Deutsche Segel-Bundesliga: Beteiligte ringen um Rechte

+++ Wem „gehört“ die Segel-Liga? +++

In drei Wochen beginnt die zweite Saison der Segel-Bundesliga mit der Relegation in Glücksburg. Im Hintergrund ringen Beteiligte um Ansprüche, Rechte und Einigkeit. Vereinsinteressen sollen durch Gründung des Segel-Liga e. V. gewahrt werden.

J/70

Die J/70 Flotte der Bundesliga. © Lars Wehrmann

Ein Erfolg hat viele Väter, vor allem im Nachhinein. Das gilt auch nach der gelungenen Premiere der Segel-Bundesliga im vorigen Jahr. Hatte es vor dem Start noch zahlreiche Skeptiker gegeben, wollen diesmal schon 63 Vereine aus ganz Deutschland dabei sein. Rund 400 Aktive kämpfen Anfang April auf der Flensburger Förde um einen Startplatz in der 1. oder 2. Liga. 40 Vereine scheiden aus.

Audi als Sponsor an Bord

Eine Mammutveranstaltung. Ganz offenbar hatte die Hamburger Konzeptwerft mit den Köpfen Arne Dost und Oliver Schwall, die auch für das Sailing Team Germany verantwortlich zeichnen, eine gute Idee, die sie sich nach eigenem Bekunden im ersten Jahr 180.000 Euro Investition haben kosten lassen. Inzwischen als Deutsche Segel-Bundesliga DSBL GmbH firmiert, sind die Eckdaten für die zweite Saison klar und mit der AUDI AG ein erster Sponsor an Bord.

Doch Ende Januar kam es am Rande der Düsseldorfer Wassersportmesse boot zum Eklat mit dem Deutschen Segler-Verband (DSV). Dieser fühlte sich nach dem Senkrechtstart der Liga, an dem er selbst tatkräftig mitgewirkt habe, übergangen. Die neue Führung im Präsidium pocht auf das DSV-Grundgesetz und -Selbstverständnis. Sie beansprucht das Recht an einer deutschen Segel-Bundesliga für den Dachverband.

[ds_preview](Ab hier Text für SR Club Mitglieder)

Gegenüber der Konzeptwerft und deren Tochtergesellschaft beruft sich der DSV auf den Grundlagenvertrag, der 2009 bei der Entstehung des Sailing Team Germany geschlossen wurde und Regattaformatentwicklungen ausdrücklich einschließe.

Ligaausschuss gegründet

Deutsche Segel-BundesligaQuasi parallel zu den konkreten Saisonvorbereitungen der Hamburger wurde kurz vor der turbulenten Sitzung in Düsseldorf ein DSV-Ligaausschuss mit einer Arbeitsordnung versehen und eine Ligaordnung erlassen.

Von der DSBL GmbH ist dort direkt keine Rede. Nachdem der Veranstaltung zwischenzeitig sogar eine Einstweilige Verfügung mit Regattastopp ins Haus zu flattern drohte, wollen sich die Beteiligten nun am 18. März in den Büros der Konzeptwerft unter dem Hamburger Michel treffen und auf eine Lösung einigen. Gemeinsamkeit ist erklärtes Ziel.

Eine Schlüsselrolle kommt den Bundesligisten selbst zu. Denn ohne teilnehmende Clubs, deren beste Mitglieder vermutlich vor allem eines, nämlich einfach nur mitsegeln und möglichst gewinnen wollen, gäbe es keine Liga.

Vereinsmehrheit steuert

Ein fünfköpfiges Steering Commitee zur Steuerung aller Belange wurde mehrheitlich mit drei Vereinsvertretern besetzt. Neben Jobst Richter, der besonnen und von vielen gelobt über die Regattaregularien vor allem auch aus Verbandssicht wacht, und Oliver Schwall für die DSBL GmbH kümmern sich Philipp Kadelbach (Verein Seglerhaus am Wannsee), Eckart Diesch (Württembergischer Yacht-Club) und Florian Weser (Norddeutscher Regatta Verein) um die Interessen der Bundesligavereine.

Da geht es unter anderem um die Vereinszugehörigkeit potenzieller Mitsegler, die bei Ligaeinsatz mindestens ein Jahr bestanden haben muss, um kurzfristige Ablösen zu verhindern. „Außerdem wollen wir sicherstellen, dass alle Teams bei den Wettfahrten ihre eigene Crewkleidung tragen dürfen“, nennt Weser ein weiteres Beispiel.

Verantwortung oder Risiko?

