Das Laser-Männerteam um Philipp Buhl gibt sich für die Worlds in Aarhus nicht schüchtern

Philipp Buhl bereit für die Worlds in Aarhus

Philipp Buhl segelte auf der kieler Woche 2018 auf den ersten Platz Bild: Sascha Klahn

Zu den Hempel Sailing World Championships vor Aarhus geht es für die teilnehmenden Nationen vor allem darum, sich einen Platz für die Olympischen Spiele 2020 in Japan zu sichern. Nicht jedoch für die deutschen Laser-Männer. Die wollen mehr! Der Vize-Welt- und Europameister von 2015, Philipp Buhl, und sein Trainer Alexander Schlonski lassen keinen Zweifel daran, dass für sie das Erreichen des Nationentickets für Enoshima allenfalls das Minimalziel sein kann. Für die deutschen Laser steht in Aarhus ein Medaillengewinn auf dem Plan. Mit dieser klaren Kampfansage unterscheiden sie sich deutlich von der sonst üblichen Zurückhaltung und vagen Zielformulierung in der deutschen Nationalmannschaft.

Philipp Buhl hat schon vor Jahren keinen Zweifel an seinen Ambitionen gelassen. Nicht die Teilnahme an Weltmeisterschaften und Olympischen Spiele seien seine Ziele, sondern der Gewinn von Titeln und Medaillen, ließ er wissen. Nicht immer endete die Jagd nach Trophäen tatsächlich auf dem Podium. Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und Erfolge kann der 28-jährige inzwischen zahlreiche aufweisen. 2012 segelte er zum EM-Titel und seinem ersten Worldcup-Sieg, ein Jahr später gewann er mit Bronze seine erste WM-Medaille. Nach WM-Platz vier in 2014, hatte er 2015 sein bisher stärkstes Jahr. Mit Silber zur EM und WM machte er sich zu einem Mitfavoriten für Olympia. Doch die Spiele in Rio waren nicht die von Philipp Buhl. Platz 14 war eine Enttäuschung – und Ansporn für die Zukunft. Im vergangenen Jahr meldete er sich mit WM-Platz vier zurück in der absoluten Weltspitze, die Weltrangliste führte er über Monate an.

In diesem Jahr glänzte der Sportsoldat bereits mit dem zweiten Platz beim Worldcup von Miami. Die große Palma-Regatta ließ er zwar zugunsten der WM in der Motten-Klasse, die aufgrund von Materialproblemen nicht den gewünschten Erfolg brachte, sausen und den Worldcup in Hyeres konnte er nur krankheitsgeschwächt bestreiten. Doch zur Europameisterschaft zeigte sich Buhl wieder auf vollem Leistungsniveau und mit hoher Aggressivität – etwas zu viel Aggressivität. Zwei Frühstart-Disqualifikationen kosteten das Podium und ließen ihn auf Rang sieben abrutschen. „Der zweite Frühstart war sehr knapp und ärgerlich. Hätte er dieses Rennen zu Ende bestreiten können, wäre er Europameister geworden“, sagte sein Trainer Alexander Schlonski. „Das schmerzt, aber ,hätte, wenn und aber‘ zählt eben nicht.“ Doch Schlonski blickt nicht nur auf das reine Ergebnis von La Rochelle. „Wichtig war, dass die Performance stimmte. Das war eine klare Steigerung zu Hyeres. Und unser Zielwettkampf ist eindeutig Aarhus. Um die Nationenqualifikationen machen wir uns dabei keine Gedanken. Philipps Level ist so hoch, dass er nach Höherem streben muss und kann. Eine Medaille ist angestrebt“, so der Trainer, der seinen Schützling nun in der zweiten Saison betreut.

Von einer zu hohen Belastung durch diese Kampfansage will Schlonski nichts wissen: „Philipp kann mit Druck umgehen. Wenn man auf das Podium will, muss man sich darauf auch einlassen. Das heißt ja nicht, dass am Ende ein vierter oder fünfter Platz eine Enttäuschung sein müssen, aber die Medaillenziele sollte man sich schon setzen.“ Diese Einstellung, nicht nur bei der WM gut und bei Olympia dabei sein zu wollen, hebe Buhl aus der Masse der Segler heraus, so Schlonski. Und es sei eine Grundvoraussetzung für Medaillengewinne.

Dass der Fokus dabei aber nicht zu eng auf dem Laser sein sollte, hat das Duo miteinander abgesprochen. So machte der Vorzeige-Athlet im vergangenen Herbst einen Ausflug auf den Star und demonstrierte der versammelten Weltelite auf dem Kielboot seine Stärke. Und auch die Motten-Regatten öffnen immer wieder den Blickwinkel. „Man muss auch den Spaß erhalten. Außerdem bringt einen die andere Technik weiter. Wenn es nicht zu viel Ausflüge gibt, sind sie gut. Immerhin segelt Philipp seit eineinhalb Jahrzehnten Laser. Da braucht man auch mal ein bisschen Abwechslung“, so Schlonski.

Der Laser-Bundestrainer hat mit Philipp Buhl einen starken Frontmann. Doch auch in dessen Schatten herrscht ein hohes Leistungsniveau in der deutschen Mannschaft. Nik Aaron Willim und Theodor Bauer sind die Thronfolger, die allerdings nicht darauf warten wollen, dass Buhl den Platz frei macht. Auch ihr Ziel sind die Olympischen Spiele 2020. Schlonski: „Mit Philipp haben sie allerdings eine harte Nuss zu knacken. Aber trotz der Konkurrenz haben wir eine sehr gute Zusammenarbeit. Philipp ist sehr offen und gibt den beiden alle Unterstützung, die sie brauchen.“ Mit den Norwegern gibt es zudem eine fruchtbare Kooperation, so dass stets eine starke internationale Trainingsgemeinschaft von fünf, sechs Athleten gemeinsam arbeiten kann.

Der Weg zu den Hempel Sailing Worlds ist für die deutschen Laser-Segler klar abgesteckt. Nach der EM war eine Woche Pause, danach wurde vor Kiel trainiert. Während Philipp Buhl noch im Juni das Worldcup-Finale vor Marseille bestreiten wollte, konnten sich die beiden anderen nach der YES-Regatta bereits ganz auf die Kieler Woche konzentrieren. In einem packenden Medalrace sicherte sich Buhl den Sieg auf der Kieler Woche, indem er  sich auf der Ziellinie noch vorbeischob und so den entscheidenen Punkt sammeln konnte. Jetzt steht Aarhus an – mit der Möglichkeit, driekt das Ticket für Tokyo zu lösen und um die Medaillen mitzusegeln.

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Ralf Abratis

... ist unser Mann aus der "Segelhauptstadt" Kiel. Mehr zu ihm findest Du hier.
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