Corona: Himmelfahrt/Pfingsten bleibt für Segler der Weg zum nördlichen Nachbarn gesperrt

Dänemark hält die Grenzen dicht

In Deutschland nimmt die Segelsaison Schwung auf. Doch für die Segler an der Küste heißt es, auch an den langen Wochenenden in heimischen Gewässern zu bleiben. Denn Dänemark hält die Grenzen bis mindestens zum 1. Juni dicht.

Dänemark zeigt internationalen Gästen derzeit die kalte Schulter. © VisitDenmark

Die Fragen in den Anwaltskanzleien, die sich auf das Yacht-Recht spezialisiert haben, häufen sich: Welche Wege stehen den deutschen Seglern an Himmelfahrt und Pfingsten offen? Und die Antworten für die Yacht-Eigner auf Nord- und Ostsee sind eindeutig: Nach Dänemark geht nichts!

Die Anwälte Ben Tanis und Eckhard v. d. Mosel (hier mit Kieler-Woche-Regattachef Dirk Ramhorst, von links) haben sich auf den Wassersport spezialisiert. Foto: segel-bilder.de

Die Kanzlei Ben Tanis/von der Mosel aus Kiel hat am Montag mit dem dänischen Außenministerium Kontakt aufgenommen, um aus erster Hand zu erfahren, wie ein Grenzübertritt gehandhabt werden würde. „Man sollte auf keinen Fall über die Grenze segeln“, sagte Ben Tanis auf Nachfrage von Segelreporter und führt fort. „Das ist zumindest ordnungswidrig. Um nach Dänemark einzureisen, benötigt man derzeit einen anerkennungswürdigen Grund. Das Segeln gehört nicht dazu.“

Darunter würde nicht nur das Ankern oder das Anlegen im Hafen, sondern allein schon der Übertritt der Seegrenze fallen. „Einzig wer ein Schiff in Dänemark gekauft hat, kann einreisen, um dies auszuführen. Das heißt aber, dass die Anreise direkt in den Hafen führt. Dort muss das Schiff bestiegen und Dänemark direkt verlassen werden. Und bei der Zusammenstellung der Crew gelten die gleichen Kontaktbeschränkungen wie in Deutschland: also maximal Personen aus zwei Haushalten.“

Rechtsanwalt Jochen-P. Kunze berät die Langstreckenregatten und musste von den dänischen Behörden erfahren, dass die Kurse nicht in dänische Gewässer führen dürfen. Foto: Rechtsanwälte Brink und Partner

Auswirkungen hat die strikte Regelung der Dänen auch auf die deutschen Langstrecken-Regatten, die an Himmelfahrt und Pfingsten in dänische Gewässer führen sollten. War man in Deutschland bei den Organisatoren der Doublehand-Regatten Baltic 500 und des Pantaenius Rund Skagen davon ausgegangen, dass nach internationalem Seerecht die dänischen Hoheitsgewässer hätten durchfahren werden dürfen, so wurde dieser Rechtsauslegung durch die Dänen ein Riegel vorgeschoben.

Rechtsanwalt Jochen-P. Kunze aus Flensburg, der die beiden Regatten berät, hat in den vergangenen zwei Wochen intensive Gespräche mit dänischen Behörden und Ministerien geführt. Die richtigen Zuständigkeiten zu finden, war schwierig, letztlich musste Kunze aber zur Kenntnis nehmen, dass die Regattakurse nicht nach Dänemark führen können.

Der geplante Kurs der Baltic 500 wird so nicht laufen können. Grafik: Baltic 500

Plan B für das Baltic 500 ist dabei noch recht einfach. Die Regatta sollte ohnehin in Kiel starten und auch wieder dorthin zurückführen. Nun wird der Kurs eben nach Osten statt nach Norden führen müssen. Ärgerlich ist die dänische Rechtsauslegung für die Nordseewoche-Organisatoren. Um Skagen herum wird es wohl nicht gehen können. Die aktuellen Regelungen gelten zwar nur bis zum 1. Juni. Doch eine Öffnung danach ist fraglich, eine sichere Planung mit einem Kurs von Cuxhaven nach Kiel damit unsicher. Es bleibt daher die Möglichkeit einer Nordsee-Regatta von und nach Cuxhaven.

Dass die Dänen derzeit nicht mit sich spaßen lassen, mussten ganz aktuell die Sylt-Reisenden erfahren. War bisher der Fährweg von der Insel Röm nach List noch möglich, lassen die Grenzer derzeit nur noch in Ausnahmefällen Deutsche zur Fähre. An der Autoverladung nach Sylt haben sich daher lange Staus gebildet von Urlaubern, die auf die Insel wollen. Einzig die Segler in der Flensburger Förde dürfen wohl etwas durchatmen. Laut Kunze wird nach regionaler Absprache ein Kreuzen der Grenze nicht geahndet, wenn der Weg der Skipper nicht tatsächlich nach Dänemark führt.

Das Pantaenius Rund Skagen Rennen wird umplanen müssen. Grafik: Nordseewoche/Hinnerk Bodendieck

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Ralf Abratis

... ist unser Mann aus der "Segelhauptstadt" Kiel. Mehr zu ihm findest Du hier.

3 Kommentare zu „Corona: Himmelfahrt/Pfingsten bleibt für Segler der Weg zum nördlichen Nachbarn gesperrt“

  1. avatar Fritz sagt:

    Da gibt es noch Klärungsbedarf. Denn eine friedliche Passage z.B. durch den Belt in Richtung Schweden ist erlaubt, sonst dürften auch keine Handelsschiffe passieren…Im Seerechtsübereinkommen wird von der sog. INNOCENT PASSAGE gesprochen.

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  2. So seh ich das auch ,die Passage durch den großen Belt oder den Sund wurde selbst den Russen niemals verwehrt. Insofern muss eine sichere Passage im Transit nach Schweden Norwegen oder in den Rest der Welt jederzeit möglich sein . Wohlgemerkt im Transit. Ohne Stop

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  3. avatar Sven 14Footer sagt:

    Würde aber für die beiden Regatten bedeuten, dass man keinen Nothafen anlaufen kann. Vielleicht ist das der Grund warum die Dänen auch ihr Seegebiet geschlossen halten.

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