Am Sonnabend (15. März) nun soll im NRV an der Alster der Segel-Liga e.V. als Vereinigung der Vereine gegründet werden. An der Satzung wurde lange gefeilt, und über den Inhalt wird möglicherweise auf der Gründungsversammlung noch heftig diskutiert. Denn die Clubs sollen auch in die Verantwortung gehen in Bezug auf Ausrichtung und Organisation der Ligawettkämpfe.

Finanziell ist das kein kleines Risiko. Der DSV hat seinen Vereinen tatkräftig beim mehrseitigen Entwurf der Paragraphen geholfen – nicht ohne Eigeninteresse natürlich, warum sollte er auch?

Der Bundesliga-Spitzenreiter Yachtclub Berlin-Grünau Jochen Schümann

Jochen Schümann siegte zum BuLi Auftakt 2013 in Starnberg für seinen Yachtclub Berlin-Grünau. © Nils Bergmann/Segel-Bundesliga

Ist die Bundesliga, die schon im europäischen Ausland und in Übersee für Aufsehen gesorgt hat, nun in den Mühlen von Verbandsgremien gelandet? Obwohl unisono alle für schlanke Strukturen plädieren?

„Wir sind auf einem guten Weg und sehen optimistisch einer Einigung entgegen“, sagt DSV-Präsident Andi Lochbrunner gegenüber SegelReporter. „Die finanzielle Transparenz wird gewährleistet und der Sport, nicht der Kommerz soll im Mittelpunkt stehen. Die Segelbundesliga soll fliegen.“

„Wir wollen keine Rechte verwalten“

Nichts anderes wollen Dost und Schwall auch, obwohl die Urheber schon etwas verwundert sein dürften, wer sich inzwischen alles die Bundesliga an Revers heftet. In den DSV-Ordnungen gibt es bislang lediglich die Option, „…einen Vermarkter zu beauftragen.“ Dost: „Letztendlich wollen wir keine Rechte verwalten, sondern die Segel-Bundesliga im Sinne der Vereine ebenso zum Erfolg führen wie wir es bei STG tun.“

Segel-Bundesliga

Das NRV Team beim Bundesliga-Finale in Berlin. © Lars Wehrmann

Ein Durchführungs- und Vermarktungsvertrag mit der DSBL GmbH könnte die Lösung bringen, wenn die Regattagestaltung mit dem Vorstand des Liga e. V. abgestimmt wird.

Der Begriff Bundesliga scheint rechtlich nicht schützbar zu sein, was Ansprüche darauf nicht leichter macht. Die existente Segel-Bundesliga wurde indes sogar ins Handelsregister eingetragen. Und die Vorbereitungen für die Relegation laufen bei der DSBL GmbH ungeachtet der Hintergründe weiter auf Hochtouren.

Dass die angemeldeten Vereine den Saisonauftakt in nennenswerter Zahl boykottieren würden, solange nicht alle Formalien geklärt sind, erscheint ziemlich unwahrscheinlich. So dicke haben es Segler mit Papierkrieg meistens nicht. Und auch DSV-Vizepräsident Dietmar Reeh, der Jurist in der Verbandsführung, ist optimistisch: „An der Sturköpfigkeit von Funktionären wird der Beginn der Bundesliga nicht scheitern.“

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4 Kommentare zu „Deutsche Segel-Bundesliga: Beteiligte ringen um Rechte“

  1. avatar Pia Matscheroth sagt:

    Eher boykottieren die Vereine den DSV als die Relegation. Was für ein Kindergarten.
    Wofür braucht man den DSV nochmal?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 21 Daumen runter 4

    • avatar bowman sagt:

      Als “Hüter der Statuten”, aber das ist bloß derselbe Tanz, durch den die Ligen im Eishockey, Handball und Basketball letztlich doch alle durchgekommen sind.

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  2. avatar andreas borrink sagt:

    Toll recherchierter (und kommentierter) Bericht über die aktuellen Aktivitäten in Sachen BL!

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  3. avatar Fastnetwinner sagt:

    Der Verband hat bei den Aktiven ein großes Vermittlungsproblem seines Mehrwertes. In seiner Aussendarstellung wirkt er verkrustet und in seinem Gebaren meist unglücklich. Der DSV wäre gut beraten zwei Punkte anzugehen:

    a) Die Bundesliga in den Händen derer zu lassen, die sie machen.
    b) Sich schleunigst hinzusetzen um uns nachprüfbar glaubwürdig darzulegen, weshalb wir den Verband und sein Selbstverständnis für unseren Sport als Mehrwert auffassen sollten.

    Bis dies nicht passiert ist sehe ich kaum Chancen, daß der Verband auf Aktiven-Seite als sinnvolle Institution angesehen werden kann.

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