Erste genehmigte Corona-Regatta: Schmid gewinnt Finn-Event mit Roboter-Tonnen

Es geht doch (noch)

Inmitten der ganzen Corona-Maßnahmen ist ein klein wenig Normalität möglich! Am 17./18. April wurde vom Blankeneser Segel-Club (BSC) in Hamburg die Interkontinentale Hamburger Einhandmeisterschaft der Finn-Klasse mit 24 Teilnehmern durchgeführt. Vorausgegangen war die Genehmigung eines ausgefeilten Hygienekonzeptes durch die zuständige Hamburger Behörde.

Wirklich geglaubt haben wir es eigentlich erst, als wir zur ersten Wettfahrt auslaufen durften. Es ging tatsächlich los. Der BSC, in Persona von Sören Sörensen, hatte den Behörden ein stimmiges Hygienekonzept vorgelegt, so dass eine Finn-Regatta unter Corona-Bedingungen stattfinden konnte. Natürlich beinhaltete dies Abstand, Masken, Testen und eine begrenzte Teilnehmerzahl von 25 Seglern. All das nimmt man aber gerne in Kauf, wenn man bloß wieder regattieren kann!

Abendstimmung beim Finn-Event. © Jan Kruse

Es Weltmeister Thomas Schmid dominiert auf seinem Hausrevier und kommt auch mit der Robotertonne klar. © Jan Kruse

Sören C. Sörensen BSC
2. Vorsitzender &  Jugend-Obmann in Aktion auf dem Finn Dinghy. © Jan Kruse

24 Finns an der Startlinie © Jan Kruse

Mir kamen allerdings leichte Zweifel, ob es so schlau war hier mitmischen zu wollen. 15 Jahre hatte ich keine Jollenregatta mehr gesegelt und erst drei Mal vorher im Finn gesessen. Der Blick auf die Meldeliste raubte mir dann alle Illusionen über ein vielleicht nur mäßig besetztes Teilnehmerfeld: Mit Thomas Schmid und Andre Budzien waren zwei mehrfach mit WM-Medaillen dekorierte Recken am Start und der Rest der Teilnehmer reichte von ex Olympiakader-Seglern bis zu Local-Heroes, die jeden Strömungswirbel des Mühlenberger Lochs kennen. Für die Finn-Klasse eher ungewöhnlich war auch eine Dame am Start.

Grüße von Herrmann und Schümann

Der BSC tat alles, um die Teilnehmer nicht nur willkommen zu heißen, sondern sie auch heiß auf die Regatta zu machen. So gab es zur Einstimmung an den Tagen vor den Rennen Grußworte per WhatsApp von der Segelprominenz – von Boris Herrmann über Stefan Matschuk (North Sails Germany) und Jochen Schümann bis hin zu Tim Kröger.

Noch vor der virtuellen Steuermannsbesprechung am Freitagabend wurde der erste Start am Samstag wegen drohenden Windmangels auf den Abend verschoben. Dies führte zu leichtem Unmut von Seglern mit längerer Anreise, die sich nun einen Tag am Hamburger Elbstrand unter Corona-Restriktionen verlustieren mussten.

Nachdem das Teilnehmerfeld an der vorbildlichen BSC-Medical-Station durchgetestet worden war, ging es pünktlich zum ersten Start um 17:30 Uhr aufs Wasser. Die Slipbahn war allerding belegt, da erst die Regattatonnen gewassert wurden, GTPS gesteuerte, selbstfahrende Geräte von Smartmark. Sie erfüllten ihren Zweck perfekt.

Mit den Smartmarks an der Slipbahn. © Jan Kruse

Bis zum letzten Büchsenlicht wurden drei Läufe bei 2-4 Windstärken und Sonnenschein durchgezogen. Meine Bedenken bestätigten sich schnell, so dass ich mich ziemlich weit hinten auf der Liste wiederfand.

Beach-Finn-TV berichtete Live von der Bahn:

Das Hafenrennen bei untergehender Sonne war schon allein alle Corona-Beschränkungen wert.

Die fleißigen Helfer des BSC schafften es zudem, Corona-konform das von der Weltmeisterfamilie gespendete Einlaufbier und warme Brezeln zu reichen, um dann alle Teilnehmer pünktlich zu der in Hamburg geltenden Sperrstunde um 21:00 Uhr auf den Heimweg zu schicken.

Auslaufen mit dem Sonnenaufgang auf dem Mühlenberger Loch. Notwendig wegen der Gezeiten. © Harald Müller

Sonntag wurde um 07:00 Uhr gestartet, was die Nachtruhe deutlich begrenzte. Bei der Ankunft im BSC war es dämmrig und kalt, so dass die Freude, sich zum Slippen ins eisige Elbwasser zu begeben, eher begrenzt war. Dies erklärt wohl, warum Einige es nicht zum ersten Start an die Linie schafften.

Aber das Auslaufen bei aufgehender Sonne über dem Blankeneser Elbhang weckte die Lebensgeister.

An der Spitze wurde es richtig spannend: den Hamburger Meistertitel konnte sich Thomas Schmid durch seinen Sieg im letzten Lauf punktgleich vor Fabian Lemmel sichern. Andre Budzien wurde Dritter. Ich konnte mich so gerade in die erste Hälfte retten.

Auch am Sonntag berichtete Beach-Finn-TV wieder Live vom Wasser:

Aufgrund der Corona-Regeln war eine reguläre Preisverteilung nicht möglich. Dafür gab es noch ein Schmankerl für historisch Interessierte. Zwei von Sören Sörensen und Wolf-Dieter Jahn aufgestöberte Olympia-Mader-Finns von 1972 wurden enthüllt. Original im 70er-Jahre gelb mit Tufnol-Klemmen und Auftriebskörpern mit den olympischen Ringen.

Mader Olympia Vintage Finns von 1972. © Harald Müller

So klang diese großartige Veranstaltung mit geselligem Fachsimpeln aus – natürlich Corona-konform Abstand wahrend und Maske tragend.

Herzlichen Glückwunsch an die Sieger und ein herzliches Dankeschön an den ausrichtenden BSC, die Wettfahrtleitung um Thorsten Paech und alle Helfer! Sie haben gezeigt, dass auch unter den aktuellen Einschränkungen Regattasport möglich ist. Die Umsetzung des Hygienekonzeptes hat die zuständige Behörde anscheinend überzeugt, so dass der am kommenden Wochenende geplante Pfahlewer-Cup der Laser auch genehmigt wurde.

Ergebnisse Interkontinentale Hamburger Meisterschaften Finn 2021

Weitere Fotos von der Regatta von Jan Kruse

2 Kommentare zu „Erste genehmigte Corona-Regatta: Schmid gewinnt Finn-Event mit Roboter-Tonnen“

  1. avatar Fastnetwinner sagt:

    Beach Finn TV life auf Segelreporter. Man glaubt es kaum. Was für ein großartiges Event!

  2. avatar XtremeSailing sagt:

    Tolle Veranstaltung, toller Bericht. Bin ein bisschen stolz, dabei gewesen zu sein. Nur… in Wirklichkeit war es noch viel besser. Glückwunsch an die Sieger und großen Dank an alle an der Organisation beteiligten.

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