Dänische Match Racerin nach Trainingsunfall wiederbelebt

„Der Alptraum meines Lebens“


Trine Abrahamsen (28), hier bei einem Match Race in Schweden, trainiert hart mit ihrer Crew, um den Anschluss an die Weltspitze zu schaffen. © Dan Ljungsvik/Stena Match Cup Sweden

Die dänische Match Racerin Trine Abrahamsen (28) hat sich am Freitag mit ihrer Elliott 6M bei einer Starkwind-Trainingseinheit vor Kopenhagen überschlagen und dabei ihre Crew Lark Nørgaard und Lerke Christoffersen verloren.

Nur die Steuerfrau konnte sich nach der Kenterung an dem Kielschiff festhalten, als es sich wieder aufrichtete, berichtet Troels Lyke vom dänischen Online-Segelportal minbaad.dk. Beim Versuch, alleine den schlagenden Spi zu bergen, wurde das Boot weit von den schwimmenden Mitseglerinnen abgetrieben. Nach dem Manöver konnte Abrahamsen die Freundinnen im aufgewühlten Wasser nicht mehr finden.

Deshalb beschloss die Dänin, den Hafen von Taarbaek anzulaufen, um Hilfe zu holen. Zahlreiche Helfer suchten danach mit Schlauchbooten nach den vermissten Seglerinnen. Aber erst ein Helikopter fand die im Wasser treibenden Frauen fünfzig Minuten nach dem Eingang des Hilferufs in der Rettungszentrale.

Die schwer unterkühlten Seglerinnen wurden abgeborgen. Lark Norgaard konnte schon am nächsten Nachmittag aus dem Krankenhaus entlassen werden, Lerke Christoffersen hatte aber das Bewusstsein verloren und musste schließlich wiederbelebt werden.

Nachdem sie im Universitätskrankenhaus von Kopenhagen in ein künstliches Koma versetzt worden war, konnte sie aber schon am Sonntag Morgen aufgeweckt werden. Sie soll keine körperlichen Schäden davongetragen haben. Eine Woche lang bleibt sie zur Beobachtung im Krankenhaus.

Laut einer Meldung des Koneglig Dansk Yacht Club hat die Skipperin nach dem Vorfall gesagt:“ Es ist der Alptraum meines Lebens. Aber ich bin froh, dass alles offenbar einen guten Ausgang nimmt. Als ich sie nicht finden konnte, gab es nur noch eine Möglichkeit: Hilfe holen. Aber es war eine schrecklich schwere Entscheidung Richtung Land zu segeln, wo ich doch wusste, dass die beiden noch draußen im Wasser sind.“

Lark Norgaard sagt zu dem schrecklichen Erlebnis: „Zweifellos war diese Stunde im Wasser eine der längsten in meinem Leben.“ Sie musste mit ansehen, wie die Freundin immer schwächer wurde und schließlich durch die Kälte das Bewusstsein verlor.

Die Hubschrauberbesatzung erklärt, dass sie die Schwimmer nur so schnell finden konnte, weil sie die leuchtenden Farben des Ölzeugs gesehen hätte.

Das junge Team bewirbt sich um einen Platz bei den Olympischen Spielen in London 2012. Abrahamsen ist zurzeit 40. der Weltrangliste im Frauen Match Race und viertbeste Dänin. Sie muss mit aller Macht den Abstand zu den Gegnerinnen aufholen, wenn sie im nächsten Jahr bei der Qualifikation eine Chance haben will.

Deshalb wird sie die Wasserarbeit intensiviert und selbst organisierte Starkwind-Einheit auf den Trainigsplan gesetzt haben. Wassertraining zu dieser Jahreszeit ist für die skandinavischen Segler allerdings keine Besonderheit.

Im dänischen Verband wird inzwischen diskutiert, wie so ein Vorfall passieren konnte. Eine offizielle Aussage dazu soll es aber erst nach einer Untersuchung der Umstände geben.

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Carsten Kemmling

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7 Kommentare zu „Dänische Match Racerin nach Trainingsunfall wiederbelebt“

  1. avatar Kathrin sagt:

    Wie kann man denn bei solchen Bedingungen und solchen Temperaturen ohne Trainer rausgehen?

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  2. avatar Peter Pan sagt:

    @ kathrin: an land stehen immer die besten kapitäne. nichts für ungut…

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  3. avatar future sagt:

    wie kann man 2010 OHNE HANDY alleine aufs wasser gehen und stattdessen “in den hafen fahren um hilfe zu holen”?!? wasserdichte handies gibts ab 70€ und auch dafür fände sich sicherlich nen sponsor.
    (vom fehlenden trainer-/begleit-/sicherungsboot mal ganz abgesehen!)

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  4. avatar Peter Pan sagt:

    @ future: an land stehen immer die besten kapitäne. nichts für ungut…

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  5. avatar Olli sagt:

    Wenige kämen wohl auf die Idee, im Winter bei Starkwind ohne Trainer eine Runde 49er zu drehen, aber bei der Elliot sieht das anders aus. Andererseits frag ich mich gerade, wieviel weniger am Freitag der Wind in Kopenhagen wohl war als bei uns. An der deutschen Ostseeküste flogen zumindest die Kühe von den Deichen. Wenn das in Dänemark auch so war, dan ist der Begriff Starkwindtrainingseinheit reichlich untertrieben.

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  6. avatar an Land stehender Kapitän sagt:

    Naja mit ner Elliot aufs Meer ist bestimmt sicherer als mit nem 49er. Aber dann ganz auf ein Motor-/Sicherungsboot zu verzichten halte ich schon für sehr leichtsinnig. Passieren kann immer mal etwas.
    Wir waren auch schon kurz vor nem Sturm in Roermond auf dem Wasser, aber da waren zig andere Kielboote und Motorboote der Wettfahrtleitung auf dem Wasser. Das war alles noch guten Gewissens durchführbar auch wenn es einige Sonnenschüsse während der Regatta gab.
    Aber ganz allein aufs offene Meer? Sehr, sehr leichtsinnig. Seine Grenzen sollte man auch kennen.

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  7. avatar clarissa sagt:

    Manchmal steht ein Kapitän auch an Land, weil er klug genug ist, seine Fähigkeiten einzuschätzen und weiß, wann es leichtsinnig wäre, rauszugehen!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

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