochsprung (Atlanta 1996), stand mehrfach auf dem Treppchen bei Freiluft-Weltmeisterschaften und sprang schließlich zum Hallenweltmeister.

Von den höchsten Höhen der Leichtathletik direkt auf Meerespiegelhöhe: jean Galfione © Zedda Route du Rhum

Lange her? Mag sein, aber der (heute) 50-Jährige hat es geschafft, im Laufe der vergangenen Jahre im Gedächtnis seiner Fans zu bleiben. Was ihm mit seiner zweiten Leidenschaft bei den meeres- und ozeanverrückten Franzosen ausgesprochen leicht fiel: Segeln.

2007 wurde er vom französischen America’s Cup-Team als Grinder angeheuert – Hochspringer haben starke Oberarme! – doch mit Rang Acht beim Louis Vuitton Cup hatte das Team sozusagen „nicht die richtige Absprungtechnik“ gewählt.

Für Galfione war jedoch klar: „Ich bleibe beim Segeln!“ Das nötige Kleingeld für seinen Einstieg in die Hochseeszene verdiente er sich als TV-Moderator für Leichtathletik-Übertragungen bei Canal+. Außerdem moderierte er jahrelang eine eigene Sendung zu maritimen Themen auf einem klassischen Frachtsegler. 

In der Class 40 weich gelandet

Ab 2008 war der ehemalige Stabhochspringer in der (frühen) Class 40-Szene gelandet, wo er sich zunächst als Co-Skipper die Hörner abstieß, um schließlich auf einem eigenen Boot, nach mehreren Shorthanded-Transat-Regatten, bei der lang ersehnten, epischen Route du Rhum zu starten. Einhand über den Atlantik sei schon seit seiner Jugend sein Traum gewesen, erzählte Galfione nebenher gerne in seinen Moderationen. Also bot sich die RdR an, was sonst? 

Ziemlich Scow, der Bug © structures

2014 nimmt er zum ersten Mal an seiner Traum-Regatta teil und wird 18. Zufrieden, ohne größere Schäden angekommen zu sein, war der ehemalige Spitzen-Athlet nicht richtig glücklich mit seiner Platzierung. Also machte er weiter in der Class 40, immer gestützt vom gleichen Sponsor Serenis Consulting, einer Immobilien Finanzierungs-Agentur. Für das Normandy Channel Race und den Grand Prix Guyader holte er sich Roland Jourdain zur Seite und „gewann an Profil“ wie Galfione das ausdrückte. 

Entsprechend fit fühlte er sich für die Route du Rhum 2018, bei der er jedoch – wie viele andere Class 40 Segler – wegen miserabler Wetterbedingungen einen Schutzhafen aufsuchen musste und schließlich das Rennen aufgab. 

Seitdem war es etwas still geworden um Jean Galfione, bis er vor Kurzem erneut seine Leidenschaft für die Route du Rhum bekundete und gleichzeitig bekannt gab, dass er dieselbe auf einem nagelneuen Pogo S4-Scow bestreiten werde. 

Enttäuschungen motivieren

Es sei die Enttäuschung seines Leben gewesen, gibt Jean Galfione in Pressemitteilungen zu, als er die Route du Rhum aufgeben musste. Doch in der Zwischenzeit habe er von seinem Durchhaltevermögen profitiert, das er sich in seinen Leichtathletikjahren mental wie auch physisch antrainiert habe. 

Heißeste Pogo die Derzeit zu haben ist : Die Class 40 S4 © structures

Besonders schwer sei es gewesen, den richtigen Zeitpunkt für den Bau eines neuen Bootes zu finden. Einerseits war Galfione und seinen Kampagnen-Partnern nach dem überlegenen Sieg von “Credit Mutuel” bei der letzten Transat Jacques Vabre klar gewesen, dass in Zukunft „nur noch ein Scow-Bug“ wirklich etwas „reißen“ könne in der Class40-Szene. Doch war es nicht sicher, ob die bisherigen Boote bereits der Weisheit letzter Schluss sind. Da habe sich „die Zusammenarbeit mit Pogo Structures gerade im richtigen Moment“ angeboten. 

Der ehemalige Stabhochspringer will nun ab Mitte Juni, nach ersten Test- und Trimmschlägen, am Class 40 Zirkus teilnehmen. Inklusive Zweihand-Regatta Transat Jacques Vabre im Herbst, für die er den Figaristen Eric Peron verpflichtete. 

Doch höchstes Ziel ist und bleibt für den ehemaligen Stabhochspringer eine erneute Teilnahme an der Route du Rhum. Und diesmal will er „rüberkommen“ über den Atlantik und eben nicht die Latte reißen! 

Galfione nach dem Start zur letzten Route du Rhum © courcoux

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Michael Kunst

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