DSV: Neuer Cheftrainer vorgestellt – Ainslie Coach David Howlett

"Ich bin konsterniert"

Der DSV hat mit dem britischen Erfolgstrainer David Howlett eine Trainer-Legende ins Boot geholt. Die Probleme sind damit aber längst nicht ausgestanden.

Howlett Lochbrunner

David Howlett und Andreas Lochbrunner. © DSV

Die Nachricht in der Pressemitteilung klingt gut. “David Howlett wird Head Coach der Deutschen Segel-Nationalmannschaft”. Der Brite scheffelte mit seinen Seglern schließlich seit 1988 regelmäßig Gold bei Olympischen Spielen. DSV Präsident Andreas Lochbrunner lobt die “unglaubliche Erfolgsbilanz”. “Wir sind sehr stolz, dass wir mit David Howlett einen der weltbesten Trainer als Head Coach für die deutsche Segel-
Nationalmannschaft verpflichten konnten.”

Den größten Coup landete Howlett bei seiner Trainer-Permiere 1988 als er Mike McIntyre und Bryn Vaile im Starboot zu einer der überraschendsten Gold-Medaillen der Segel-Olympia-Geschichte führte. Danach tat sich der ex Finn Segler Howlett als Spezialist in dieser Klasse hervor, und sein Name ist eng mit den Erfolgen von Iain Percy und Ben Ainslie verbunden.

Ein echter Trainer-Promi also, der sich den deutschen Seglern annimmt. Und seit langem ist es mal wieder eine positive Nachricht aus dem deutschen Olympia-Lager. Ob solch eine Personalie aber die Wogen glättet?

Es rumort

Immer noch rumort es hinter den Kulissen seit Lochbrunner im ZDF nach der WM Pleite in Santander dem Sailing Team Germany Vorwürfe gemacht hatte.  Im SR-Interview betonte er, die Doppelgleisigkeit in der Trainer- und Führungsstruktur aufheben zu wollen. Beide Organisationen teilen sich unter anderem etwa zur Hälfte die Bezahlung der Trainer. Wie das neue System aussehen soll ist gänzlich unklar.

Thomas-Piesker

Thomas Piesker, Trainer des Jahres 2012. © STG

Ob Howlett weiß, auf was er sich da einlässt? Kann er mit seinem großen Namen vermittelnd agieren? Laser Trainer Thomas Piesker jedenfalls, der eigentlich für die Trainer-Koordination zuständig ist, sagt zu der Umstellung: “Ich bin konsterniert.” Es habe Gerüchte aber keine Kommunikation über den Umbau gegeben. Er sei erst einen Tag zuvor  informiert worden und weiß auch nicht, wie es weiter gehen soll.

Dabei gehört er zu den erfolgreichsten Coaches des DSV, der seinen Laser-Seglern Grotelüschen und Buhl den Weg in die Weltspitze geebnet hat. Prinzipiell sei jemand wie Howlett sicher in der Lage, etwas Positives zu bewegen. Aber dann müsse dieser Job auch die notwendigen Kompetenzen erhalten.

Er warte nun auf ein Angebot, in dem seine neue Position definiert wird und entscheide dann über den nächsten Schritt. Natürlich wolle er mit den Lasern und Philipp Buhl weiter zusammenarbeiten.

Buhls Ambitionen

Das betont gegenüber SR auch sein Schützling, der zurzeit im Rahmen seiner Bundeswehr Sportförderung einen Lehrgang absolviert und seinem zwickenden Rücken eine Segel-Pause gönnt. Der Dritte und Vierte der vergangen WMs glaubt, dass die neue Entwicklung vielleicht gar nicht schlecht für sein ganz persönliches Olympia-Projekt ist.

Piesker sei sicher in der Lage, wie bisher die Trainer-Koordinator-Aufgaben zu übernehmen. Aber wenn er das nicht mehr müsse, könne er sich möglicherweise noch mehr um das Laser Projekt kümmern. “Da muss ich als Sportler ganz egoistisch denken.”

Howlett kenne er nicht, aber dessen Erfolge sprechen für sich. Wenn man da neue Ressourcen anzapfen könne, sei das sicher gut. Vielleicht helfe er auch dabei, intern die Wege wieder besser zusammen führen.

Howlett segelte gegen Schümann

Howlett selber wird in der DSV Pressemitteilung so zitiert: „Deutschland hat eine große Segeltradition mit vielen hervorragenden Seglern. Ich kann mich noch gut an meine aktive Olympiateilnahme im Jahr 1976 erinnern, als Jochen Schümann im Finn Gold holte und ich siebter wurde. Ich glaube, dass die deutsche Segel-Nationalmannschaft auch heute viel Potenzial hat.

