Es klingt wie ein Aprilscherz. Aber Russell Coutts will tatsächlich elektrische Antriebssysteme für die SailGP-Katamarane einführen. Sein Plan könnte die größte Schwäche des führenden professionellen Rennzirkus beheben. Wie er den SailGP auf Spur brachte.

Von Russell Coutts kann man nicht behaupten, dass er sein Handeln vom Wunsch bestimmen ließe, geliebt werden zu wollen. Er hätte nach zwei America’s Cup-Siegen für Neuseeland ein schönes Leben als Nationalheld führen können – so wie Peter Blake. Stattdessen folgte er dem Ruf des (Schweizer) Geldes, entführte den Cup mit Alinghi, wurde als „Verräter“ beschimpft und eine Zeitlang zum „meistgehassten Mann“ in seinem Heimatland.
Dann überwarf er sich mit Alinghi-Boss Ernesto Bertarelli – was ihn die Teilnahme am Cup-Höhepunkt 2007 in Valencia kostete – und wechselte in das Lager des Erzfeindes Larry Ellison. In dessen Diensten beteiligte er sich an der Zerstörung der damals unter dem Mantel des America’s Cups gut funktionierenden internationalen Segelprofi-Szene. Denn während Ellison vor dem New Yorker Supreme Court sein Recht zum eins-gegen-eins Deed-of-Gift-Match erstritt 2010, standen alle anderen Herausforderer im Seitenaus.
Mit dem Cup-Sieg für Ellison wurde Coutts noch mächtiger und drängte gegen den Widerstand der etablierten Yachtie-Szene auf den Wechsel zum Multihull-Segeln. Die Fähigkeiten der alternden Big-Boat-Spezialisten mit den großen Namen waren nicht mehr gefragt. Die junge Garde der 49er-Schnellboot-Segler wie Peter Burling oder Nathan Outteridge trat in die erste Reihe vor. Sie konnten dem Segelsport ein junges, frisches Gesicht geben.

Coutts hatte schon lange von einer Segelliga geträumt, die unabhängig von den unverlässlichen Rahmenbedingungen der America’s Cup Stiftungsurkunde existieren sollte. 2007 war er schon einmal fast so weit, seine Pläne zu realisieren. Während er beim America’s Cup, von Bertarelli – vertraglich kaltgestellt – nur zusehen durfte, war er nicht tatenlos und kündigte an, einen neuen Onedesign Profi-Segelzirkus aus der Taufe heben zu wollen.
Schulter an Schulter mit Paul Cayard kündigte er die Zusammenarbeit mit dem renommierten portugiesischen Sport Promoter João Lagos an. Der ehemalige Davis Cup Spieler hatte zuvor erfolgreich Golf, Tennis, Reiten, Surfen und Beach Volleyball vermarktet. Nun sollte Segeln mit der World Sailing League dazu kommen. Das renommierte Designbüro VPLP zeichnete einen 70-Fuß-Katamaran, der im Sommer 2008 gebaut werden sollte.
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