Das ist es! Johannes Polgar und Markus Koy sind Europameister!

Sommermärchen

Sieg, Sieg! Das Spiel ist aus, aus aus…

Der letzte Zieldurchgang einer überragenden Woche. Zar nur in den 30ern, aber… © Fried Elliott friedbits.com

Während die Fußballer noch eifrig an ihrem Sommermärchen basteln, haben die Segler es schon umgesetzt. Johannes Polgar und Markus Koy gewannen am Wochenende im italienischen Viareggio die offene Starboot-Europameisterschaft. Dabei deklassierten sie die Rekordflotte mit 132 Startern aus 27 Nationen, deren Qualität die einer Weltmeisterschaft erreichte. Mehr als ein Dutzend Olympiasieger und Weltmeister waren am Start. Nach der Serie 1-2-6-21-2-32.5 lagen die Norddeutschen am Ende zehn Punkte vor den punktgleichen Amerikanern Andrew Campbell/Brad Nichol und dem kanadischen ex “illbruck” Crewmitglied Richard Clarke mit Taylor Bjorn.

Johannes Polgar sagte nach dem Zieldurchgang: „Wir sind hier gesegelt, als hätten wir eine Art Schutzschild um uns herum. Auch im letzten Rennen hat alles perfekt geklappt. Wir wussten, dass uns nur noch die Amerikaner gefährden können, sind sensationell gestartet und haben uns dann auf die Deckung konzentriert und sie in die Wicken gesegelt.“ Die armen Amerikaner Mendelblatt/von Schwarz landeten nach der Deckungsarbeit der Deutschen im letzten Rennen auf Rang 36 und rutschten damit auf Platz fünf ab.

Mendelblatt war immerhin auch schon Starboot Weltmeister und Match Race St. Moritz Gewinner. Aber Polgar hatte zu Pfingsten beim Match Race Germany an Bord bei Freundin Kathrin Kadelbach auch an seinen Match Race Fähigkeiten gearbeitet. Im Zweikampf mit den Amerikanern half das. Bei überwiegend leichtem Wind war das Duo überragend mit einem ersten und zweiten Platz in die Serie gestartet und hatte die Führung danach nicht mehr abgegeben. Auch nach dem 21. Platz im vierten Rennen riss die Serie nicht. Sie legten sofort einen zweiten Platz nach und hatten zu diesem Zeitpunkt eine Medaille schon sicher.

Für den im sauerländischen Wenden geborenen 32 Jahre alten Polgar Polgar ist es nach eineinhalb Jahrzehnten in der Katamaranklasse Tornado und zwei Jahren im Starboot der erste große Titel seiner Karriere. „Das ist einfach nur Wahnsinn“, sagte der Steuermann. Sein 35 Jahre alter Vorschoter Markus Koy hatte die Starboot-Europameisterschaft bereits 2008 mit seinem ehemaligen Berliner Steuermann Robert Stanjek gewonnen. Die neuen Europameister segeln erst seit der vergangenen Saison zusammen. Polgar hatte sich von seinem Vorschoter Tim Kröger getrennt und Koy, der nach der America´s Cup Kampagne mit dem deutschen Team in das Starboot gewechselt war, ging mit Steuermann Robert Stanjek auseinander.

Die Trennungen sorgten für Wirbel im deutschen Starboot-Lager. Aber inzwischen haben sich die Gemüter beruhigt und das starke deutsche Team trainiert intensiv miteinander. Dennoch hätten wenige diesen grandiosen Schnelleinstieg erwartet. Denn in den vergangenen Jahren hat sich in der Starbootklasse die Tendenz gezeigt, dass die Einhandsegler aus Laser und Finn Dinghy die 99 Jahre alte Olympiaklasse beherrschen. Polgar war als Steuermann zu leicht und nicht an das brutale Ausreiten mit Hängehose gewöhnt. Dazu musste er sich nach der Zeit im Tornado auf das taktische Langsam-Segeln im Starboot umstellen. Ein Spagat, den nur wenige für möglich gehalten haben.

Aber Polgar blieb dran. Er legte 16 Kilogramm auf rund 86 Kilo zu und nähert sich mit intensiven Trainingseinheiten im Kraftraum und an Messer und Gabel dem Optimalgewicht. Zusammen mit den 112 Kilos von Vorschoter Koy sollten es 200 Kilo insgesamt sein. Parallel zum Training absolvierte Polgar ein Trainee Programm bei Audi, das er mithilfe der Sporthilfe-Ausbildungsunterstützung als Jahrgangsbester abschloss.

Es ist eine extreme Wendung in der Karriere von Johannes Polgar. Nach guten Olympischen Spielen zusammen mit Florian Spalteholz in Peking, wo erst nach Pech im letzen Lauf der Traum von der Medaille platzte waren die beiden jungen Deutschen optimal für einen erneuten Olympia Anlauf im Tornado vorbereitet. Dann kam die Entscheidung, dass der Katamaran aus dem Programm genommen wird. Die Segler standen vor einem Scherbenhaufen. Nun hat sich für Polgar das Schicksal gewendet.

In Viaraggio konnte sich auch der Rest der deutschen Flotte hin und wieder in Szene. Die Lübecker Johannes Barbendererde und Timo Jacobs rutschten aber nach einem Frühstart aus den Top Ten auf Platz 16. Die Berliner Brüder Robert und Philipp Stanjek landeten auf Platz 28. Und die WM-Vierten Alexander Schlonski und Frithjof Kleen mussten auch nach einem Frühstart und zwei Rennen in den 60ern mit Platz 30 zufrieden sein. Da half auch ein Tagessieg nichts.

ENDERGEBNIS

1. Johannes Polgar/Markus Koy (Hamburg/NRV Olympic Team), 32 Punkte
2. Andrew Campbell/Brad Nichol (USA), 43 Punkte
3. Richard Clarke/Taylor Bjorn (CAN), 43 Punkte
16. Johannes Babendererde/Timo Jacobs (Lübeck/Lübecker Yacht-Club), 98 Punkte
28. Robert Stanjek/Philipp Stanjek (Berlin, NRV Olympic Team), 149 Punkte
30. Alexander Schlonski/Frithjof Kleen (Berlin, NRV Olympic Team), 152 Punkte

http://www.stareuropean2010.it/classifica6.pdf

Carsten Kemmling

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