Wichtig ist, dass wir uns jetzt alle auf das große Ziel Olympia 2016 fokussieren und dass die Seglerinnen und Segler möglichst viel Zeit auf dem Wasser verbringen. Auch im Sport bekommt man nichts geschenkt. Talent ist eine Grundbedingung, aber keine Garantie für Erfolg. Training und ein klarer Fokus auf das Ziel sind durch nichts zu ersetzen.“

Hilfreich für die neue Aufgabe ist es sicher, dass der Brite sehr gut Deutsch spricht, seit er in frühen Jahren eine Segelmacherlehre im Salzburger Land absolviert hat. Am Mittwoch den 17. Dezember soll Howlett mit einer Pressekonferenz beim DSV noch einmal persönlich vorgestellt werden.

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Carsten Kemmling

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6 Kommentare zu „DSV: Neuer Cheftrainer vorgestellt – Ainslie Coach David Howlett“

  1. avatar wooling sagt:

    Ist denn nicht alles ein Vorschritt in dieser katastrophalen Situation? Das Experiment Sailng Team Germany ist nach meiner Meinung grandios gescheitert. Ich denke ein Verband sollte sich seiner Verantwortung umfänglich bewusst sein. Das “privatisieren” substanzieller Aufgaben wie die Entwicklung der Sportler gehört zu Grundaufgaben. Das STG hat da komplett versagt und dem deutschen Segelsport viel Zeit gekostet.

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  2. avatar Jens Balbiani sagt:

    Das duale System aus öffentlichen Fördergeldern und Sponsoren ist im Sport international erfolgreich, und die Diskussion darüber ist von gestern. Die sportfachliche Leitung wurde nie privatisiert, das ist falsch. Sie lag immer in der Hand des DSV. Das erfolgreiche Engagement durch Audi und SAP und vielen anderen im deutschen Segelsport hätte es ohne STG nie gegeben. STG ist kein Experiment sondern der pragmatische Beweis, dass, wenn Mittel und Kompetenzen konzentriert werden, die nicht ehrenamtlich gesteuert werden müssen, grosse Fortschritte für die Sportler erzielt werden können. Ohne die zusätzliche Förderung durch Sponsoren würden die Sportler nicht auskommen! Nur wer es versteht, den Sport auch erfolgreich zu vermarkten, kann Sponsoren für sich begeistern. Das muss man einfach mal verstehen und akzeptieren, bevor man der einzigen Organisation, die etwas deutlich bewegt, Versagen vorhält Von Versagen zu sprechen, ist nicht nur falsch sondern erweist dem deutschen Segelsport einen Bärendienst. Der DSV kann sich nicht allein als Heilsbringer erweisen, die Kräfte müssen gebündelt werden. Ohne das STG wird es keine keine professionelle Vermarktung, keine Innovationen und damit kein zusätzliches Geld geben, ohne den DSV keine sportfachliche Verantwortung. Es führt also gar nicht weiter, die beiden gegeneinander auszuspielen. Nur Gemeinsamkeit wird bei Olympischen Spielen wieder zu Metall führen.

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    • avatar Eberhard sagt:

      Dem kann man nur voll zustimmen .Auch darf man nicht vergessen dass es in anderen Laendern auch gute Segler gibt die genauso hart und viel trainieren .Dazu ein paar passende Winddreher und die Medaille ist weg !
      Hat doch keinen Sinn das ganze auf die ersten 3 Plaetze zu reduzieren !

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 4

    • avatar Hugo sagt:

      Die Idee ist gut, die Durchführung muss aber auch überprüft werden, oder lässt man alle frei walten und schalten?
      Man sollte mal hinterfragen, ob STG wirklich so professionell arbeitet. Ein Gespräch mit den Mitarbeitern bringt da bestimmt Klarheit. Und wenn man dann noch nach einer Aufschlüsselung der Finanzen fragt wird man sein blaues Wunder erleben.
      @ Segelreporter: Mich wundert, dass ihr bei eurer journalistischen Kompetenz noch nicht den Bericht von den Wirtschaftsprüfern gesehen hat

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  3. avatar jorgo sagt:

    Klingt nach einem klugen Zug von Seiten des DSV.

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  4. avatar Manfred sagt:

    Smooth sailing, David,
    …in den turbulenten deutschen, olympischen Fahrwassern.

    See you on the Ice
    DN G-99

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