Cole Brauer: Einhandseglerin wird zum Internet-Star – Bei The Ocean Race abgelehnt

Pure Lebensfreude

Cole Brauer (29) hat das nonstop Global Solo Challenge um die Welt nach 130 Tagen auf Platz zwei beendet – aber das ist längst nicht ihre größte Leistung. Die Amerikanerin zeigt eine besondere Facette des Sports. Nächstes Ziel: Vendée Globe.

Cole Brauer in all ihren Facetten. © colebraueroceanracing

“Ein Star ist geboren”, jubeln viele internationale Beobachter über Cole Brauer, die am Donnerstagmorgen vor dem spanischen A Coruña bei ihrer ersten Weltumsegelung zweite wurde. Dabei geht es nicht nur um die herausragende Leistung, nonstop die Welt mit einer Class 40 umsegelt zu haben. Schließlich hat sie damit nach 130 Tagen auf See den bestehenden Rekord des Chinesen Guo Chuan um mehr als sieben Tage unterboten.

Brauer am Ziel – in Class40 Rekordzeit. ©Alvaro Sanchis

Vielmehr noch sorgte sie während ihrer Regatta mit ihrer außergewöhnlichen Präsentation in den sozialen Medien für Aufmerksamkeit. Brauer begann das Rennen mit rund 10.000 Followern auf ihrem Instagram Account, heute sind es genau 466.000. Diese Zahl lässt erkennen, dass die Amerikanerin mit der Präsentation ihrer Reise einen Nerv getroffen hat.

Eine Zusammenfassung des Abenteuers von NBC gibt einen Eindruck davon, wie sie es geschafft hat. Brauer zeigt offen Emotionen, pure Lebensfreude und tiefe Traurigkeit – aber eben auch Leistung.

Cole Brauer am Kap Hoorn. © colebraueroceanracing

Sie ist die einzige Frau in diesem Rennen, das eigentlich schwer als solches wahrgenommen wird. Denn die 16 Starter sind jeweils zu unterschiedlichen Terminen losgesegelt. Es geht um das sogenannte Känguru-Prinzip, das schon mal bei Clubregatten zum Einsatz kommt. Die per IRC-Handicap definierten langsamsten Yachten starteten zuerst, die Schnellsten zuletzt. Für die Boote zwischen 34 und 65 Fuß gab es im spanischen A Coruña 17 mögliche Starttermine je nach Speed-Potenzial. Der Sieger im Ziel ist auch Sieger der Regatta.

Eine interessante Idee von Marco Nannini, der selbst einer der bekanntesten Offshore-Segler in Italien ist. Sien Global Solo Challenge sollte den Low-Budget-Segler ansprechen (Startgeld 7500,- Euro). Insgesamt 56 Solo-Skipper meldeten sich an – ursprünglich wollte auch der Düsseldorfer Philipp Hympendahl am Start sein – Aber die meisten scheiterten wie auch Hympendahl.

Brauer am Ziel ihrer Träume – mit dem Henkelpott in der Hand. ©Alvaro Sanchis

Brauer zog ihren Plan durch. Sie segelte ihre Owen Clarke Class 40 (Bj 2008) schon seit acht Jahren und hatte eigentlich auch beim Transat Jacques Vabre 2023 starten wollen, aber schließlich ließ sie sich überzeugen, dass sie mit dem alten Schiff im Vergleich mit den neuen Plattbug-Designs der Klasse zu deutlich hinterher gesegelt wäre.

Die Skipperin im Hafen von A Coruna auf dem Vorschiff. ©Alvaro Sanchis

So ging es bei der Weltumsegelung mehr ums Durchhalten, Seemannschaft und solide Routenplanung. Von 16 Teilnehmern sind inzwischen 9 ausgeschieden. Der Finne Ari Känsäkoski (53) trieb etwa ohne Rigg vor Madagaskar, der Kanadier William MacBrien trieb 46 Stunden lang auf Boris Herrmanns alter Class 40, mit der dieser seine Karriere begonnen hatte, und das Schiff versank schließlich.

Als Brauers Landsmann Ronnie Simpson nach der Kap-Hoorn-Rundung den Mast verlor, nahm das Brauer besonders mit:

Sie selbst blieb von Unglück nicht verschont, flog etwa durch die Kajüte, als ihre “First Light” aus dem Ruder lief. Aber sie zeigte eben auch pure Lebensfreude, wie ihr schon fast legendär gewordenes mitreißendes Musik-Video vom Cockpittanz dokumentiert.

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Carsten Kemmling

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