Drachen Winter Series: Überlebenskampf vor Cascais – Schiff gesunken

Der Untergang

Philipp Blinn versucht den sinkenden Drachen an der Luvtonne zu befestigen. Aber er sinkt. © Ricardo Pinto

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Carsten Kemmling

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7 Kommentare zu „Drachen Winter Series: Überlebenskampf vor Cascais – Schiff gesunken“

  1. avatar unbefugtsegeln sagt:

    Wenn ich die Segelnummer so richtig interpretiere war das ein nagelneues Schiff!? Wie konnte das dann passieren?

    • avatar Inflex sagt:

      Ist ziemlich einfach zu erklären, jeder der neueren Drachen hat eine automatische Lenzpumpe an Bord die das bei diesen Bedingungen eintretende Wasser fortwährend Außenbords pumpt. zusätzlich gibt es noch eine zweite manuelle Lenzpumpe. Eimer, Anker usw müssen auch mitgeführt werden…

      Konstruktionsbedingt, kann sich der Drachen jedoch (insbesondere bei Welle) soweit auf die Seite legen (Chinese), dass in den Mittelabschnitt Wasser einläuft. Das sind dann mal fix mehrere hundert Liter. In Berlin haben wir mal versucht bei 30kn + unfreiwillig mit Spi zu kreuzen, da Stand das Wasser am Ende ca. bis zum Knie. Das waren ca. 300 Liter. Also waren da in Cascais mal eben zusätzlich 1000 Liter Wasser im Schiff bei einem Schiffsgewicht von ca. 1,8 Tonnen!

      Für diesen Fall ist der Bugbereich grundsätzlich weitgehend wasserdicht abgeschottet (ca. 5 cm vor dem Mast liegt das Schott). Ebenso ist das Heck grundsätzlich weitgehend dicht. (Ausnahmen sind hierbei die Läufer des Achterstags und des Backstages. Grundsätzlich reicht dieser Auftrieb aus. Viele haben noch größere wasserdichte Tonnen an Bord (Roter Schraubdeckel, weißer Körper) die gleichzeitig als Auftrieb und als Stauraum dienen.

      Bei einem vollgelaufenen Drachen, in Kombination mit dem schweren Seegang vor Lissabon, kann jedoch auch über einen gewissen Zeitraum beständig Wasser in die Heckabteilung eindringen. Wie auf dem Bild zu sehen ist blieb bis zuletzt die Luft im Bugbereich und hielt das Schiff noch einen Moment über Wasser. Irgendwann ist aber auch da Schluss. Denn die Spinnakertrompete läuft auf der Steuerbordseite einmal durch das ganze Vorschiff und ist natürlich nicht wasserdicht und zum Mittelbereich hin offen. Wäre vlt noch eine Option hier wasserdichtes material zu verwenden… Durch das komplizierte Leinensystem unter Deck ist es auch schwer Auftriebsmaterial zu verbauen…

      So etwas passiert aber wirklich sehr selten… Interessant wäre es aber mal zu wissen wie tief es da ist und ob sich evtl eine Bergung lohnt… Das sind vermutlich 60.000 – 80.000 € die da unten liegen. Keine Ahnung was da an Bergungskosten zusammenkommt.

      • avatar unbefugtsegeln sagt:

        Danke für die ausführliche Beschreibung!

        Das so ein Drachen mit entsprechender Menge Wasser im Bauch und ohne Auftriebshilfen nach unten geht wie ein Stein ist mir schon klar, bei dem Stahlklumpen da unten dran. Erinnere mich da auch an das Bild einer Mastspitze die aus dem Wannsee kuckt.

        Hätte nur, wie weiter unten geschrieben, gedacht, dass sich die aktuellen Schiffe da deutlich besser halten…

  2. avatar Kluchschieter sagt:

    steht oben beschrieben 😉

    • avatar Peter sagt:

      …beunruhigend finde ich, wie schnell ein Boot der neuesten Generation trotz Doppelboden und Schotts sank. Zwischen Sonnenschuss und Untergang lagen angeblich nur 3 Minuten.

      • avatar unbefugtsegeln sagt:

        Eben das meinte ich. Es gab glaub ich auf der Seite von Petticrows mal ein Video wo das mit dem Volllaufen getestet wurde, da hat sich das Boot recht lange gehalten…

        • avatar Inflex sagt:

          Eine mögliche Erklärung wäre noch, dass die Zugangsluke zum Heck nicht richtig geschlossen oder offen war. Jedoch glaube ich vor dem Hintergrund der Wetterbedingungen nicht, dass da irgendjemand mit geöffneter Luke rumgefahren ist. Jeweils zum Heck und zum Bug gibt es eine derartige Inspektionsluke durch die ein Mensch knapp hineinpasst um Wartungsarbeiten oder Reparaturen auszuführen. Bei den neueren Drachen sind diese mit ca einem Dutzend rundum laufenden Schnellspannverschlüssen gesichert.

          Da offenbar das Heck zuerst vollgelaufen ist wäre auch noch eine andere Erklärung vorhanden. Auf beiden Seiten laufen zum einen die Backstage in das Heck hinein. Sind zwar kleine Öffnungen aber jedenfalls nicht wasserdicht.

          Am Heckende liegen auf dem Deck die Öffnungen für die Herauslaufenden Stagen (also zweimal Back – einmal Achterstab). Auch hier kann Wasser eindringen. Zwar in Kleinen Mengen aber steter Tropfen…

          Zuletzt, und das ist vermutlich die Hauptschwäche, befindet sich mittig, hinter der Sitzbank des Steuermanns (die is übrigens urgemütlich, weil federndes Holz 🙂 ) ein ca. 5 cm hoher und 0,5 cm breiter Spalt für das herauslaufende Achterstag. Dahinter sitzt dann eine Curryklemme. Das ist schon eine größere Öffnung.(ich bin mir aber nicht sicher ob die Öffnung in dieser Größe komplett bis hinein reicht) Also insgesamt 5 Öffnungen durch die Wasser eindringen kann. Und je tiefer das Heck sinkt, desto schneller geht es ja… Wenn die Achterstagsöffnung in dieser Größe bis hinten durchreicht, dann kann dort ziemlich schnell Wasser eindringen und auch die vorhandene Luft entweichen.

          Das Schiff ist glaube ich Baujahr 2012. zumindest war die Segelnummer bei den Cascais WS 2012/2013 dabei…

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