Dynamisches Stabilitäts-System: Erster Mini 6.50 mit DSS auf Jungfernfahrt

Mini mit Flügel

Mini 6.50, DSS,

Deutlich sichtbar: Das DSS auf Steuerbord © breschi/dss

Vor La Rochelle ist erstmals ein Mini 6.50 mit dem Stabilisierungs „Flügel“ DSS gesegelt. Das Boot trägt bereits die No. 823, wurde aber noch nicht von der Classe Mini abgesegnet.

Das DSS Prinzip ist eigentlich simpel: Ein etwa 50 cm breites und bis zu 2,5 m langes, leicht konkav gebogenes Schwert/Foil lagert waagrecht liegend im Schiffsrumpf auf einem Schlitten- und Rollensystem. Am Wind wird dieses Schwert/Foil wie ein Flugzeug-Flügel durch seitliche Schlitze im Rumpf auf Knopfdruck ausgefahren – und zwar in Lee! Dort taucht das Schwert knapp unterhalb der Wasseroberfläche ein, erzeugt bei Fahrt Auftrieb und erhöht so das aufrichtende Moment. Dadurch ist unter anderem ein geringeres Kielgewicht notwendig.

In Italien segeln bereits einige 30-40-Fuss-Yachten sehr erfolgreich mit dem DSS (Regatta und Cruising), der Bolide Q28 von Quantboats ist dank DSS ebenfalls nur sehr schwer zu schlagen.

Mini 6.50, DSS,

DSS verleiht Flügel © breschi/dss

In der Mini-Szene liebäugelt man schon seit einiger Zeit mit dem DSS. Kürzlich wurde endlich der erste Prototyp vor La Rochelle auf der Jungfernfahrt gesichtet. Das Boot wurde von „Isotop“ gebaut (hier einige Fotografien „behind the scene“ während der einzelnen Bauphasen) und begeisterte bei den ersten Schlägen auf dem Atlantik vor allem seinen Skipper Jean Saucet, der vor allem als Mini-Skipper-Trainer bekannt ist. „Wir hatten 12 kn Wind und rasten, als würde es mit 20 kn wehen“ berichtete er. Konkrete Zahlen über Bootsspeed gab er allerdings nicht an. „eins ist jedoch sicher: Das Segelverhalten hat nichts mehr mit dem „üblichen“ Verhalten eines Minis zu tun!“

Man müsse noch einiges am Trimm des Bootes ändern, so der Franzose weiter, aber das seien marginale Probleme, die nichts mit dem Prinzip des DSS zu tun hätten. Der „Flügel“ flutsche wunderbar von einer Seite zu anderen und das aufrichtende Moment werde auf geniale Weise verbessert.

Mini 6.50, DSS,

Oder bremst das Teil? © Breschi/dss

Ob bald schon die ersten DSS-Minis bei den (mittlerweile über 140 Boote starken) Mini-Regatten mitmischen und etwa das Matchrace mit dem berühmten Plattbug nicht scheuen werden, entscheidet sich in den nächsten Monaten. Dann werden die Verantwortlichen der Classe Mini darüber urteilen, ob das DSS-System – wie auf 823 vorgestellt – mit den Klassenregeln konform geht.

 

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Michael Kunst

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5 Kommentare zu „Dynamisches Stabilitäts-System: Erster Mini 6.50 mit DSS auf Jungfernfahrt“

  1. avatar SR-Fan sagt:

    Is ja nicht ganz neu – aber schön, dass es jetzt die ersten Boote (außerhalb der Versuchsserie) gibt.
    Wenn das von den Regeln durchgeht, scheint die Zeit der überbreiten Hecks (endlich) besiegelt 😉

    VG

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    • Spannend ja – aber wenn, dann wäre das nur im Bereich der Protos möglich (Serienschiff dürfen keine zusätzlichen Foils haben) und selbst da muss man erst mal abwarten bis echte Zahlen da sind. Es gibt ja auf SA.com einen Thread dazu : http://forums.sailinganarchy.com/index.php?s=9a7a78ef8bdbe86936979767cf85b482&showtopic=146354

      Insbesondere die 3m-Regel verhindert eigentlich die Verwendung von solchen Flügeln – ansonsten würden auch die Kiele weit stärker gekantet.

      VG, Frank

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      • avatar eman sagt:

        soweit ich weiß ist der DSS-Mini incl.Flügel innerhalb der 3m Regel, da:
        a) der Rumpf viel schmaler ist und
        b) die Breite nicht unbedingt symmetrisch zur Rumpfmittelebene gemessen werden muss.

        Das Schwenken der Kiele wir in meinen Augen auch eher durch den Rumpf begrenzt (Platz für Hebel, Übersetzung und Struktur). Immerhin gibt es telekopierbare Kiele, die ausgefahren die max. Breite ausreizen (wenn nicht vorher max. Tiefgang erreicht wird.

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  2. avatar Olli sagt:

    Was heißt hier, die Zeit der breiten Hecks sei endlich besiegelt? Breite Hecks sind doch schön! Schön ist, was schnell macht.
    Früher gab es den Spruch, if she looks good, she sails good.
    Heute ist das eben andersrum. Dadurch, daß es schnell ist, wird es auch schön. Zumindest für den geschwindigkeitsorientierten Segler eine nahezu unumstößliche Regel.

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    • avatar SR-Fan sagt:

      Mit DSS muss man aber – zumindest wenn sie funktioniert – die frühere Regel nicht mehr auf den Kopf stellen 😉

      VG

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